Viel Geduld für das Beste aus Saar-Trauben

Viel Geduld für das Beste aus Saar-Trauben

Die Weine des Guts Forstmeister Geltz-Zilliken aus Saarburg gehören zu den erlesensten Spezialitäten der Branche. Für zwei seiner aufwendig hergestellten Produkte haben Winzer Hanno Zilliken und seine Tochter Dorothee vom renommierten Weinführer Gault Millau nun die Auszeichnung "Wein des Jahres" erhalten.

Saarburg. Man merkt ihr die Leidenschaft für ihren Beruf und für Tradition und langlebige Werte an. So wie dies die zehn Generationen vor ihr im Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken in Saarburg vorlebten. "Wein muss einen Reiz auslösen", ist Dorothee Zilliken überzeugt. "Einen Reiz, der auf der Zunge kribbelt und einem auch einige Momente später noch das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt." Was die 32-Jährige dort beschreibt ist das, was die Tester des bedeutenden Weinführers Gault Millau mit "Perfekt!" und "Saar at it\'s best", also das Beste von der Saar, bezeichnen. Denn der Riesling Kabinett und die Riesling Auslese des Jahrgangs 2011 des Saarburger Weinguts haben die Tester im Finale überzeugt: Beide dürfen sich nun "Wein des Jahres" nennen.
Das Gut Forstmeister Geltz-Zilliken, heute meist nur noch Zilliken genannt, hat sich über 270 Jahre hinweg nicht nur seine Traditionen bewahrt - es ist Gründungsmitglied des "Vereins der Naturweinversteigerer Großer Ring", heute VDP Mosel (siehe Extra). Mit Blick auf das Beste aus seinen Trauben hat es Weine mit großer Langlebigkeit geschaffen und dafür immer wieder Auszeichnungen eingeheimst. "Unsere Weine begleiten uns regelrecht über mehrere Jahrzehnte", sagt Hanno Zilliken. "Es gibt Weine, deren Höchstreifegrad werde ich nicht mehr erleben", ist der 61-Jährige sicher. Nichts, was den Winzer, seine Frau Ruth oder die Tochter traurig machen würde, sondern was sie in ihrer Philosophie bestätigt: "Das Weinmachen ist keine Momentsache. Bei unseren Weinen brauchen Sie Geduld", sagt Zilliken.
Elf Hektar Riesling in Steillage


Im Weingut Zilliken wird auf elf Hektar ausschließlich Riesling angebaut. Die Spitzenweine werden teils in harter Handarbeit aus den edelsten Trauben der Saarburger Steillagen Rausch und Bockstein gewonnen. Ausschließlich in Steillagen mit bis zu 70 Prozent Steigung und von Reben, die tief in die mineralischen Gesteinsschichten hineinreichen. Die älteste Rebe ist rund 130 Jahre alt, die sogenannten Alten Reben bringen es auf rund 40 Jahre. Der Jungwein wird in Holzfuderfässern vergoren, der in den feuchten Kellern viele Meter unter der Saarburger Erde reifen kann. "Hier lagert ein Stück lebende Kultur", sagt Hanno Zilliken und zeigt auf die einzelnen Fächer der Schatzkammer, die die frucht- und edelsüßen Kostbarkeiten eines jeden Jahrgangs hüten und deren Flaschen teils mit dicken Büscheln des schwarzen Schimmelpilzes - einem Gütezeichen optimaler Weinreifung - bedeckt sind.
Schon bald werden Dorothee, Hanno und der 93-jährige Senior Fritz Zilliken ihrer Familientradition folgen und - wie in jedem Winter - vor der Abfüllung des aktuellen Jahrgangs Fass für Fass testen. Eine wichtige Zeremonie, die die Generationen zusammenhält und Erfahrung und Ideen bündelt.
In Zeiten, wo die Winzerverbände einen Trend zu schnell trinkbaren Weinen ohne große Lagerfähigkeit ausmachen, mutet die Familie Zilliken fast wie ein Exot an. "Die Tradition gereifter Weine hat lange einen Dornröschenschlaf mitgemacht", sagt Zilliken. Doch seine strenge und ausgereifte Arbeitsweise, aus kleinen Erträgen (50 Hektoliter pro Hektar) nur die besten Trauben auszuwählen und daraus feine Weine mit Alkoholanteilen unter zwölf Volumenprozent wie dem 2011er Jahrgang herzustellen, scheint zunehmend in der Gastronomie und von vielen Kunden aus aller Welt wertgeschätzt zu werden, wie die "Weine des Jahres" beweisen.
So wundert es kaum, dass Zilliken bei der VDP-Versteigerung im September in Trier mit einer Magnumflasche Saarburger Rausch Riesling Trockenbeerenauslese 2009 mit 2125 Euro den höchsten Preis erzielte. Für den Winzer ein zweischneidiges Schwert: "Man möchte zwar einen attraktiven Preis erzielen, aber dennoch in den Kellern vieler Weinfreunde liegen", sagt Zilliken. Und so legt Tochter Dorothee angesichts eines Exportanteils im eigenen Betrieb von 70 Prozent vor allem in die USA, die Schweiz und Japan, verstärkt Wert auf mehr Kundschaft in Deutschland. "Deutscher Wein und gereifte Weine erleben hierzulande eine Renaissance", beschreibt sie ihre Erfahrung. Und ihr Vater bestätigt: "Noch vor 20 Jahren gab es bei weitem nicht die Nachfrage nach gereiften Weinen wie heute", sagt der Winzer. Aktuell könne er mehr verkaufen, als er in der Lage sei einzulagern.
Extra

In den feuchten Kellern reifen kostbare Zilliken-Weine. TV-Foto: Jens Butz.

Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) blickt auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurück. 1910 als Verband Deutscher Naturweinversteigerer gegründet, zeigte sich schon damals das Qualitätsbewusstsein einiger Winzer von Mosel, Saar, Ruwer, Nahe, aus Baden, Hessen, der Rheinpfalz und dem Rheingau. Sie wollten Maßstäbe gegen die damals übliche Zuckerung von Weinen setzen. Erster Vorsitzender war Albert von Bruchhausen, zu dieser Zeit Oberbürgermeister der Stadt Trier. Das Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken aus Saarburg gehört zu den Gründungsmitgliedern des Verbands. 1982 kam die Umbenennung in Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter. Alle rund 200 Mitglieder haben sich auf höchste Qualitätskriterien verpflichtet, etwa die obligatorische Handlese ab dem Prädikat Auslese, und gelten als die renommiertesten Aushängeschilder ihrer Branche. Kennzeichen der VDP-Weine ist der Traubenadler auf der Flaschenkapsel. Im Bereich von Mosel, Saar und Ruwer gibt es 32 Mitglieder, als neues Mitglied kommt ab Januar das Weingut Peter Lauer aus Ayl/Saar (Kreis Trier-Saarburg) hinzu. sas