Unternehmen fest in Familien-Hand

Unternehmen fest in Familien-Hand

BITBURG. Rückblick aufs alte Jahr: Die Bitburger Getränke-Gruppe wird in diesem Jahr 14 Millionen Liter absetzen und damit größte privat geführte Getränkegruppe Deutschlands bleiben. Neues im neuen Jahr: Zum 31. Mai übergibt Michael Dietzsch den Führungsstab als Geschäftsführer der Bitburger Getränke Verwaltungsgesellschaft an Axel Simon.

Die wichtigste Neuigkeit bei der diesjährigen Weihnachtsfeier der Bitburger Brauerei gab es erst zum Schluss. Axel Simon wird zum 1. Juni Vorsitzender der Geschäftsführung der Bitburger Getränke Verwaltungsgesellschaft. Er löst damit Michael Dietzsch ab, der dann in Rente gehen wird. Bierabsatz um zwei Prozent gestiegen

Es war damit auch Dietzschs letzte Ansprache bei einer Weihnachtsfeier, die die Brauerei am Ende eines turbulenten Jahres beging. Rund 30 Jahre ist er inzwischen in führender Position tätig, 26 Jahre war er Leiter des Ressorts Marketing und Vertrieb, seit drei Jahren Geschäftsführer der Bitburger Getränke Verwaltungsgesellschaft. "Thomasz, dann sind wir wieder zusammen", sagte Dietzsch schelmisch in Anspielung an die gemeinsame Zeit mit seinem ehemaligen Geschäftsführerkollegen Thomasz Niewodniczanski. Dass die 37-köpfige Gesellschafterversammlung die Weichen für den Wechsel hin zum letzten Namensträger der Bitburger-Gründerfamilie beschlossen hat, scheint auch im Sinne der Bitburger Mitarbeiter zu sein: Axel Simon erntete spontanen Applaus. Simon wird somit im neuen Jahr nicht nur eine neue Funktion bekleiden, sondern auch ein Mehr an Aufgaben bekommen. Die Gruppen-Leitung übernimmt er zusätzlich zu seinem Amt als Technik-Geschäftsführer der Bitburger Brauerei, das er fast 30 Jahre innehat. Dabei soll der Leitungskreis aus den drei Bitburger-Geschäftsführern und den beiden Gruppen-Chefs (neben Simon Matthäus Niewodniczanski) bestehen. Schon in diesem Jahr war die Lage der Branche schwierig. So hat die Bitburger Brauerei mit der Einführung der Verpackungsverordnung für Einweg 300 000 Hektoliter weniger im Einweggeschäft verkauft, in der Gruppe sogar 850 000 Hektoliter. "Mit dem Erfolgskonzept ‚Mehrweg statt Einweg‘ hat die Bitburger die Mengenverluste nicht nur aufgefangen, sondern sogar noch zugelegt", sagte Dietzsch. Und zwar um plus zwei Prozent auf 4,3 Millionen Hektoliter bei einem Rückgang des Bierkonsums im Land um fünf Prozent. Bitburger sei also sieben Prozent besser als der Markt, so Dietzsch. Die Gruppe habe 2003 rund 14 Millionen Hektoliter Getränke abgesetzt und damit ihre Position als größte privat geführte Getränkegruppe Deutschlands behauptet. In einem Biermarkt, der durch den Einstieg ausländischer Brauereien stark unter Druck geraten ist, will auch die Bitburger weiter mitmischen. Dietzsch stellte deshalb klar: "Die Bitburger wird auch in Zukunft selbstständig bleiben." Größe im Wettbewerb sei nicht alles, ermögliche aber, den Markt mitzubestimmen. Zukäufe müssten aber - was den Preis angehe - wirtschaftlich vertretbar sein. Und auch die Gerolsteiner-Tochter gehöre weiterhin in die Strategie der Bitburger-Gruppe. "Gerolsteiner steht keineswegs zur Disposition", machte der Gruppen-Geschäftsführer deutlich. In jüngster Zeit hatten Spekulationen die Runde gemacht, wonach die Bitburger-Gruppe über einen Gerolsteiner-Verkauf nachdenke. Bis letztlich eine neue Brau-Tochter in die Bitburger Familie hineingeboren werden kann, will das Unternehmen noch effizienter werden. Doch für Michael Dietzsch ist auch klar: "Während Deutschland auf der Suche nach den Superstars ist, sind die wahren Superstars alle Mitarbeiter, die den wirtschaftlichen Motor am Laufen halten."

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