1. Region
  2. Wirtschaft

Tectro-Betriebsrat zeigt Chefs an

Tectro-Betriebsrat zeigt Chefs an

SAARBURG. Der Betriebsrat des Saarburger Kunststoffunternehmens Tectro hat gestern Strafanzeige gegen die Geschäftsführung des Unternehmens gestellt. Grund: Die Mitarbeitervertretung befürchtet eine Insolvenzverschleppung.

Die Mitarbeiter von Tectro haben die Nase von ihrem neuen Besitzer voll. Seit Wochen gehen sie zur Arbeit, ohne zu wissen, ob sie für ihren Einsatz auch wirklich entlohnt werden. Mehrfach mussten sie dem vermeintlich neuen Besitzer Cor Jacobs drohen, um weit verspätet und in Abschlägen ihr Gehalt zu bekommen. Nun zieht der Betriebsrat aus seiner Sicht die Notbremse und hat Strafanzeige gegen Neueigentümer Cor Jacobs und die Geschäftsführung gestellt. Nach TV-Informationen soll auch der ehemalige Anteilseigner und frühere Geschäftsführer Harry Thiele gestern Strafanzeige gegen die Geschäftsführung gestellt haben. Am 23. August hat der Belgier Cor Jacobs das Saarburger Unternehmen Tectro mit seinen Werken in Neunkirchen/Saar, Hemhofen bei Erlangen und im polnischen Bromberg für sechs Euro übernommen. In dem Kaufvertrag verpflichtete sich der neue Besitzer, wie er gegenüber dem TV bestätigte, zwei Millionen Euro in die Tectro-Gruppe zu investieren. Doch seit der Übernahme kommt das Unternehmen nicht mehr zur Ruhe. Die rund 200 Mitarbeiter in Saarburg haben mehrfach über Wochen hinweg auf ihren Monatslohn warten müssen und ihn erst dann erhalten, als sie drohten, die Arbeit niederzulegen (der TV berichtete). "Doch die Zahlungen wurden entweder von der Bank bereitgestellt oder wie im jüngsten Fall sogar von den Tectro-Kunden gezahlt", sagt der Betriebsratsvorsitzende Horst Molitor. "Von Jacobs scheint noch kein Geld geflossen zu sein", meint Molitor. Anscheinend steht das Unternehmen bei der Hausbank kräftig im Minus, und auch bei den Krankenkassen sollen hohe Zahlungen ausstehen. Auch die Kommunalpolitiker befürchten das Schlimmste. Sie hatten deshalb gestern erneut nach mehrfachen vergeblichen Versuchen einen Termin mit dem neuen Besitzer vereinbart. Trier-Saarburgs Landrat Günther Schartz, Verbandsbürgermeister Leo Lauer und Stadtbürgermeister Jürgen Dixius hatten sich mit der Tectro-Geschäftsführung, dem Betriebsrat und Vertretern des Arbeitsamtes zu dem Krisengespräch getroffen: Es fehlte der Neueigentümer Cor Jacobs. Wiederholt gerät der Belgier bei Verabredungen in Staus oder lässt sich wegen "anderer dringender Geschäfte" entschuldigen. Unter den Mitarbeitern hat der neue Chef auch den Beinamen "das Phantom". Stadtbürgermeister Jürgen Dixius beobachtet die Lage bei dem traditionsreichen Saarburger Unternehmen deshalb mit großer Sorge. Tectro gehört mit seinen 207 Mitarbeitern zu den größten Unternehmen in der Stadt. Die momentane Situation sei äußerst schwierig, aber das hohe Knowhow und die enge Kundenbindung zeigte das Potenzial, das die Tectro immer noch habe. "Mit einer gezielten Investition oder einer geregelten Insolvenz hätte man sicher eine Chance", vermutet Dixius. Roland Wölfel von der IG-Metall Trier sagt dem TV, dass man bereits vor 15 Monaten die damaligen Eigner und die Bank von einer Planinsolvenz überzeugen wollte. "Das hat man damals abgelehnt und statt dessen Geld an Berater verpulvert." Nun gehe es darum, zu retten, was zu retten ist.