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Viele freie Lehrstellen und weniger Bewerber

Viele freie Lehrstellen und weniger Bewerber

Die Ausbildungsplatzsituation in der Region ist für junge Menschen hervorragend. Mehr freie Lehrstellen, weniger Bewerber ist das Fazit der Arbeitsagentur und der beiden Wirtschaftskammern. Das Hauptproblem für die Wirtschaft: Wie bekommen die Betriebe genügend Nachwuchs?

Trier. Für die Mehrzahl der jugendlichen Schulabgänger ist das Ausbildungsjahr 2014/15 ganz nach ihren Wünschen gelaufen. Lediglich 130 gemeldete Bewerber sind noch unversorgt - genau 3439 haben einen Lehrvertrag unterschrieben. Damit liegt die Zahl der neuen Ausbildungsverträge etwa auf dem Niveau des Vorjahres. "Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ist ungebrochen hoch. Dennoch haben immer mehr Firmen Schwierigkeiten, ihre Stellen zu besetzen", bilanziert die Geschäftsführerin der Trierer Arbeitsagentur, Edeltraud Nikodemus. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Trier, Manfred Bitter, schätzt die Lage ähnlich ein: "Mit fast 1200 neuen Ausbildungsverträgen haben wir ein leichtes Plus erreicht. Das ist grandios." Gleichzeitig könnten die Handwerksbetriebe auch jetzt noch 500 freie Lehrstellen anbieten. Die Bereitschaft zur Ausbildung im Handwerk sei groß, die Karrierechancen hervorragend und die intensive Imagekampagne helfe, dass das Handwerk als attrakiv angesehen wird. "Dennoch müssen wir uns anstrengen, Jugendliche von den Vorzügen der dualen Ausbildung zu überzeugen", sagt Manfred Bitter. Volle Unterstützung findet er dabei bei seinem Kollegen Jan Glockauer, IHK-Hauptgeschäftsführer. Bei der Industrie- und Handelskammer Trier liegen bislang 1891 abgeschlossene Ausbildungsverträge vor - 1,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. "Wir müssen die Ärmel hockrempeln, um die Duale Ausbildung und damit die Wirtschaft in der Region zu stärken", betont auch Jan Glockauer. Deshalb starteten die rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern 2016 eine Imagekampagne, um jungen Menschen und ihren Eltern die vielfältigen - und im Vergleich zum Studium - schnellen Karrieremöglichkeiten aufzuzeigen, die Aus- und Weiterbildung biete. "Die Sicherung des zukünftigen Fachkräftebedarfs von klein- und mittelständischen Unternehmen ist eine zentrale Aufgabe, damit diese leistungs- und wettbewerbsfähig bleiben", so Glockauer.
Dass sich der Ausbildungsmarkt in der Region so positiv darstellt, führen Kammern und Arbeitsagentur auch auf eine reibungslose Zusammenarbeit aller Akteure zurück. Gemeinsame Aktionen wie die Messe ,Dein Tag, Deine Chance - Ausbildung jetzt!', bei der neben Kammern und Arbeitsagentur auch der TV Veranstalter ist, würden die Betriebe bei der Nachwuchssuche unterstützen.
Chance und Herausforderung


Doch auch bei der Bilanz des regionalen Ausbildungsmarkts haben die regionalen Akteure den Blick auf die Flüchtlingsthematik. Für die Wirtschaft eine große Chance und gleichzeitig eine riesige Herausforderung. "Das ist für uns das Thema Nummer eins", gesteht IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer. Im Verbund sehen die Kammern und die Arbeitsagentur gute Chancen, Migranten über den Ausbildungsmarkt zu integrieren. "Das ist für uns ja kein Neuland", sagt Edeltraud Nikodemus, und auch Manfred Bitter findet: "Wir sind sicher nicht bei null." Von rund 124 jungen Menschen mit ausländischem Pass, die derzeit im Handwerk eine Ausbildung machen, käme rund die Hälfte aus nicht EU-Ländern.
Das gerade verabschiedete Asylbeschleunigungsgesetz habe allerdings die Erwartungen der Kammern "nicht voll erfüllt", so Bitter. Vor allem die Sprachkompetenz sei ein wichtiges Kriterium, um Menschen im Arbeitsmarkt zu integrieren. Hier seien noch große Anstrengungen notwendig. Stimmten die gesetzlichen Rahmenbedingungen, sei die Frage des Bleiberechts geklärt, könnten alle von der Entwicklung profitieren. "Ich habe noch nie so einen Schulterschluss zwischen Kammern und Arbeitsagentur gesehen, wie in dieser Frage", sagt Edeltraud Nikodemus.Extra

3914 freie Lehrstellen haben Betriebe der Region im Ausbildungsjahr gemeldet. Davon blieben bisher 319 Lehrstellen unbesetzt, 79 mehr als im Vorjahr. 130 Jugendliche haben indes keine Lehrstelle gefunden. Im vergangenen Jahr waren es noch 180. Im Handwerk sind derzeit sogar noch rund 500 Lehrstellen zu besetzen. hw