Unruhiger Milchmarkt

Wenige Tage nach Ende der Bauernproteste bahnt sich am deutschen Milchmarkt ein neuer Preiskampf an. Der Bund der Deutschen Milchviehhalter droht mit neuen Aktionen.

Pronsfeld/Thalfang. (hw/dpa) Die Preiserhöhungen großer Handelskonzerne bei Milch und Butter schmelzen bereits wieder nach einigen Tagen ab und führen deshalb in der Branche zu neuen Unruhen. Der Bund der Deutschen Milchviehhalter (BDM), der mit einem zehntägigen Boykott und der Blockade von Molkereien die Reaktion des Handels erstritten hatte, gibt sich kämpferisch. "Dass der Preis für Milch wieder fallen wird, ist Käse", empört sich BDM-Chef Romuald Schaber. Einen Boykott könne man problemlos wieder aufnehmen. Derweil haben die großen Handelskonzerne die Preiserhöhungen bei Milch und Butter zum Ärger der Bauern nach kurzer Zeit bereits wieder teilweise zurückgenommen. Deutschlands zweitgrößter Handelskonzern Rewe will die Verkaufspreise für Milch zum kommenden Montag um drei Cent je Liter wieder senken. Auch der Discounter Lidl reduzierte die Preise für Milch in seinen 3000 Filialen in Deutschland entsprechend. Dies bestätigte ein Sprecher der Lidl-Zentrale in Neckarsulm am Mittwoch. Die Erhöhung von 20 Cent pro Päckchen Butter strich der Discounter ganz. Zuvor hatten weder Aldi Süd noch Aldi Nord höhere Butterpreise angekündigt. Damit sind die drei führenden deutschen Discounter Aldi, Lidl und Plus bei Milch wieder auf einem Preisniveau. Die Milch-Union Hocheifel (Muh) in Pronsfeld stellt inzwischen ihren Vertragspartnern höhere Rechnungen aus. Die Muh habe die von Lidl initiierte Erhöhung für H-Milch und Frischmilch flächendeckend auf alle Handelspartner umgelegt. "Damit ist es gelungen, den Milchpreisverfall trotz Streik und Blockade vorerst zu stoppen", sagt Muh-Sprecher Wolfgang Rommel.Doch Experten gehen davon aus, dass wesentlich weniger als die zehn Cent auf den derzeitigen Milchpreis draufkommen. Der Auszahlungspreis, den die Molkereien ihren Milchlieferanten zahlen können, setzt sich aus vielen "Teilen" zusammen. Rund 49 Prozent der angelieferten Milch wird in Deutschland in Butter und Käse verarbeitet. Die etwa 64 Liter Milch, die jeder Deutsche jährlich trinkt, machen etwa ein Fünftel der angelieferten Milchmenge aus. Joghurt (13 Prozent), Quark (sieben Prozent), Sahne (sechs Prozent) und Frisch-Dessert (fünf Prozent) teilen sich nach Angaben des Milch-Industrie-Verbands (Miv) den Rest auf. Bei diesen Produkten sind bisher aber die Preise weiter stabil. Zudem lassen sich deutsche Milchprodukte derzeit nur schwer im Ausland absetzen, weil der Markt gesättigt sei. Für den BDM hilft deshalb nur ein Strategiewechsel. Über eine Umlage, um überschüssige Milch aufzukaufen, oder eine punktgenaue Abgabe (Nullsaldierung) müssten die Bauern Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht bringen, fordert der BDM.