Turbo-Kühe aus dem Osten

Turbo-Kühe aus dem Osten

Seit Wochen kämpfen Deutschlands Bauern um höhere Milchpreise. Bisheriger Höhepunkt der Auseinandersetzung war ein zehntägiger Lieferstopp der Milchbauern. Dabei haben die Milchbauern die Milch zum Teil vernichtet. Doch wie viel Milch gibt eine Kuh überhaupt?

Hamburg. (dpa/hw) Untersucht man die Milchleistung nach einzelnen Landstrichen, sind deutliche Unterschiede festzustellen. Kühe im Osten und Norden von Deutschland geben weitaus mehr Milch pro Jahr als im Süden und Westen der Republik. Das Gefälle erklärt Hans Foldenauer vom Bundesverband deutscher Milchviehhalter so: "Wie viel Milch eine Kuh gibt, liegt vor allem an der Rasse. In Süddeutschland stehen bei den Milchbauern vor allem Kühe, die für Milch und Fleischproduktion genutzt werden. In Nord- und Ostdeutschland stehen überwiegend reine Milchkühe, deren Milchleistung dann deutlich höher ist." Verglichen mit dem bundesweiten Durchschnittswert von 6980 Kilogramm Milch pro Kuh schneiden die Milchviehhalter in Ostdeutschland besonders gut ab: Ähnlich hohe Werte wie im Landkreis Bad Doberan weisen auch die Milchkühe Landkreise Chemnitzer Land in Sachsen (9130 Kilogramm) und Sömmerda in Thüringen (9100 Kilogramm) auf. Am anderen Ende der durchschnittlichen Milchleistung liegen Bayern mit 6260 Kilogramm und Baden-Württemberg mit 6090 Kilogramm. Die Milchbauern in der Region liegen ebenfalls eher im unteren Mittelfeld: Rund 6700 Liter geben die Kühe im Landkreis Bernkastel-Wittlich, im Eifelkreis Bitburg-Prüm und im Vulkaneifelkreis Daun. In Trier-Saarburg sind es nur 6290 Liter im Jahr (siehe Regio-Grafik). Bundesweiter Spitzenreiter waren 2007 die rund 12 000 Kühe im Landeskreis Bad Doberan in Mecklenburg-Vorpommern, die im Durchschnitt jeweils 9230 Kilogramm Milch pro Jahr gaben. Das ergibt die Auswertung der Daten der statistischem Ämter. Krise in der Milchbranche: Am vergangenen Donnerstag hat Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) mit den Milchbauern über ihre Zukunft beraten. An diesem Mittwoch treffen sich Spitzenvertreter der Molkereien in Berlin zu einem Milchgipfel. Zuvor aber diskutieren die beiden Hauptgeschäftsführer der Hochwald-Molkerei, Karl-Heinz Engel, und der Milch-Union Hocheifel (Muh), Rainer Sievers, im Redaktionsgespräch beim TV die jetzige Situation. Hochwald ist mit einer Milchmenge von rund zwei Milliarden Liter die drittgrößte deutsche Molkerei, die Muh ist mit knapp einer Milliarde Milch die Nummer sechs im Land.

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