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Verbraucherschutz
Verbraucher-Ärger ohne Ende

Die „drei von der Verbraucherberatung“ ziehen Bilanz: Daniel Ollinger, Energiekostenberater, und die beiden Verbraucherzentrale-Beraterinnen Gudrun Hansen und Renate Schröder (von links).
Die „drei von der Verbraucherberatung“ ziehen Bilanz: Daniel Ollinger, Energiekostenberater, und die beiden Verbraucherzentrale-Beraterinnen Gudrun Hansen und Renate Schröder (von links).
Trier. Über mangelnde Nachfrage konnte die Verbraucherberatung Trier im vergangenen Jahr nicht klagen: Mehr als 7000 Kontakte zählte die Stelle 2017 – bei Beratungen, Vorträgen und einer Vielzahl an Aktionen. Von Heribert Waschbüsch
Heribert Waschbüsch

Für viele geplagte Bürger in Deutschland ist es die letzte Rettung: Ärger mit unseriösen Schlüsseldiensten und fragwürdige Inkassoforderungen, Probleme mit betrügerischen Fake-Shops oder Fragen zu Sonderkrediten, die Verbraucherberatung hilft den Menschen aus so mancher Zwickmühle heraus. Im vergangenen Jahr hatten die Trierer Mitarbeiter genau 7250 Beratungs- und Informationskontakte, wie die rheinland-pfälzische Pressereferentin Lore Herrmann-Karch berichtet. Und wo lagen die Schwerpunkte?

Unseriöse Schlüsseldienste kassieren gnadenlos ab“, erklärt Beraterin Renate Schröder. In einem Fall kostet ein junges Paar die Schusseligkeit mit dem Schlüssel fast 700 Euro. „Sie haben den Schlüsseldienst gegoogelt und an erster Stelle stand eine Firma aus Essen“, erzählt Schröder. Zu erkennen sei dies aber nur am Impressum ganz hinten auf der Seite. 45 Minuten später war der Dienst vor Ort und ließ sich gleich den Einsatzwert und die Fahrt (fast 200 Euro) auf einer Rechnung quittieren. Nachdem er die Unterschrift hatte und ein neues Schloss eingesetzt hatte, notierte er weitere Kosten für Zylinder (195 Euro), fräsen und bohren (knapp 80 Euro), Abendzuschlag (knapp 85 Euro) und knapp 40 Euro für Mehrarbeit je angefangener Viertelstunde. Macht alles zusammen inklusive Mehrwertsteuer 699,95 Euro. „Das Paar wurde danach unter Druck gesetzt, den Betrag sofort zu bezahlen“, sagt Renate Schröder. In einem solchen Fall sollte man sich nicht scheuen, auch die Polizei zu rufen, findet die Verbraucherberaterin. Doch so weit muss es nicht kommen. „Wir haben einen Aufkleber vorbereitet, den sich jeder unter die Fussmatte kleben kann“, so die Beraterin. Dort kann man die Nummer eines örtlichen Schlossers oder Notdienstes notieren. Denn im Durchschnitt kostet in Rheinland-Pfalz eine Türöffnung bei einem seriösen Schlüsseldienst an Werktagen tagsüber knapp 85 Euro, nachts, sonntags und feiertags etwa 137 Euro. „Man kann sich auch überlegen, einen Ersatzschlüssel bei Nachbarn oder nahen Verwandten zu deponieren“, meint die Beraterin.

Ein weiterer Schwerpunkt sind fragwürdige Inkassoforderungen. „Das Vorgehen ist oft sehr dreist. Aus einer Hauptforderung von zehn oder 20 Euro werden mit Standardschreiben aus dem Computer schnell 70 Euro und mehr“, so die Erfahrungen der Trierer Beraterinnen. Schröder: „Wer nicht bezahlt, erhält Mahnungen und wird mit Drohungen unter Druck gesetzt.“ Zu den Drohgebärden zähle auch die Ankündigung eines „Inkasso-Teams“, das mit einem Kleintransporter kommt, um Wertgegenstände abzuholen. Die Verbraucherberatung unterstützt Betroffene seit diesem Jahr mit dem Online-Tool „Inkasso-Check“. Unter der Adresse www.inkasso-check.de können Betroffene Inkassoforderungen kostenlos prüfen und erfahren, ob sie zahlen müssen und ob die Höhe der Kosten gerechtfertigt ist. „Zudem lassen sich dort direkt Musterbriefe erstellen, um sich gegen hohe Kosten zu Wehr zu setzen“, erklärt Renate Schröder. Denn auf Forderungen nicht zu reagieren und sie zu ignorieren, sei nicht die richtige Lösung.

Insgesamt scheinen sich viele Probleme mit dem Verbraucherschutz zu verschieben. Unseriöse Gewinnspiele und Kaffeefahrten haben an Bedeutung verloren. „Vieles spielt sich im Netz ab“, sagt Verbraucherberaterin Renate Schröder.

„Für reichlich Ärger und finanziellen Schaden sorgen Fakeshops“, berichtet sie. Diese immer professioneller gemachten Internetseiten locken mit vermeintlich günstigen Preisen von Markenturnschuhen, Designer-Handtaschen und vielen weiteren Produkten Bürger in die Falle. „Wir haben aus der Region  Schadensfälle zwischen 199 und 1400 Euro“, sagt Schröder. „Die Bestellung erfolgt gegen Vorkasse, aber auf die Lieferung warten die Verbraucher vergebens.“ Der Rat: Vor dem Bestellen das Unternehmen abklopfen und eine sichere Zahlungsart wählen. Per Rechnung falle man nicht rein.

Ein Dauerthema bleibt auch der Ärger über die Kostenfalle mit Prepaid-Kreditkarten. Ein Kredit von bis zu 6400 Euro ohne Prüfung des Schufa-Eintrags wird versprochen, am Ende bekommt der Angeworbene nur eine teuere Prepaid-Karte für 99 Euro, erzählt Gudrun Hansen. Die Verbraucherberaterin informiert über Abzocke im Telekommunikationsbereich und im Netz. „Viel Ärger machen uns auch teure Routenplaner, die zunächst kostenlos zu sein scheinen“, so Hansen. Kostenlos sei aber dann nur die Teilnahme an einem Gewinnspiel und gleichzeitig handele man sich ein kostenpflichtiges Abo ein.

Großen Beratungsaufwand hat die Verbraucherberatung auch in die Energieberatung investiert. Rund 20 Veranstaltungen wurden angeboten, damit Verbraucher ihre Kosten in den Griff bekommen. „Wir richten unser Angebot stark an Menschen, denen eine Strom- oder Gassperre droht“, erklärt Energieberater Daniel Ollinger. „Vor allem, wer elektrisch sein warmes Wasser bereitet oder mit Strom heizt, produziert leichter Schulden“, sagt Ollinger. Besonders für Flüchtlinge sei es wichtig über die Haustechnik und ihre Abrechnung aufgeklärt zu werden. Ein Netzwerk mit Stadtwerken, Caritas und Sozialamt arbeite hier gut zusammen. Aufklärung ist für die Berater der erste Schritt zum Verbraucherschutz: 77 Vorträge und Seminare für Verbraucher und in Schulen wurden so von der Stelle im vergangenen Jahr angeboten.