| 21:07 Uhr

Viele Baustellen

TRIER. (ik) In der Baubranche kriselt es seit mehr als einem Jahrzehnt, und die Abschaffung der Eigenheimzulage sowie die geplante Mehrwertsteuer-Erhöhung trüben die Aussichten zusätzlich. Doch die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) richtete bei ihrem Neujahrsgespräch am Mittwoch in Trier den Blick demonstrativ nach vorn. Es gebe Hoffnung – zum Beispiel durch das neue Gebäudesanierungsprogramm.

Das Zauberwort heißt Gebäudesanierungsprogramm. Vor allem von dieser verbesserten Förderung von Energiesparmaßnahmen erhofft sich Reiner Gehring, Geschäftsführer des IG-Bau-Bezirksverbands Saar-Trier, Impulse. Auch die neuen Möglichkeiten, Erhaltungs- und Modernisierungsarbeiten von der Steuer abzusetzen, sowie zusätzliche Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur bewertete er beim Neujahrsgespräch gestern in Trier positiv. Und schließlich lobten Gehring und IG-Bau-Bezirkschef Heinrich Weber die geplante Regelung, die Winterkündigungen im Baugewerbe unnötig macht. Das war's allerdings auch mit den guten Nachrichten. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes prognostiziert für 2006 Rückgänge bei den Umsätzen von einem Prozent und bei den Beschäftigten von 1,5 Prozent. Das bedeute für die Region Trier im Jahresdurchschnitt rund 400 Arbeitslose mehr, rechneten Gehring und Weber vor. Sie erhoffen sich in punkto Gebäudesanierung eine Vorreiterrolle der öffentlichen Hand, sehen aber zugleich mit Sorge, dass beispielsweise die Stadt Trier ihre Bauinvestitionen von 27,3 Millionen 2006 auf 15,6 Millionen 2008 herunter fährt. Dabei mache der öffentliche Bau 40 Prozent aller Aufträge aus. Die Gewerkschafter, die 30 bis 35 Prozent der in ihren Branchen Beschäftigten vertreten, kündigten Widerstand gegen die geplante Mehrwertsteuererhöhung an. Sie verwiesen auf Frankreich: Dort gelte für Bauleistungen ein verminderter Mehrwertsteuersatz von 5,5 Prozent. Einen Schwerpunkt legt die IG Bau in diesem Jahr auf die Betriebsratswahlen. Es werde zunehmend schwieriger, Leute zum Engagement zu bewegen, sagten Gehring und Weber. Dennoch wollen sie versuchen, in Gebäudereinigungsfirmen der Region Betriebsräte zu installieren. Sorge bereitet den Bau-Gewerkschaftern auch die geplante Dienstleistungsrichtlinie der EU, gegen die sie auf die Straße gehen wollen: Am 14. Februar fahren sie zu einer Demo nach Straßburg.