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Trierer Unternehmen Carmato ist auf der digitalen Überholspur

Automobilbranche : Auf der digitalen Überholspur

Marc Herschbach hat in Trier ein europaweit expandierendes Unternehmen gegründet: Carmato bietet Lösungen für den Autoan- und -verkauf im Netz.

Das ganze Berufsleben von Marc Herschbach drehte und dreht sich um den Autohandel. Der gebürtige Wolsfelder (Eifelkreis Bitburg-Prüm) startete als Verkäufer, war später in leitender Funktion bei renommierten regionalen Autohandelsgruppen wie Tix und Eifel-Mosel.

2015, nach 25 Jahren Erfahrung, begann Herschbach mit den Vorbereitungen für sein neues Projekt, ein Start-up mit drei Mitarbeitern, das dann 2017 im Trierer Wissenschaftspark an den Start ging – und sich natürlich wieder um Autos dreht. Carmato, eine Online-Plattform für den komplett digitalen Autoverkauf, speziell für Händler, aber auch mit dem Portal carmato.de für Privatkunden.

Mittlerweile ist aus dem Start-up auf dem Petrisberg ein europaweit tätiges Unternehmen mit zehn Mitarbeitern in Trier und zahlreichen Dienstleistern in ganz Europa geworden, Kunden sind unter anderem die größten Autohändler im deutschsprachigen Raum, der Unternehmenswert ist dank der großen Nachfrage seit 2017 auf das 17-fache angestiegen.

Nun will Carmato auch in anderen europäischen Märkten Fuß fassen. „Um das zu stemmen, suchen wir acht neue Mitarbeiter aus den Bereichen Programmierung und Informatik und zudem Azubis“, sagt Herschbach: „Wir bieten sichere Arbeitsplätze, unser Unternehmen boomt.“ Die beiden Mitarbeiter, mit denen Herschbach Carmato gründete – Norman Kassler und Marc Grob – sind auch heute noch mit dabei.

Wie funktionieren die Dienstleistungen von Carmato? Neben der reinen Online-Verkaufsplattform carmato.de bietet das Trierer Unternehmen Händlern zwei Varianten an: die sogenannte White Label, eine standardisierte Plattform, und Fullfillment, eine individuell programmierte Plattform für den gesamten Prozess der Auftragsabwicklung, von der Auswahl über die Bestellung bis zur Bezahlung und Auslieferung im Bereich E-Commerce. „Unsere Plattformen wickeln den kompletten Autokauf digital und automatisiert ab, von der Präsentation, über die Preisverhandlung bis hin zur Rechnungsstellung. So werden die Händler entlastet, können sich auf andere Dinge konzentrieren“, sagt Herschbach.

Er belegt das große Kundeninteresse am Online-Autokauf mit Zahlen: 34 Prozent aller Kunden kaufen Autos online, 74 Prozent davon wollen einen komplett digital abgewickelten Kaufprozess. Der Durchschnittskunde, der über Carmato-Plattformen sein Fahrzeug kauft, ist 44 Jahre alt. 98 Prozent aller über Carmato-E-Commerce-Plattformen getätigten Transaktionen gingen bislang problemlos über die Bühne – bei 52 Unternehmen, die Carmato nutzen.

Über diese Plattformen können zudem weitere Services wie Finanzierung, Anmeldung und Auslieferung abgewickelt werden. „Der gesamte Autohandel ist auf dem Weg in eine digitale Zukunft, wie andere Branchen zuvor. Händler, die sich diesen Herausforderungen nicht stellen, werden es schwer haben“, ist die Meinung von Herschbach.

„Wir stellen aber nicht nur die IT-Plattform, wir sammeln und veredeln auch die Daten, um die potenziellen Zielgruppen und Interessen genau herauszufiltern. Zudem beinhalten unsere Plattformen auch Algorithmen, um zum Beispiel Vorschäden von Gebrauchtwagen schnell zu analysieren. Unser Unternehmen entwickelt sich dabei ständig weiter, wir entwickeln jeden Tag etwas Neues – daher schätzen unsere Kunden auch unsere Innovationskraft“, sagt Herschbach.

Aus den Kundenkreisen gibt es daher viel Lob für Carmato, zum Beispiel von Bernhard Linnenschmidt, Geschäftsführer Einzelhandel der Emil Frey Gruppe, Europas größtem Autohändler: „Wir suchten nach einem erfahrenen und exzellenten Architekten, der genau unsere Vorstellungen und Bedürfnisse erfüllt. Unser Architekt und Generalbauunternehmer war Carmato. Marc Herschbach und sein Team haben uns nach unseren Vorstellungen ein neues digitales Autohaus gebaut.“

Die anfängliche Skepsis selbst bei Herschbach, dass ein Autokauf ohne persönliche Probefahrt nicht funktionieren würde, war schnell widerlegt. Und die Händler überzeugt vor allem die Geschwindigkeit, mit denen Carmato sie auf die digitale Überholspur bringt: Innerhalb von nur 20 bis 30 Tagen – was früher noch zwei Jahre dauerte – ist die White-Label-Digitalplattform für den Händler konfiguriert, alle Daten eingespeist. Weil es rundläuft, ist für den früher analogen Autoverkäufer Herschbach klar, dass der Schritt ins Digitale genau der richtige war: „Ich habe keinen Tag bereut.“