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Trier hat sich zur Boomregion entwickelt

Trier hat sich zur Boomregion entwickelt

Das neue Jahr bringt viele Veränderungen. Für die Industrie- und Handelskammern in Trier und Koblenz wird es ein wenig turbulent. Beide IHK bekommen einen neuen Hauptgeschäftsführer. Arne Rössel, elf Jahre IHK-Chef in Trier, übernimmt sogar für ein halbes Jahr beide Kammern.

Trier. Arne Rössel wird neuer Hauptgeschäftsführer der IHK Koblenz. In Trier folgt ihm im Juli Jan Glockauer. Für diese sechs Monate führt Rössel beide Kammern gleichzeitig. Im TV-Interview mit Redakteur Heribert Waschbüsch sprach Rössel über diese Konstellation.
Sie wechseln schon Anfang Januar zumindest als Teilzeitjobber nach Koblenz. Für ein halbes Jahr übernehmen Sie eine Doppelfunktion. Wie stellen Sie sich diese Aufgabe vor?
Arne Rössel: Diese Doppelfunktion hat sich ergeben. Es ist sicher nicht meine Wunschkonstellation. Aber unter dem Strich entsteht da nun auch die Chance, mit meinen Erfahrungen in Koblenz relativ schnell Tritt zu fassen und gleichzeitig zu schauen, wie wir Synergieeffekte gerade im Backoffice-Bereich haben können. Wir haben zwar seit 1994 die Beiträge kontinuierlich senken können. Doch das ist nun eine große Chance, die sich beim einmaligen Wechsel von einer Kammer zur Nachbarkammer ergibt.
Jetzt ist die Industrie- und Handelskammer Koblenz mit 90 000 Mitgliedsbetrieben und mit einigen Außenstellen fast dreimal so groß wie die Trierer IHK …
Rössel: In der Tat, sieben Außenstellen mit Idar-Oberstein, Bad Kreuznach, Montabaur, Neuwied, Altenkirchen, Simmern, Bad Neuenahr …
Und könnte da nicht Trier die Achte werden?
Rössel: Also, die beiden Präsidenten haben mit mir alle theoretisch vorstellbaren Fragen diskutiert, die sich im Zusammenhang mit einem Hauptgeschäftsführer-Wechsel ergeben. Dazu gehört natürlich auch die Frage nach einer Fusion. Wir sind aber gemeinsam zur Erkenntnis gekommen, dass ein Zusammenschluss wenig Sinn macht. Man spart vielleicht einen Hauptgeschäftsführer ein. Die Wirtschaft in der Region Trier würde, wenn sie nur durch ein, zwei Regional-Geschäftsführer vertreten würde deutlich an Standing verlieren. Dazu sind die Unternehmer verständlicher Weise nicht bereit.
Sie haben Ihre Stelle vor elf Jahren in Trier angetreten. Erinnern Sie sich zurück, wie war das damals?
Rössel: Ich kannte Trier nur von einer frühen Klassenfahrt. Ich war aber direkt begeistert von der landschaftlichen Schönheit, von den vielen kleinen und mittleren, sehr leistungsfähigen Betrieben und ganz schnell auch von den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Kammer.
Was war in diesen Jahren für Sie besonders spannend?
Rössel: Spannend war der Umzug der IHK nach Castelforte und der damit angestoßene Prozess, dass sich die Kammer zum kundenorientierten Dienstleister entwickelt. Die Zusammenarbeit mit dem Ehrenamt war sehr konstruktiv. Zudem hat die IHK auch ihre politische Rolle gestärkt und dabei erfahren, dass wir damit hier und da angeeckt sind, weil Kritik nicht so gerne gesehen war in der ein oder anderen Frage. Die Region hat sich in den zehn Jahren wirtschaftlich überdurchschnittlich entwickelt. Was nicht ausschließlich auf das IHK-Engagement zurückzuführen ist. Doch wir haben mit unserer Arbeit auch einen Teil dazu beigetragen, dass aus der Region Trier eine Boomregion geworden ist.
Hätten Sie noch den einen oder anderen Tipp oder Ratschlag?
Rössel: Politische Ratschläge geben wir gerne, aber in der Regel hinter den Kulissen.
Sie kamen damals aus der Weltstadt Hamburg nach Trier, ein Kulturschock?
Rössel: In Hamburg hat das zwar kaum einer verstanden. Aber für mich war klar, lieber erster Mann in der Provinz als zweiter in Rom. Die Region vermittelt nur auf den ersten Blick den Eindruck einer ländlichen Region, sie ist aber wirtschaftlich stark aufgestellt, gerade weil sie so vielgestaltig und kleinteilig ist. Da mit den Möglichkeiten der IHK, die Netzwerke zu stärken, etwa zwischen Hochschulen und Unternehmen, sehr reizvoll ist. Und was das kulturelle Angebot angeht. Innerhalb von einer Stunde Fahrzeit kann man neben den Angeboten in Trier, Luxemburg oder der Rheinschiene unheimlich viel erreichen, da fehlt einem gar nichts.
Ihr Nachfolger ist wie Sie ein gebürtiger Hamburger.
Rössel: Das ist reiner Zufall, ich habe ihn nie kennengelernt. Er kommt aus dem Nordosten, ich aus dem Westen von Hamburg. Das sind Welten, etwa wie hier Trier-Koblenz.
Haben Sie dennoch einen Ratschlag unter Hanseaten?
Rössel: Also ich könnte nur jedem raten: Authentisch bleiben, sich die Region unvoreingenommen anschauen und daraus seine eigenen Schlüsse ziehen und angemessen das sagen, was man denkt.
Wie oft sehen wir Sie im kommenden halben Jahr noch in Trier?
Rössel: Ich bin eigentlich weiterhin zu hundert Prozent in Trier. Ich kann mich zwar nicht teilen. Ich werde die vielen Unternehmensbesuche, die ich in der Region gemacht habe, einstellen, und diese Zeitersparnis werde ich in die Einarbeitung in Koblenz stecken. Aber bei allen wichtigen Terminen wird der Hauptgeschäftsführer da sein.