Verschlüsselt vom Himmel

Verschlüsselt vom Himmel

LUXEMBURG. Wer "Deutschland sucht den Superstar" schauen will, muss künftig zahlen. Das jedenfalls kündigt der luxemburgische Satellitenbetreiber SES Astra an.

Neben Flachbildschirmen waren sie der Renner im Weihnachtsgeschäft: digitale Satelliten-Empfänger. Vor allem im Hinblick, dass demnächst alle Sender ihre Programme nur noch digital ausstrahlen wollen, schien sich die Investition zu rechnen. Doch der Luxemburger Satellitenbetreiber, der zu den größten in Europa gehört und seit Kurzem auch das Sendezentrum des Bezahlsenders Premiere übernommen hat, will nun den Schüsselbesitzern einen Strich durch die Rechnung machen. Wer Privatfernsehen schaut, soll künftig zahlen. Seit Langem sind die Luxemburger an einer solchen Plattform namens Dolphin am arbeiten. "Wir sind in fortgeschrittenen Planungen für den Ausbau der digitalen Infrastruktur in Deutschland", verkündete SES-Chef Ferdinand Kayser kürzlich in einem Interview mit dem Branchenfachblatt "Digital Insider". Die Zuschauer sollen auch in Zukunft nicht für die Inhalte und Programme zahlen, sondern für die Nutzung der technischen Infrastruktur, so Kayser, der vor seinem Wechsel zu SES Premiere-Chef war. Er begründet die monatlichen Gebühren mit notwendigen Investitionen durch die Erweiterung der digitalen Satellitentechnik. Damit schafft SES als Marktführer beim Satellitenfernsehen in Deutschland erstmals ein ähnliches Angebotsmodell wie Kabelanbieter. Die Last der Transportkosten wird auf die Zuschauer verlagert. Bislang zahlen lediglich die Sender für die Übertragung via Satellit. Branchenkenner befürchten schon lange, dass durch die Verschlüsselung privater Sender weitere Gebühren auf die Fernsehzuschauer zukommen. Die Sender suchen seit einiger Zeit neue Einnahmequellen, rückläufige Werbeeinnahmen lassen die Gewinne schrumpfen. Bezahl-Kanäle oder nur über so genannte Grundverschlüsselung empfangbare Programme könnten zusätzliche Einnahmen bringen. Weiterer Vorteil der neuen Technik für die Sender: Dank der individuellen Zugangskarte haben Satellitenbetreiber und Sender jederzeit Zugriff auf die persönlichen Daten und können so Zuschauerprofile erstellen.