1. Region
  2. Wirtschaft

Trierer Stahlwerk bleibt kalt

Trierer Stahlwerk bleibt kalt

Beim Trierer Stahlwerk (TSW) gehen die Lichter aus. Am Dienstagabend haben sich Betriebsrat und Insolvenzverwalter auf einen Interessenausgleich geeinigt. Mehr als 200 Mitarbeiter sind informiert worden - der Verwalter läutet damit die Stilllegung ein.

Trier. Fast ein halbes Jahr lang haben die Mitarbeiter für den Fortbestand ihres Stahlwerks gekämpft. Doch wie es aussieht, gibt es fürs TSW keine Zukunft mehr: Der Ofen wird nicht mehr angefeuert. "Wir haben alles versucht, doch nun mussten wir einen Strich ziehen", sagt der langjährige Betriebsratschef Rudi Heinz dem Trierischen Volksfreund. Und mit ein wenig Trotz fügt er hinzu: "Vielleicht ist es ja doch nicht der Schlussstrich."
In einer Betriebsversammlung haben gut 200 Mitarbeiter vom Insolvenzverwalter Christoph Schulte-Kaubrügger, dem Betriebsrat und der IG Metall gerade die traurige Nachricht erhalten. Offiziell heißt das dann: "Die Betriebsstilllegung ist notwendig, da trotz umfangreicher Bemühungen kein Investor für das defizitäre Stahl- und Walzwerk gefunden werden konnte." Gleichzeitig haben sich aber auch die Parteien in einem Interessenausgleich für eine sogenannte Transfergesellschaft (siehe Extra) entschieden. "Bis Freitag haben die verbliebenen 201 Mitarbeiter die Gelegenheit, sich für die Gesellschaft anzumelden", erklärt der IG-Metall-Chef für die Region Trier, Roland Wölfl. Die Mitarbeiter sollen von Juni bis Ende August dort Beschäftigung finden. Die Transfergesellschaft, die Firma Eurotempus, übernimmt die Schulung und Qualifizierung. "Eine erfahrene Mannschaft", findet Roland Wölfl. Auch für die 14 Azubis, die derzeit noch in der Ausbildung sind, gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer. "Die jungen Leute haben wir alle unterbekommen. Sie können ihre Ausbildung bei GKN Driveline im Trie rer Hafen oder bei Volvo Baumaschinen in Konz abschließen", sagt Wölfl. Geschieht kein Wunder, endet damit die über 30-jährige Geschichte des Trierer Stahlwerks an der Mosel. Das Werk hat schon viele Höhen und Tiefen erlebt. Der 1971 gegründete Betrieb musste bereits 2001 nach einem Brand den harten Sanierungsweg über eine Insolvenz gehen. Damals kauften die beiden Söhne des Firmengründers Walter Rass, Ulrich und Christoph, das Werk aus der Insolvenz. Aus dem Moselstahlwerk wurde das Trierer Stahlwerk. Doch die Probleme blieben. 2007 ging das Stahlwerk an die Pampus-Gruppe. Am 1. Februar 2012 wurde zum zweiten Mal binnen weniger Jahre ein Insolvenzverfahren für das Stahlwerk eröffnet.
Mit der Stilllegung sind aber längst nicht alle Probleme beseitigt. Auf die Stadt Trier könnte eine riesige Industriebrache zukommen, für die es kaum eine Verwertung gibt.
"Aber vielleicht kommt in einigen Monaten doch noch ein Investor und kauft das Werk", sagt Roland Wölfl - und da glüht ein letzter Funken Hoffnung in ihm auf.Extra

In der Transfergesellschaft sollen die Mitarbeiter die Gelegenheit erhalten, sich zu qualifizieren oder auch Hilfe zu bekommen bei der Bewerbung für neue Jobs. Die Mitarbeiter erhalten bei ihrer Einstellung in der Transfergesellschaft einen Lohn in Höhe von 78 Prozent des letzten vollen Nettolohns. Der Wechsel in eine Transfergesellschaft ist für die von Arbeitslosigkeit bedrohten Beschäftigten freiwillig. Transfergesellschaften werden über ein fest vereinbartes Verfahren in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit aufgelegt. Wer sich nicht für diese Gesellschaft meldet, geht direkt in die Arbeitslosigkeit und erhält normales Arbeitslosengeld. Bei der Schlecker-Insolvenz war es den Beteiligten nicht gelungen, eine solche Übergangslösung einzurichten. Die Länder konnten sich nicht auf die Finanzierung der Gesellschaft einigen. Zudem wollten viele Mitarbeiter nicht der Transfergesellschaft beitreten, weil sie aktiv gegen ihre Kündigung klagen wollten. hw