Träume neu sortiert

Etwa 700 Menschen mit einer Behinderung suchen in der Region Trier eine Beschäftigung. Die Arbeitsagentur stellt diese Menschen in dieser Woche mit einer Reihe von Aktionen in den Mittelpunkt.

Trier. Das Schicksal von Alexander Peter lässt einen zusammenzucken. Bis zum Sommer war der 20-jährige Mann einer der vielen jungen, ehrgeizigen Menschen, wie es sie zu Tausenden in der Region gibt. Doch innerhalb von wenigen Wochen hat Alexander Peter sein Augenlicht fast ganz eingebüßt, ein seltener Gendefekt, der sich nicht reparieren lässt. "Im Juni fing es damit an, dass ich alles nur noch verschwommen sah. In zwei Wochen ging meine Sehfähigkeit von 100 Prozent auf zehn Prozent zurück, heute habe ich nur noch vier Prozent", erklärt Alexander Peter. 2007 bis 2010 hat er bei der Deutschen Bank in Trier eine Lehre zum Bankkaufmann gemacht, danach fing er bei der Volksbank Trier an. "Das Unternehmen hat mir sehr geholfen", sagt der junge Mann, ein spezieller Arbeitsplatz wurde für ihn eingerichtet, doch seinem Lieblingsgeschäft, der Kundenberatung, kann er nicht mehr nachgehen. Dennoch gibt der 20-Jährige nicht auf.
Hilfe von vielen Seiten


"Ich habe mir viele Gedanken gemacht, mich mit der Arbeitsagentur beraten, habe mich beim Integrationsfachdienst (IFD) informiert. Für mich steht nun fest, dass ich im Wintersemester an der Uni Trier ein BWL-Studium beginne." Der Bankkaufmann rechnet sich mit einem Hochschulabschluss bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt aus. Vor allem auch, weil er in seinem persönlichen Umfeld viel Unterstützung erfahren hat - von Eltern, Familie, Freundin und Freunden - sieht Alexander Peter sehr positiv in seine Zukunft.
"Sie haben Ihre Träume nicht verloren, sondern Sie haben Ihre Träume neu sortiert", äußert sich der Chef der Arbeitsagentur in Trier, Wolfram Leibe, über den jungen Mann und seinem Optimismus begeistert. Wie der junge Mann müssen rund 700 Menschen in der Region ihre Behinderung täglich meistern und suchen dennoch eine Arbeitsstelle.
"Wenn wir über Fachkräftemangel in der Region reden, müssen wir hier ganz klar sehen, diese Menschen sind hochmotiviert und gut ausgebildet", erklärt Daniel Lips, bei der Agentur Geschäftsführer für den operativen Bereich.
Rund 3,4 Millionen behinderte Menschen sind in Deutschland im erwerbsfähigen Alter bis 64 Jahre. Für die Gesellschaft sei es eine wichtige Herausforderung, die Menschen im Arbeitsleben zu integrieren.
Sehr motivierte Bewerber


Die Arbeitsagentur will diese Aufgabe forcieren. "Wir werden in dieser Woche mit neun Tandem-Teams Unternehmen besuchen und ihnen mögliche Kandidaten vorstellen", erklärt Joachim Wagner, bei der Agentur Teamleiter für berufliche Reha und Schwerbehinderte. Dabei gebe es immer noch viele Vorurteile gegenüber behinderten Menschen bei den Firmen, die aus der Welt zu schaffen seien.
Bei ihren Aktionen wird die Arbeitsagentur vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), vom Integrationsfachdienst der Caritas (IFD) und vom Integrationsamt unterstützt. Am Donnerstag gibt es zum Beispiel eine gemeinsame Informationsveranstaltung ab 17 Uhr, zu der Personaler und Betriebsräte von Unternehmen aus der Region eingeladen sind.
Die Arbeitsagentur selbst geht bei der Beschäftigung von behinderten Menschen mit gutem Beispiel voran.
"Von unseren 620 Mitarbeitern sind 11,5 Prozent Menschen mit eine Behinderung. Damit liegen wir landesweit in der Spitze", sagt Agentur-Chef Leibe. Und diese Erfahrung möchte er auch gerne an andere Betriebe weitergeben: "Diese Mitarbeiter sind wirklich sehr, sehr, sehr motiviert."Extra

Fünf rheinland-pfälzische Betriebe sind für die Integration behinderter Mitarbeiter geehrt worden. Sie erhielten in Mainz den mit 3000 Euro dotierten "Landespreis für beispielhafte Beschäftigung schwerbehinderter Menschen". Ausgezeichnet wurden das Golf-Resort Bitburger Land in Wißmannsdorf, die getlogics GmbH in Trier, die Elektrosysteme Rhein-Nahe GmbH in Simmern, das Bundesarchiv Koblenz und die Firma Peter Cecco in Bad Dürkheim, wie das Landessozialamt am Montag mitteilte. "Dieser Preis zeigt, dass schwerbehinderte Menschen die Arbeitswelt bereichern", sagte der Landesbehindertenbeauftragte Ottmar Miles-Paul. Die Auszeichnung wird seit 1998 vergeben. In der Kategorie Kategorie nicht beschäftigungspflichtige Betriebe ist das Golf-Resort Bitburger Land, Wißmanndorf ausgezeichnet worden: Das Golf-Resort beschäftigt insgesamt neun Mitarbeiter, davon ist einer schwerbehindert. Er hilft bei der Grünpflege. Er ist 25 Jahre alt und hat es trotz geistiger Beeinträchtigung von der Förderschule in den allgemeinen Arbeitsmarkt geschafft. Ein weiterer Preisträger aus der Region Trier ist die getlogics GmbH, Trier: Das Logistik-Unternehmen beschäftigt 32 Mitarbeiter. Vier Mitarbeiter sind schwerbehindert. Ein Mitarbeiter war 15 Jahre lang Frührentner und wurde so in den ersten Arbeitsmarkt reintegriert. Auch Menschen mit psychischen Behinderungen erhalten eine Chance. Das Trierer Unternehmen gewann den Preis in der Kategorie für Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten. dpa/hw