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Telekom-Mitarbeiter gegen Stellenverlegung

Telekom-Mitarbeiter gegen Stellenverlegung

Gegen die Verlegung von Arbeitsplätzen nach Frankfurt und Bonn haben am Donnerstag rund 300 Telekom-Mitarbeiter in Trier protestiert.

"Wer liest unseren Kindern Gute-Nacht-Geschichten vor, wenn wir in Frankfurt arbeiten?", steht auf einem der Schilder, die rund 300 Telekom-Mitarbeiter auf dem Firmengelände im Trierer Wasserweg hochhalten. "Was habe ich Ihnen getan, dass Sie mir die Existenz entziehen?", klagt Sabine durchs Mikrofon die Telekom an. Die Stelle der alleinerziehenden Mutter soll zwar nicht gestrichen, aber nach Frankfurt verlegt werden. "Mit öffentlichen Verkehrsmitteln wäre ich dann jeden Tag zehn Stunden unterwegs."

140 der rund 600 Trierer Telekommitarbeiter hat das Unternehmen bereits darüber informiert, dass sie mit einer Umsiedlung ihrer Arbeitsplätze rechnen müssen. Verdi schätzt, dass insgesamt 200 Trierer Stellen betroffen sind.

Bundesweit will die Telekom mehr als 100 Standorte ausdünnen, Außendienststellen sollen in 28 Städten, Arbeitsplätze im IT-Bereich in nur fünf Zentren zusammengelegt werden.

Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen und die Mainzer Sozialministerin Malu Dreyer wollen sich mit aller Kraft gegen den Abzug der Stellen aus Trier stemmen. "Die Landesregierung wird auf keinen Fall akzeptieren, dass sich die Telekom in Rheinland-Pfalz aus der Fläche zurückzieht", ruft Dreyer den Protestlern zu, die das Versprechen mit lauten Trillerpfiffen goutieren.

Verdi hatte die Telekom-Geschäftsführung nicht zu der Kundgebung eingeladen. "Mit uns wurde das Gespräch schließlich auch nicht gesucht", sagt Fritschen. "Wir haben von den Verlegungsplänen aus der Presse erfahren."

Schriftlich hat sich die Telekom mittlerweile gemeldet: Die Konzentration der Arbeitsplätze gehe mit hohen Investitionen in diese größeren Betriebsstätten und die Weiterqualifizierung der Mitarbeiter einher. Kein einziger Standort werde komplett geschlossen, das neue Konzept habe keinen Stellenabbau zum Ziel. Längere Fahrtzeiten zu den Arbeitsplätzen seien für die Mitarbeiter allerdings "leider nicht zu vermeiden". Umzugshilfen und finanzieller Ausgleich seien gegebenenfalls selbstverständlich.

Verdi plant weitere Proteste, zunächst am 6. November in Trier. Und falls das Unternehmen bis dahin nicht einlenke, soll im Dezember auch die Telekom-Aufsichtsratssitzung in Bonn gestört werden. Extra Erfolgreicher Widerstand: 2006 gingen die Trierer Telekom-Mitarbeiter auf die Straße, um das T-Card-Servicecenter zu retten. Das Servicecenter schloss, die Telekom ersetzte die verlorenen Arbeitsplätze allerdings in Trier. 2007 streikten bundesweit Telekom-Mitarbeiter über mehr als drei Monate, um sich gegen eine geplante Lohnkürzung zu wehren. Die Gehälter blieben bestehen, das Ausgliedern einzelner Geschäftsbereiche auf Service-GmbHs setzte die Telekom aber durch. 2008 protestierten Hunderte erfolgreich gegen die Auflösung des Trierer Telekom-Call-Centers. 2009 stand das Call-Center erneut zur Disposition. Durch massiven Widerstand gelang es, die Telekom-Pläne umzuwerfen. Die Arbeitsplätze wurden danach sogar von 130 auf 210 aufgestockt. (woc)