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Verbraucherschützer gefragt

Die Verbrauchergesetze haben sich in der Vergangenheit verbessert, und dennoch geht den Verbraucherschützern die Arbeit nicht aus. Im Gegenteil, die Beratungsstelle in Trier hat immer mehr zu tun und will sogar in der Region "expandieren". Von unserem Redakteur Heribert Waschbüsch

Trier. "Mehr als 14 000 Kontakte konnte die Verbraucherberatung Trier im zurückliegenden Jahr verzeichnen. Davon waren rund 10 600 meist sehr komplexe und zeitintensive Einzelberatung und Reklamationen", sagt Lore Hermann-Karch, Pressesprecherin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Im Land sind die Verbraucherschützer recht zufrieden mit ihrer Beratungsstelle in Trier. Denn trotz verbesserter Verbraucherschutzgesetze geht den Experten in der Verbraucherberatung die Arbeit nicht aus.

"Wir haben etwa bei der Reklamation von untergeschobenen Verträgen fast eine Verdopplung der Klagen", sagt Renate Schröder, Beraterin in Trier. Waren es 2008 noch um die 130, stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf über 300 Beschwerden. Erst vor kurzem habe sich eine Seniorin gemeldet, der rund 5000 Euro von ihrem Konto abgebucht wurden. "Solche unlauteren Geschäftspraktiken wie untergeschobene Lottoverträge boomen", sagt Schröder. Die Zielgruppe der Gauner sind meist ältere Menschen. Das gleichzeitig mehrere dieser Anbieter die Konten der Bürger unerlaubt plündern, sei keine Seltenheit. "Bis zu 30 solcher Abbuchungen können vorkommen, in den meisten Fällen sind es Beträge zwischen 39 und 89 Euro", sagt die Verbraucherschützerin. Ihr Rat: Keine persönlichen Daten in Umfragen, im Internet oder am Telefon weitergeben, mindestens wöchentlich die Konto-Auszüge kontrollieren und im Notfall die Verbraucherzentrale kontaktieren.

Hier sei vor allem auch die Politik gefragt. "Es gibt nach wie vor erheblichen politischen Handlungsbedarf, um der Fülle der unseriösen Machenschaften von Callcentern und Internetabzockern ein für alle Mal das Handwerk zu legen", fordert Lore Herrmann-Karch.

Themenschwerpunkte waren 2009 aber auch die Situation an den Finanzmärkten. Beraterin Isabell Diehl stellt den Banken und Finanzdienstleisterin dabei keine guten Noten aus: "Risikobehaftete Anlagen, die weder das Verhalten der Sparer noch ihre persönliche Situation berücksichtigen, stehen an der Tagesordnung." Sie berichtete von zahlreichen Klagen. Die Beratungstellen bieten inzwischen Seminare zum Thema "Falschberatung" an.

Auch bei der neuen Fahrgastrechtsberatung der Verbraucherzentrale hatte Monika Hecken alle Hände voll zu tun. Probleme gebe es immer wieder mit der Kündigung der Bahncard. "Bei den Problemen mit überhitzten Zügen, hat erst der Protest der Verbraucherschützer dazu geführt, dass es eine angemessene Entschädigung und Schmerzensgeld gab. Das macht uns auch ein wenig stolz."

Energieberater Bernhard Andre sieht in Trier eine Besonderheit: "Im Mittelpunkt standen einmal mehr Fragen zur Rechtmäßigkeit von Preiserhöhungen und rund um den Versorgerwechsel. Verbrauchern ist auch wichtig: Wie kann ich Energie einsparen?"

Bei all den Aufgaben planen die Verbraucherschützer in Trier, in der Region weiter zu wachsen. In Cochem wurde im März ein Stützpunkt in der Kreisverwaltung eröffnet, der jeweils montags von 10 bis 15 Uhr geöffnet ist. "Solche Stützpunkte könnten wir uns auch in Bitburg, Prüm, Daun oder Wittlich vorstellen", sagt Beraterin Kirsten Thul-Kunsmann. Vorausgesetzt, die Kreise spielen wie in Cochem-Zell mit und beteiligen sich an den Kosten. Verbraucherzentrale Trier, Fleischstraße 77, Telefon: 0651/48802