Viel Gesckmack, wenig Alkohol

Viel Gesckmack, wenig Alkohol

Für die Winzer von der Mosel ist die gerade zu Ende gegangene Weinfachmesse ProWein in Düsseldorf immer ein wichtiger Gradmesser. Dabei sind die Moselwinzer sehr zufrieden, auch weil typische Moselweine mit geringem Alkoholgehalt und ausgewogener Säure wieder im Trend sind.

Trier/Düsseldorf. "The Trend ist your friend", ist eine der wichtigsten Börsenweisheiten, die schon manchen Anleger glücklich gemacht hat. Auf einen Trend, der sie glücklich macht, hoffen nun auch viele Moselwinzer: Leichte Weine mit wenig Alkoholgehalt sind bei den Weinliebhabern in aller Welt gefragt. Die Mosel bietet aufgrund ihrer nördlichen Lage, der Rieslingreben mit ihrer hohen Säure und der langen Reifephase beste Vor aussetzungen. "Unsere Winzer stellen sich auf die Nachfrage ein", sagt Ansgar Schmitz, Geschäftsführer des Vereins Moselwein: "Achim Reis aus Briedel hat jetzt einen ,Cabinet\' mit 10,5 Volumenprozent Alkoholgehalt vorgestellt, trocken ausgebaut und mit schöner Aromatik." Er habe bewusst die historische Schreibweise gewählt und ein Retro-Etikett entworfen, um auf die lange Tradition leichter Moselweine hinzuweisen. Und ein anderer junger Winzer habe das einst belächelte "Leichte Möselchen" sogar als Marke eintragen lassen und stellte einen feinherben Riesling mit weniger als neun Prozent Alkohol und etwa 35 Gramm Restzucker vor, erklärt Weinexperte Ansgar Schmitz. Das "leichte Möselchen" und alkoholarme Kabinettweine, Spät- oder Auslesen haben lange die Mosel geprägt. Um 1900 und nach dem Zweiten Weltkrieg lagen diese voll im Trend. "Die Vor aussetzungen an der Mosel sind ausgezeichnet durch die lange Reifezeit, die die Trauben geschmacklich hervorragend ausprägt, der Zuckergehalt (= Alkohol) legt aber nicht wie in südlichen Weinbaugebieten zu.
Im Ausland hilft die Technik


Auch in anderen Anbaugebieten versuchen Winzer leichte Weine zu kreieren, aber eben oft im Keller. Ansgar Schmitz: "In Kalifornien, Australien oder auch in Südfrankreich werden Weine mit hohem technischen Aufwand entalkoholisiert. Dann kommt etwa ein trockener Chardonnay aus dem Languedoc mit neun Prozent in den Handel und wird angepriesen." Dass mit Technik nachgeholfen wurde, erfahre der Verbraucher nicht. Da dem Wein aber mit dem Alkohol auch Geschmack entzogen wird, schmecken solche Weine eher fad und langweilig. Solche Einschätzungen teilen viele Betriebe in der Region - von der großen Winzergenossenschaft bis hin zum Spitzenweingut von der Saar. "Gerade in der heutigen hektischen Zeit sind unkomplizierte, fruchtige Weine mit geringerem Alkoholgehalt wieder mehr gefragt. Vor allem die Kabinettweine unserer Heimat, allen voran der Riesling, erfüllen diese Attribute besonders gut," sagt Thomas Ambré, Pressesprecher der Winzergenossenschaft Moselland. Die 1969 gegründete Genossenschaft hat 2300 Winzer als Mitglieder, 1700 davon an der Mosel. Mehr als 30 Millionen Flaschen verkauft die Moselland e.G. jährlich. "Das Gros unserer Kabinettweine liegt zwischen sieben beim fruchtsüßen Kabinett, um elf Volumenprozent beim trockenen Kabinett", erklärt Ambré.
"Rieslinge wie Schmetterlinge - bei aller Pracht so leicht, dass sie schweben", so hat Weinpapst Stuart Pigott die Gewächse von Forstmeister Geltz-Zilliken an der Saar beschrieben. "Unsere leichten Kabinettweine, die Spät- und Auslesen mit 7,5 bis 8,5 Volumenprozent sind sehr gefragt", erzählt Dorothee Zilliken. Seit 2007 ist sie gemeinsam mit Vater Hans-Joachim für die Weine verantwortlich. Der Gault Millau zeichnete das 270 Jahre alte Weingut für zwei Weine mit der Bewertung "Wein des Jahres" aus. "Beides Weine mit wenig Alkohol, ein Riesling Kabinett und eine Auslese, die sehr elegant ist", sagt Dorothee Zilliken. Mehr als die Hälfte der rund 80 000 Flaschen wird in diesem Bereich ausgebaut. Neben deutschen Weinliebhabern sind es vor allem viele ausländische Käufer, die diese Weine lieben.
Weinliebhaber aus aller Welt


"Wir haben viele Weinliebhaber aus Südafrika, Spanien, Frankreich oder auch Italien, die diese Weine bei uns ordern", erklärt die Winzerin.
Im Ausland haben die alkoholarmen Weine aber noch einen andern Vorteil. "In den Niederlanden und Skandinavien wird Wein mit einem Alkoholgehalt bis 8,5 Prozent niedriger besteuert als ein Wein über diesem Wert. Dadurch verteuern sich die alkoholreicheren Weine für den Konsumenten teilweise erheblich und verlieren somit ihre Kaufattraktivität", sagt Thomas Ambré.
Ansgar Schmitz ist sich sicher, dass der Trend noch lange anhält und sich verbreitet: "Winzer berichten uns, dass wieder mehr Weine mit geringem Alkoholgehalt gefragt seien. Der von vielen schon totgesagte Riesling Kabinett lebt wieder auf. Auch Gastronomen berichten, dass Gäste bewusst die Weine nach Alkoholgehalt aussuchen. Wer noch Auto fahren muss, greift lieber zum trockenen oder feinherben Kabinett mit um die elf Volumenprozent als zur Spätlese trocken mit über 13 Prozent."Extra

Gut 44 000 Fachbesucher haben in den vergangenen Tagen die Weinfachmesse ProWein in Düsseldorf besucht. Das sind rund zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Unter den 400 Ausstellern waren auch etwa 80 Winzer von der Mosel. Allein 40 Weinbaubetriebe hatten sich unter dem Dach und der Flagge des Moselwein e.V. organisiert. Ansgar Schmitz, Geschäftsführer von Moselwein, berichtet von guten Ergebnissen. "Die Betriebe am Gemeinschaftsstand waren mit der Messe zufrieden bis sehr zufrieden. Vor allem die Weingüter, die schon lange mit Handel und Gastronomie sowie Export arbeiten, zeigten sich sehr zufrieden angesichts der hohen Nachfrage. Einige meldeten schon am Sonntag- oder Montagabend knappe Bestände, da sehr viel geordert worden sei", erklärte Ansgar Schmitz. Gut besucht waren die Veranstaltungen am Gemeinschaftsstand, vor allem die Probe "Terroir Moselle", "Große Gewächse Bernkasteler Ring" und "Leiwener Jungwinzer". Riesenandrang herrschte, als Klitzekleiner Ring und MoselJünger gemeinsam ihre Weine vorstellten. hw

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