Über der Muh weht nun die Arla-Fahne

Über der Muh weht nun die Arla-Fahne

Die Milch-Union Hocheifel (Muh/Pronsfeld) ist seit gestern unter das Dach der Arla Foods Deutschland GmbH geschlüpft. Mit der Fusion der beiden genossenschaftlichen Molkereien entsteht die drittgrößte Molkerei in Deutschland. Die Muh wird innerhalb des neuen Milchriesen zum Kompetenzzentrum für haltbare Milch aufgebaut.

Pronsfeld. In Pronsfeld weht seit gestern die Fahne der europäischen Molkereigenossenschaft Arla Foods amba. Der dänisch-schwedische Konzern ist mit der Übernahme der britischen Milk Link und der Muh aus der Eifel endgültig zur europäischen Molkerei aufgestiegen. Dass in Pronsfeld ein neues Zeitalter angebrochen ist, zeigt allein schon, dass Rainer Sievers, 31 Jahre bei der Muh, davon 20 als Vorstandschef, bei der Pressekonferenz in der letzten Reihe Platz nimmt. Sievers macht dies mit lächelndem Gesicht - die Fusion gehört zu seinem Werk.
Investition erhöht


"Das ist ein guter Tag für unsere Unternehmen", sagt Tim Ørting Jørgensen, Geschäftsführer der Arla Food Deutschland GmbH. Ex-Muh-Chef Sievers werde Arla als "Berater und Botschafter" zur Verfügung stehen, erklärt der Däne. "Wir starten gemeinsam in eine neue Ära, die größere Milchmenge und die breite Produktpalette eröffnen uns auf dem deutschen Markt neue Möglichkeiten", so Jørgensen.
Unter dem Arla-Dach kommt dem Produktionsstandort Pronsfeld eine spezielle Aufgabe zu. "Wir werden in Pronsfeld sicher nicht weniger Mitarbeiter in der Produktion haben", sagte Jør gensen.
Vertrieb und Marketing werden aber zentral von Düsseldorf gesteuert. Dies betreffe zunächst unter den 800 Beschäftigten aber nur wenige Mitarbeiter, etwa sechs bis sieben. Für den Ausbau des Standortes nimmt die Genossenschaft ordentlich Geld in die Hand. Über die bereits angeschobenen Investitionen in einen Trockenturm und eine Butterei in Höhe von 60 Millionen Euro schiebt Arla weitere 20 Millionen Euro in den Ausbau.
In der Butterei soll bereits ab Ende 2013 Kærgården-Butter hergestellt werden. Der Trockenturm soll dann auch Milchpulver in Babynahrungsqualität liefern. "Hier in der Eifel verfügen wir jetzt über einen der modernsten und effizientesten Produktionsstätten der europäischen Milchindustrie. Diese werden wir in den kommenden Jahren weiter konsequent ausbauen", kommentierte er die Pläne.
Zudem verspricht sich Arla gute Geschäfte in China. Durch die Zusammenarbeit mit Chinas führender Molkerei, Mengniu Dairy Company Limited, wird Milch aus der Eifel schon bald nach China exportiert. Die 2700 Genossenschaftsmitglieder von der Muh werden den Zusammenschluss bald auch im Geldbeutel spüren. "Wir zahlen unseren Milchbauern etwa 30 Cent für den Liter Milch", sagte Jør gensen. Die Muhbauern bekamen im September noch 26 Cent.Extra

Die Milch-Union Hocheifel in Pronsfeld (Muh/Eifelkreis Bitburg-Prüm) ist die viertgrößte Molkerei in Deutschland und produziert vor allem haltbare Milchprodukte und Frischmilch. Die Muh hat rund 800 Mitarbeiter und mehr als 2700 Genossenschaftsmitglieder die, wie Arlas Mitglieder, ebenfalls Landwirte sind. Das Unternehmen erzielte 2011 einen Umsatz von 693 Millionen Euro, wovon 40 Prozent durch Export erwirtschaftet wurden. Der Ursprung des Unternehmens liegt im Jahr 1966. Damals schlossen sich die selbstständigen Eifel-Molkereigenossenschaften Üttfeld, Schönecken und Bleialf zusammen. hwExtra

Arla Foods amba ist weltweit die achtgrößte Molkereigenossenschaft. Das Fundament der Genossenschaft wurde vor mehr als 100 Jahren gelegt, und 2000 erfolgte die Fusion zwischen der schwedischen Arla Gruppe und dem dänischen Unternehmen MD Foods. Arla mit Sitz im dänischen Viby hat 8000 dänische, schwedische und deutsche Landwirte als Anteilseigner. Im Jahr werden 9,2 Milliarden Kilo Milch in zwölf Ländern verarbeitet. Arla beschäftigt rund 17 400 Mitarbeiter. Die Produkte werden in mehr als 100 Ländern vertrieben. Durch die Fusion mit der Muh wird Arla zur drittgrößten Molkerei in Deutschland. Deutschland gehört zu den Kernmärkten von Arla. Seit langem verkauft Arla vor allem aus Dänemark importierte Käseprodukte. Anfang 2011 schloss sich die norddeutsche Hansa-Milch Arla an, im November 2011 erwarb das Unternehmen die bayerischen Allgauland-Käsereien. Mit der nun von der EU genehmigten Fusion mit der Muh steigt Arla zur Nummer drei in Deutschland auf. hw