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Vermittler zwischen Portemonnaies und Profis

Vermittler zwischen Portemonnaies und Profis

Sie tritt selbst nicht als Sportsponsor auf, will aber eine Plattform schaffen, damit der regionale Spitzensport langfristig auf wirtschaftlich soliden Füßen steht: Die IHK Trier bringt mit einer Veranstaltung am 5. März beide Seiten an einen Tisch.

Trier. Räumlich betrachtet liegt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier genau zwischen den beiden wichtigsten Trierer Sportstätten, dem Moselstadion im Westen und der Arena im Osten, zudem befindet sich die neue Geschäftsstelle der TBB-Basketballer in direkter Nachbarschaft. Und in den vergangenen Monaten war die IHK häufiger Ansprechpartner der Trierer Profisportvereine. "Wir hatten viele Anfragen, ob wir uns nicht als Sponsor engagieren wollten", sagt Jan Glockauer, Hauptgeschäftsführer der IHK.
Doch aufgrund der Struktur - die Kammer finanziert sich durch die Mitgliedsbeiträge der Unternehmen - kann die IHK nicht als Förderer des regionalen Sports auftreten. "Das können nur unsere Mitgliedsbetriebe selber", betont Glockauer. Dennoch wollte die Kammer nicht untätig sein: "Wir wollen Mittler sein zwischen Sport und Wirtschaft, wollen eine Plattform bieten, indem sich beide Bereiche näherkommen." Gemeinsam mit der Handwerkskammer Trier, dem Kreis Junger Unternehmer und der Initiative Region Trier organisiert die Kammer am 5. März (ab 17 Uhr) die Veranstaltung "Spitzensport als Wirtschafts- und Standortfaktor" (siehe Extra). "Es gibt genügend wirtschaftliches Potenzial in der Region, um die Vereine auf eine gesunde Basis zu stellen", betont Glockauer, der eine einfache Rechnung aufmacht: "Geht es den Vereinen sportlich gut, geht es auch den fördernden Unternehmen gut, die dann durch ihr Sponsoring eine Gegenleistung erhalten."
Studie belegt Bedeutung


Mittelfristig ist es ein Ziel der Kammer als Netzwerker, dass ein nachhaltiges finanzielles und sportliches Konzept für eine tragfähige Zukunftsperspektive der Vereine sorgt. Wenn TBB und Miezen permanent im Abstiegskampf stecken und die Eintracht nicht in die 3. Liga aufsteigt, fiele es eben schwer, weitere Unternehmen zu gewinnen, die die Vereine sponsern. "Einer muss den Anfang machen und zeigen, dass es nur gemeinsam geht", sagt Glockauer, der besonders die bundesweite Bekanntheit der Sportstadt Trier als Anreiz für die Wirtschaft sieht: "Sowohl für die Unternehmen als auch die Vereine muss es Planungssicherheit geben. Dies geht nur über sportliche Erfolge und langfristige Partnerschaften. Ziel muss eine kontinuierliche Arbeit der sehr engagierten Vereine sein."
Für ihn ist der Spitzensport in der Region nicht nur wegen seiner bundesweiten Ausstrahlung ein Standortfaktor: "Viele Unternehmen engagieren sich, viele Fachkräfte sind Zuschauer bei Miezen, Eintracht oder TBB, und weil viele Vereine nicht vollprofessionell ausgerichtet sind, sind auch viele Sportler Fachkräfte für die regionalen Unternehmen."
Eine Studie der Trierer Sportakademie belegt diese besondere Bedeutung des Spitzensports für Trier. 3000 Bürger wurden befragt, und für 80 Prozent tragen die Spitzenvereine für eine bessere Außenwirkung und ein positives Image der Stadt bei. 70 Prozent identifizieren sich mit den Spitzensportlern. "Spitzensport ist als weicher Standortfaktor für Trier wichtig", fasst Klaus Klaeren, Leiter der Sportakademie, die Ergebnisse der Studie zusammen. Aber generell sieht er ein Problem der Dichte an Topvereinen: "Der Konkurrenzkampf um Sponsoren ist hoch, die wirtschaftlichen Mittel sind eher gering." Das sieht auch Manfred Bitter, Hauptgeschäftsführer der HWK Trier, so: "Geld schießt oder wirft zwar keine Tore, macht es aber wesentlich einfacher. Daher tritt die Handwerkskammer bei den Handball-Miezen als Sponsor und Arbeitgeber auf (siehe Extra). "Natürlich muss man auch etwas investieren, aber dieses Engagement kann auch eine win-Win-Situation sein."
Darauf hofft Jan Glockauer mit der Veranstaltung am 5. März ebenfalls: "Wenn wir es schaffen, Unternehmen und Vereine an einen Tisch zu bringen, dann haben wir den ersten Schritt gemacht, dass die Region auch weiterhin von ihren sportlichen Aushängeschilder profitieren kann."
Extra

Schon seit mehreren Jahren ist die HWK Trier über ihre Tochterfirma BQH Partner der Miezen - teilweise als Sponsor zum Beispiel mit Banden- oder Fahrzeugwerbung, aber auch als Arbeitgeber. Die beiden MJC-Spielerinnen Megane Vallet und Judith Derbach sind auf Teilzeitbasis als Gesundheitsmanagerinnen bei der HWK angestellt und geben Kurse für betriebliches Gesundheitsmanagement und zum Beispiel zur Wiedereingliederung von Arbeitslosen. Gemeinsam mit den Miezen bietet die HWK zudem Gesundheitstage und Kurse für Unternehmen an. BPExtra

 Jan Glockauer, IHK-Hauptgeschäftsführer. Foto: TV-Archiv
Jan Glockauer, IHK-Hauptgeschäftsführer. Foto: TV-Archiv

Unter der Überschrift "Spitzensport als Wirtschafts- und Standortfaktor" bringt die IHK am 5. März im IHK-Tagungszentrum regionale Vereine (Miezen, TBB, Eintracht und Dolphins) sowie Vertreter von Kammern und Unternehmen zusammen. In zwei Diskussionsrunden geht es um die Themen wirtschaftliche Bedeutung des Spitzensports in der Region sowie Sponsoring des Trierer Sports. In einem Vortrag wird Christian Heidel, Manager des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05, die Situation in der Landeshauptstadt vorstellen und später auch mitdiskutieren. Zudem präsentieren sich vor und nach dem offiziellen Teil insgesamt sieben regionale Spitzenvereine den Unternehmen. Anmeldungen für die Veranstaltung bis 3. März per Mail an Ulrich Schneider ( schneider@trier.ihk.de ) oder an Tina Becker ( becker@trier.ihk.de ). Der Eintritt ist frei. BP