Technik statt Tonnensalat

Mertesdorf · Salatblätter, Kaffeesatz, Kartoffelschalen und andere Essensreste landen entweder auf dem Kompost oder werden nutzlos über den Hausmüll entsorgt. Das soll sich ändern. In Mertesdorf (Kreis Trier-Saarburg) läuft derzeit ein EU-weites Projekt, das diese Hausmüllabfälle in Biomassebrennstoff umwandelt.

Mertesdorf. Was verbindet die Technische Hochschule in Aachen, die Uni Neapel und die Uni Barcelona mit dem Zweckverband Regionale Abfallwirtschaft im Raum Trier (RegAB)? Die vier Akteure sind Partner in einem interessanten Projekt für die Verwertung von organischen Abfällen. Insgesamt 4,2 Millionen Euro sind für die Maßnahme vorgesehen, 2,1 Millionen Euro schießt die Europäische Union (EU) bei (siehe Extra II). Gut investiertes Geld, wenn man der Vorstellung von Max Monzel, Geschäftsführer des RegAB folgt. Technik statt Tonnensalat überschreibt Monzel gerne das auf drei Jahre angelegte Projekt.
Darum geht es


In der mechanisch-biologischen Trocknungsanlage in Mertesdorf (MBT) werden die Abfälle aus der Region verarbeitet. Je Einwohner fallen im Jahr etwa 230 Kilogramm an Müll an, vieles von dem kann nach der Trennung in der Anlage aber wiederverwertet werden: Kunststoffe, Papier, Glas und Metallreste.
Doch - das will nun der Versuch zeigen - auch die organischen Abfälle sind in diesem Kreislaufsystem noch zu verwenden.
"Rund 40 Kilogramm pro Einwohner oder etwa 21 000 Tonnen an Biomassebrennstoff landen bei uns jährlich im Restabfall," erklärt Max Monzel. Diese Stoffe können bei entsprechender Bearbeitung genutzt werden. Ein Teil davon wird in der mechanisch-biologischen Trocknungsanlage als "Motor" für die Trocknung der Abfälle eingesetzt. Danach aber bleiben von 40 Kilo noch etwa 26 Kilo übrig, um daraus einen Brennstoff herzustellen, der fossile Energieträger wie Öl, Gas oder Kohle ersetzen kann. Das kleingehäckselte Schüttgut wird als Brennstoff an Biomassekraftwerke verkauft.
Monzel ist die Begeisterung für das Projekt anzumerken: "Wir freuen uns, dass wir den Zuschlag von der EU für dieses Projekt bekommen haben. Es ermöglicht uns, wissenschaftlich fundiert zu zeigen, dass in unserer Region auf die getrennte Bioabfalleinsammlung über eine zusätzliche Biotonne verzichtet werden könnte."
Monzel legt noch einen drauf. Die Region brauche dank der Trocknungsanlage weder einen Gelben Sack noch eine Biotonne. Die soll ab 2015 flächendeckend eingeführt werden. "Wir wollen mit unserem Projekt eine sinnvolle Alternative aufzeigen. Die Mülllandschaft in Deutschland ist von Sylt bis Kempten eben nicht gleich, und man kann nicht überall die gleiche Tonne hinstellen."
Für die Bürger könnte der Versuch finanziell vorteilhaft sein. Rund eine Million aus der Projektsumme werden in Mertesdorf eingesetzt. Die Verwertung von Bioabfällen aus dem Restmüll könnte so ein Baustein in der künftigen Entsorgung sein, die ohne eine zusätzliche Biotonne auskommt. In der zum großen Teil ländlich strukturierten Region entsorgen viele Menschen Gartenabfälle auf dem eigenen Komposthaufen, rund 100 Kilo werden zudem pro Person an Grünabfällen von der Müllabfuhr abgeholt.
Beim Gebührenvergleich liegt die Region bundesweit am unteren Rand der Skala, in Rheinland-Pfalz sind die Gebühren am niedrigsten in der Republik. Eine Biotonne würde bei der Flächenregion große Fahrtkosten verursachen, und mancher Experte mutmaßt sogar, wenn die Biotonne alle vier Wochen geleert wird, krabbelt der Inhalt schon allein zum Müllauto.
Für Max Monzel ist die Biotonne ökologisch und ökonomisch nicht sinnvoll, denn er glaubt an den Erfolg des neuen EU-Projektes.Extra

Die EU fördert das Projekt mit dem Namen Life + "MARSS" (Materials Advanced Recovery Sustainable System) länderüberreifend. Die RegEnt GmbH, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des Zweckverbands Regionale Abfallwirtschaft mit Sitz in Trier, übernimmt mit der Separierung und Aufbereitung der Biomasse aus Hausabfall die großtechnische Umsetzung. Der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen obliegt die wissenschaftliche Leitung. Die Universität Neapel wird die Ökobilanz erstellen. Inwieweit die Bürger das System unterstützen, wird die Universität Barcelona erforschen. Neben einer EU-Markterhebung sind außerdem Machbarkeitsstudien zur Übertragbarkeit des technischen Systems in Italien, England, Tschechien und Griechenland vorgesehen. Die RegEnt in Mertesdorf stellt das Know-how, die Anlage zur Trocknung und Sortierung des Abfalls sowie das Personal für die technische Umsetzung zur Verfügung. redExtra

Mitglieder des Zweckverbands regionale Abfallwirtschaft (RegAB) sind die Stadt Trier sowie die Landkreise Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, der Eifelkreis Bitburg-Prüm und der Vulkaneifelkreis. red

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