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Unternehmen in Rheinland-Pfalz zunehmend verunsichert

Unternehmen in Rheinland-Pfalz zunehmend verunsichert

Die meisten rheinland-pfälzischen Unternehmen sind weiterhin mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Allerdings macht sich wegen nationaler und internationaler Konflikte zunehmend Verunsicherung breit. Droht eine Konjunkturdelle oder sogar der wirtschaftliche Abschwung?

Wer sich bei den Unternehmern im Land nach der gegenwärtigen Geschäftslage erkundigt, der wird in der Regel einen nach oben gestreckten Daumen zu sehen bekommen. Nach einer aktuellen Umfrage der rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern berichten 90 Prozent der Firmen von guten oder zumindest befriedigenden Geschäften. "Damit hat sich die Lage gegenüber der Frühjahrsumfrage sogar noch einmal verbessert", sagt der Trierer IHK-Präsident Peter Adrian, der auch der IHK-Arbeitsgemeinschaft des Landes vorsteht.

Die Wirtschaft befindet sich damit weiter in einer Boom-Phase, wobei sich am Horizont inzwischen das ein oder andere dunkle Wölkchen zeigt. Indikator dafür: Viele Unternehmen sind nicht mehr so positiv gestimmt, was die Geschäftserwartungen in den nächsten zwölf Monaten angeht. "Inlandsabsatz, Arbeitskosten, Fachkräftemangel und die Entwicklung der Exportmärkte bereiten den Unternehmen Sorgen", sagte bei der Vorstellung der Umfrage am Donnerstag in Mainz der Koblenzer IHK-Hauptgeschäftsführer Arne Rössel.

Beispiel Maschinenbau: Zwar sind die Auftragsbücher der Unternehmen noch gefüllt, doch mit Blick auf die weiter schwelende Schuldenkrise in Griechenland, die Wachstumsschwäche Chinas und den Nachfrageeinbruch in Osteuropa wegen des Russland-Ukraine-Konflikts rechnen die Unternehmen mit weniger Aufträgen.

Beispiel Handel: Die Nachfrage ist da, das Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür, und dennoch blicken die Unternehmer eher skeptisch in die Zukunft. "Hier scheint die Sorge mitzuschwingen, dass die vielen offenen Fragen rund um das Thema Flüchtlinge die Konsumlaune der Verbraucher dämpfen könnte", sagt Peter Adrian.
Schlussfolgerung der Kammerpräsidenten: Zusätzliche Belastungen der Betriebe dürfe es nicht geben, um die Verunsicherung und Zurückhaltung der Unternehmer nicht noch zu vergrößern.

Die rheinland-pfälzischen Handwerker schauen da noch optimistischer in die Zukunft. Nach einer aktuellen Konjunkturumfrage rechnen 80 Prozent der Betriebe mit einem gleichbleibenden oder sogar steigenden Auftragseingang in den kommenden Monaten. Dabei sind die Auftragsbücher der meisten Handwerksbetriebe schon jetzt gut gefüllt. Der Auftragsbestand reicht im Kammerbezirk Trier mit aktuell achteinhalb Wochen am längsten in die Zukunft, im Kammerbezirk Koblenz liegt der Bestand bei 8,4 Wochen, beim Schlusslicht Pfalz bei 7,6 Wochen.

Aber auch unter den regionalen Handwerkern gibt es Betriebe, deren Chefs eher Sorgenfalten auf der Stirn haben. "Im Baugewerbe sowie bei Bäckereien und Metzgereien herrschen gedämpfte Erwartungen", sagt eine Sprecherin der Trierer Handwerkskammer.

Interessant: Als potenzielles Risiko wird von den Handwerkern die VW-Krise gesehen. Deren vollständige Auswirkung auf die deutsche Wirtschaft und damit auch auf das Handwerk sei noch unkalkulierbar, heißt es.