Trierer Studenten entwickeln Ein-Liter-Auto

Trierer Studenten entwickeln Ein-Liter-Auto

Die Spritpreise ärgern seit Jahren Autofahrer: Ein PKW für vier Fahrgäste mit einem Verbrauch von weniger als einem Liter auf hundert Kilometer käme da vielen gelegen. Trierer FH-Studierende des Projekts Protron wollen bald so ein Auto präsentieren.

Trier. Das studentische Projekt Protron an der Fachhochschule Trier hat seit gut sechs Jahren mit seinen Entwicklungen weltweit für Furore gesorgt. Nun wollen die Studierenden ein neues Ausrufzeichen in Sachen Automobiltechnik setzen. Bis 2015 wollen sie ein Fahrzeug auf die Straße bringen, "das deutlich weniger als einen Liter Benzin auf hundert Kilometer verbraucht und vier Sitzplätze bietet", erklärt Protron-Projektleiter Matthias Jungbluth.
Damit würde das jüngste Protron-Team die gute Tradition fortsetzen. Seit 2006 haben Fahrzeuge von der Fachhochschule Trier glänzende Ergebnisse erzielt, wenn es darum geht, zu zeigen, mit wie wenig Verbrauch sich ein Fahrzeug bewegen lässt.
Mit dem seit 2006 fortentwickelten Protron III konnte das Team jedes Jahr Steigerungen bei der Kilometerleistung erzielen. Das mit einer Brennstoffzelle betriebene und nur 50 Kilogramm schwere Fahrzeug kommt mit der Energie von einem Liter Benzin auf eine Reichweite von 3455 Kilometer.
Aufgestellt wurden solche Bestmarken beim Shell Eco-Marathon, einem Wettbewerb für schulische und studentische Teams aus Europa. 2011 waren 250 Mannschaften aus 24 Ländern am Lausitzring am Start.
Das zweite Fahrzeug Protron Aeris (ab 2008) aus der FH-Fahrzeugschmiede hält den Weltrekord beim CO2-Ausstoß - lediglich 1,97 Gramm/Kilometer Kohlenstoffdioxid und ist der weltweit sparsamste Zweisitzer. Mit der Energie eines Liters Benzin kommt er 2071 Kilometer weit und besitzt sogar eine Straßenzulassung.
Der Präsident der Fachhochschule Trier, Professor Jörg Wallmeier, ist entsprechend stolz auf die Erfolge des Projektteams: "Besonders hervorzuheben ist, dass es sich hier um ein studentisches Projekt handelt", erklärt Wallmeier. Bei aller wissenschaftlichen Ausrichtung sei es wichtig, dass die anwendungsorientierte Forschung vorankomme. "Wir wollen an der Fachhochschule erfolgreich für die Wirtschaft sein", sagt der Hochschulpräsident.
Interdisziplinäres Projekt


Professor Hartmut Zoppke (Fahrzeugtechnik), der seit Beginn das Projekt begleitet, sieht gute Chancen, dass das Projekt weiter der Wirtschaft Impulse geben kann. "Ein Teil des Erfolges liegt darin, dass Teilnehmer aus den verschiedensten Fachrichtungen sich bei Protron einbringen." Studierende aus dem Maschinenbau, der Elektrotechnik, Kommunikationsdesign, Informatik und Innenarchitektur bringen neben ihrem Studium viel Zeit in die Fahrzeugentwicklung ein.
Als nächstes Ziel möchte Protron einen für den Straßenverkehr zugelassenen Viersitzer entwickeln, der mit weniger als einem Liter Benzin auskommt. Bis spätestens 2015 soll das Auto auf Triers Straßen rollen. "Unser Auto ist nicht für den Massenmarkt gedacht, sondern soll vielmehr der Automobilbranche Anregungen bieten", erklärt Projektleiter Matthias Jungbluth. Seit Mai 2011 führt er das Team, hat seinen Bachelor im Maschinenbau und hängt nun noch seinen Master dran.
Protron Evolution kommt


Einen Namen haben die 50 Protron-Mitarbeiter für ihr neues Gefährt bereits: Protron Evolution soll das Fahrzeug heißen. "Wir werden den Evolution auf Basis eines Tata Nano aufbauen", erklärt Jungbluth. Das indische Kleinstauto kostet rund 2000 Euro und ist bisher nur in Asien zu erhalten. Anfang kommendes Jahr soll der Tata Nano auf den europäischen Markt kommen, so lange wollen die FH-Studierende nicht warten. "Wir kaufen ein Fahrzeug in Indien", sagt Jungbluth. Der unschätzbare Vorteil ist das geringe Gewicht. "Die kleinsten europäischen Fahrzeuge wiegen knapp eine Tonne. Der Tata Nano lediglich etwa 600 Kilogramm", erklärt Professor Zoppke.
Das Hauptaugenmerk der Projektgruppe liegt eben auf einem alltagstauglichen Energiesparfahrzeug. Durch einen regen Wissens- und Technologietransfer zwischen Industrie und Hochschule steht das Projekt auf einer breiten Basis von Kooperationen. Ohne die Hilfe zahlreicher nationaler und lokaler Sponsoren wäre der Erfolg nicht denkbar, erklärt Professor Hartmut Zoppke.
Für den neuen Protron Evolution sehen die Entwickler eine Alltagsverwertung. "Es wäre denkbar, dass unser Fahrzeug für Car-Sharing-Unternehmen oder Leasing-Firmen eine Option wäre", hofft Projekt-Chef Jungbluth.Extra

Das Projekt Protron ist ein studentisches Unternehmen mit 50 studentischen Mitarbeitern und fünf festangestellten Projektmitarbeitern. Die Studenten machen jährlich (ohne Sponsorenunterstützung) einen Umsatz von etwa 60 000 Euro. Bisher haben sie alle drei Jahre eine neue Fahrzeugvariante konzipiert. Drei bis fünf Messeauftritte und zahlreiche Veranstaltung begleiten und betreuen die Studenten jedes Jahr. hwExtra

Haben eine neue Aufgabe im Blick: FH-Präsident Prof. Jörg Wallmeier, Kai Apel (Projektthema), Matthias Jungbluth, FH-Dozent Michael Hoffmann und Prof. Hartmut Zoppke. TV-Foto: Heribert waschbüsch.

2007: bestes Newcomer-Team beim Shell-Eco-Marathon. 2007: 1. Preis beim "Zukunftsradar" Rheinland-Pfalz. 2007: Empfang bei Bundespräsident Köhler. 2008: größte Leistungssteigerung in einem Jahr beim Shell-Eco-Marathon (+ 800 km) mit 2592 km/1 Liter Super Benzin Platz 5 der Gesamtwertung. 2009: erste Teilnahme mit dem Aeris am Shell-Eco Marathon, Gewinner des "Highly Recommended Design Award" Protron II: 3178 km mit einem Liter Super Benzin. Bestes deutsches Team. 2010: Aeris schafft 2. Platz in der Urban Concept Klasse mit einer Reichweite von 701 km/l Super Benzin Protron III: 3. Platz der Brennstoffzellenfahrzeuge mit einer Reichweite von 2614 km/l Super Benzin 2011: 1. Platz für den Aeris in der Urban Concept Klasse (2071 km/l Super Benzin), Protron III: 3. Platz der Brennstoffzellenfahrzeuge mit einer Reichweite von 3455 km/l Super Benzin. red

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