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Unsanfte Landung nach Höhenflug

Unsanfte Landung nach Höhenflug

Der irische Billigflieger scheint in der Krise zu sein: Aufgrund der hohen Kerosinpreise droht ein Minus Ende des Jahres. Daher streicht Ryanair seinen Flugplan im Winter radikal zusammen - auch vom Hahn aus.

Lautzenhausen/Dublin. Der hohe Spritpreis war Ryanair-Chef Michael O'Leary bislang egal. Seine Rechnung: Je höher der Preis für Kerosin, desto mehr Konkurrenten gehen pleite. Nun steckt Ryanair selbst in Schwierigkeiten. Und der sonst so wortgewaltige O'Leary muss seine Aktionäre (mit fünf Prozent ist er selbst der größte einzelne Anteilseigner) darauf vorbereiten, dass am Ende des Jahres die Gesellschaft höchstwahrscheinlich Minus machen wird. Und das, obwohl Ryanair seit Monaten kräftig an der Preisschraube dreht: höhere Gebühren für Gepäck, Kreditkartenzahlung, bevorzugtes Einsteigen und ein radikaler Sparkurs seit März. Nun hat Ryanair angekündigt, die Flüge von der Heimatbasis im irischen Dublin und von London/Stansted massiv zu kürzen. Von London aus soll im Winter fast jede dritte Verbindung gestrichen werden. Doch damit nicht genug. Im Winterflugplan werden sieben Flughäfen für sechs Wochen aus dem Programm genommen: Basel, Budapest, Krakau, Palma de Mallorca, Rzeszów (Polen), Salzburg und Valencia (der TV berichtete). Die Gebühren auf diesen Flughäfen gehörten zu den höchsten in Europa, begründet Ryanair die radikale Entscheidung. Damit soll der Druck auf die Flughafenbetreiber erhöht werden, die Gebühren zu senken. Ein bekanntes Spiel: Im vergangenen Jahr wurden mit der gleichen Begründung die Flüge von und nach Charleroi in Belgien für ein paar Wochen eingestellt. Nachdem die wallonische Regionalregierung den Iren entgegengekommen war, hoben die Ryanair-Flieger wieder ab. Ryan air-Sprecherin Anja Seugling bestätigt, dass man grundsätzlich mit allen Flughäfen über niedrigere Gebühren verhandelt. Auch mit dem Flughafen Hahn. Was nicht ohne Brisanz ist, stehen doch die Gebühren des Hunsrück-Flughafens ohnehin schon im Visier der EU. Sie werfen den Betreibern vor, Ryanair mit günstigen Konditionen zu subventionieren. Noch im März sagte Hahn-Geschäftsführer Jörg Schumacher im Interview mit unserer Zeitung, dass auch höhere Gebühren für den irischen Billigflieger nicht ausgeschlossen seien.

"Es wird wahrscheinlich weiter optimiert werden"



Fünf Millionen Passagiere sollten in diesem Jahr vom Hunsrück aus fliegen, im Frühjahr sprach Schumacher dann von 4,3 Millionen, und nun muss er froh sein, wenn es überhaupt vier Millionen werden. Denn Ryanair wird auch auf dem Hahn im Winterflugplan seine Flüge radikal reduzieren. Weil Budapest, Mallorca und Valencia sechs Wochen lang nicht mehr angeflogen werden, entfallen die Flüge dorthin vom Hunsrück aus. Außerdem werde man Sommerflugziele aus dem Programm nehmen, "wie immer im Winter", sagt Ryan air-Sprecherin Seugling. In diesem Jahr betrifft es acht Strecken, darunter Flüge nach Verona, Jerez, Granada, Biarritz, Reus und an den Plattensee. Derzeit sind laut Seugling elf Ryanair-Maschinen im Hunsrück stationiert. Daran soll sich auch im Winter nichts ändern, sagt die Ryanair-Sprecherin.

Ob allerdings alle Flugzeuge auch fliegen werden, scheint ungewiss. "Ich weiß nicht, wie die Situation in ein paar Monaten sein wird", deutet Seugling eventuell weitere Kürzungen an.

Es könne durchaus sein, dass auch auf dem Hahn weiter "optimiert" werden müsse.

Meinung

Hahn unter Druck

Ryanair-Boss O'Leary riskiert gerne mal eine dicke Lippe. Die irische Gesellschaft werde der einzige Billigflieger sein, der überlebt. Nun hat die Realität den wortgewaltigen Iren eingeholt. Ryanair steckt wegen der hohen Kerosin-Preise mitten in der Krise, wie andere Fluggesellschaften auch. Wegen der knappen Kalkulation der Discount-Flieger gibt es kaum Möglichkeiten, die Kosten weiter zu senken - außer man streicht den Flugplan radikal zusammen und lässt Maschinen einfach am Boden. Eine Preiserhöhung wäre für die Billigflieger "tödlich", die Kunden blieben weg. Die Ryanair- Krise ist auch eine Krise der Regionalflughäfen, die von den Iren abhängig sind. An irgendwann gemachte Zusagen fühlen sie sich nicht gebunden. Das zeigen die Iren, indem sie kurzerhand angeblich zu teure Flughäfen abstrafen. So haben sie es im vergangenen Jahr (mit Erfolg) im belgischen Charleroi gemacht. Und so werden sie es auch mit dem Hahn machen. b.wientjes@volksfreund.de