Tradition verpflichtet

BITBURG. Brau-Techniker, Firmen-Chef, Hobby-Pilot: Axel Simon ist der letzte Namensträger der Gründerfamilie der Bitburger Brauerei Th. Simon GmbH. Heute wird er 60 Jahre alt. Ein Blick zurück in die Familiengeschichte und ein Blick nach vorn auf Visionen des Eifeler Unternehmers.

 Axel Simon in der Abfüllanlage der Bitburger Brauerei.Foto: Manuel W. Schmitt

Axel Simon in der Abfüllanlage der Bitburger Brauerei.Foto: Manuel W. Schmitt

Nein, wie 60 fühle er sich wirklich nicht. Dass Axel Simon am heutigen Montag diesen runden Geburtstag feiert, kommt ihm selbst ein wenig seltsam vor. "Ich habe doch noch so viel vor", sagt er verständnislos. Denn nun, in einem Alter, in dem die meisten an ihren Ruhestand denken oder ihn bereits praktizieren, steht vor dem letzten Namensträger der Gründerfamilie der Bitburger Brauerei Th. Simon GmbH noch eine der größten Herausforderungen, die ein Unternehmer hat: den Erhalt der Nummer zwei unter Deutschlands Biermarken in Familienhand. Axel Simon weiß, was Unternehmersein bedeutet. Als Familien-Spross in der siebten Generation ist er neben Peter Rikowski (Marketing und Vertrieb) und Alfred Müller (Kaufmännische Verwaltung) Geschäftsführer der Bitburger Brauerei und verantwortlich für den Bereich Technik und Umwelt. Dabei hat der promovierte Wirtschaftsingenieur von klein auf gelernt, was es heißt, Verantwortung für ein Produkt, einen Betrieb und seine Mitarbeiter zu übernehmen. "Die Brauerei war mein Spielplatz", sagt Simon und erinnert sich gern an die ein oder andere Begebenheit. "Meinen ersten Biergenuss hatte ich mit fünf Jahren. Ich durfte in der Kantine bei jedem Mitarbeiter ins Butterbrot beißen und einen Schluck Bier trinken. Als die wieder an die Arbeit gingen, hab ich mich auf die Bank zum Schlafen hingelegt", erinnert sich Simon. Vom Lausbub zum Chef: Was er für seine eigene Brauerei-Leitung von seinem Vater und den beiden Onkeln übernommen hat, beschreibt er als "enge Kommunikation". "Probleme wurden vor Ort am Braukessel besprochen, nicht im Büro. Und nach Dienstschluss sind alle noch zum Schluck Haustrunk geblieben", sagt der Heimat-verbundene Team-Spieler und bedauert, nicht häufiger den Kontakt zu den inzwischen rund 1000 Mitarbeitern suchen zu können. "Ich habe mich nie als Patriarch gefühlt, weil ich dies zu Genüge bei meinem Vater und Großvater erlebt habe." Als Axel Simon nach Studien-Stationen in Berlin und Süddeutschland 1972 als jüngste Führungskraft in die Brauerei eintritt, liegt der Jahresausstoß von Bitburger bei gerade einmal einer Million Hektoliter Bier. Heute ist der Jahresausstoß mehr als vier Mal so hoch. Die Technikverliebtheit des Juniors macht sich also schon bald für die Eifeler Bierbrauer bezahlt. So führt er als einer der ersten in Deutschland die geschlossene Gärung in Großraum-Gefäßen ein - ein Verfahren weg von der Handarbeit, hin zur Prozess-Automatisierung. "Das war damals für die Brauer eine Revolution", sagt Axel Simon. Doch dank der Einarbeitung seines Onkels Hanns und des Wohlwollens seines Patenonkels Theobald kann er frei schalten und viele seiner Wünsche verwirklichen. "Ich habe mich nie zurückgelehnt, sondern eine innere Verpflichtung für das Unternehmen empfunden", sagt Simon. Verpflichtungen, die er auch außerhalb des Betriebes als Vize-Präsident der Industrie- und Handelskammer, fliegendes Gründungsmitglied der heutigen Flugplatz Bitburg GmbH oder im Vorstand der Initiative Region Trier einzuhalten versucht. Anfang der 80er Jahre zeichnet Simon auch veranwortlich dafür, dass Bitburg eine der wenigen Versuchsbrauereien Deutschlands bekommt. Energie-Einsparung, der Test von Hopfen- und Braugersten-Varianten, neue Bier-Sorten - Ideen hat Axel Simon viele. Sobastelt er derzeit mit seinem Technik-Team daran, Bitburger länger frisch halten zu können und die Brauvorgänge zu integrieren.Forschung auch zum Nutzen der Konkurrenz

Dabei forscht er als Präsident der Versuchs- und Lehranstalt für Brauwesen in Berlin auch zum Nutzen der Konkurrenz. Und gesteht doch angesichts der wachsenden Präsenz von ausländischen Bier-Konzernen auf dem deutschen Markt ein: "Ich habe keine Angst um den deutschen Bierkonsum, aber um die deutschen Brauereien." Gerade als Familien-Unternehmen bedauerten es die 37 Bitburger-Gesellschafter, wenn eine Familie ihr Unternehmen verkaufe - so, wie im Falle der Beck's Brauerei und ihrer Eigentümer geschehen. Daraus wolle das Eifeler Unternehmen lernen. Deshalb stehe fest: "Wir müssen wachsen und wollen ein Weizenbier." Aber man ist anspruchsvoll. "Wir sind zu arm, etwas Zweitklassiges zu kaufen", sagt Simon philosophisch. Zweitklassigkeit darf es laut dem Mitgesellschafter auch nicht bei der Unternehmensnachfolge zugehen. So gebe es zwar Interesse bei den Gesellschaftern, letztlich entschieden aber die Aufsichtsgremien. "Ich möchte das Schiff nicht verlassen, ohne junge Kapazitäten aufgebaut zu haben. Und ich meine, noch etwas leisten zu können", sagt er. Immerhin sei die Bitburger Brauerei eine familiäre Demokratie - Rücksicht auf viele Parteien inbegriffen.

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