Vision mit Impulsen

TRIER/LUXEMBURG. Die Logistik-Branche boomt. Zudem gilt sie als eine der Innovationsbranchen der Zukunft. Doch jenseits von politischen Sonntagsreden tun sich Probleme in der Region Trier vor allem in der Praxis auf: in der unzureichenden Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Luxemburg.

Die Grenzen in Europa sind offen. Waren- und Güterverkehr sind frei, Grenzkontrollen vielfach weggefallen. Ein Faktor, von dem gerade die Logistik-Branche in Grenzregionen wie der deutsch-luxemburgischen profitiert - wenn die Rahmenbedingungen zu Lande, zu Wasser und in der Luft stimmen. Lückenschluss der Autobahn 1, Hochmoselübergang, der Ausbau der Moselschleusen und der Konzer Eisenbahnbrücke: Dies sind für die Spediteure der Region die wichtigsten Verkehrsprojekte, um ihre Wettbewerbssituation zu verbessern. Doch die abweichende Prioritätensetzung auf Bundesebene und die leeren Kassen des Landes machen die Logistiker skeptisch. "Wir haben im Bundesverkehrswegeplan das Maximale für unser Land rausgeholt", sagte der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Hans-Artur Bauckhage (FDP) beim zweiten Logistik-Kongress des Wirtschaftsministeriums des Landes, der Stadt Trier, der Industrie- und Handelskammer Trier sowie des Europäischen Zentrums für Wirtschaftsverkehre, Ausbildung und Logistik (WAL) in Trier.Druck auf die Kosten wächst

Doch Ungemach droht den heimischen Unternehmen - neben der LKW-Maut - auch von anderer Seite. "Gerade im innereuropäischen Verkehr wird der Druck durch Firmen aus Osteuropa wachsen", prognostizierte Michael Otrempa von McKinsey&Company (Frankfurt) auf der Tagung. Grund also für die heimischen Akteure, ihre Chancen auszuloten. "Grenzüberschreitende Zusammenarbeit" heißt die Losung der Zukunft. Die Vision der Regierungen von Luxemburg, Rheinland-Pfalz und der Stadt Trier lautet: die Region als Kompetenzzentrum für Wirtschaftsverkehr und Logistik auszubauen. Dem hat auch eine EU-Studie großes Potenzial bescheinigt. Das erste "grenzüberschreitende Güterverkehrsprojekt" (TriLux) auf europäischer Ebene soll deshalb die Vorteile von beiden Seiten der Grenze bündeln und Defizite ausbügeln. So werden der Region Trier zwar viele verfügbare Flächen, aber Defizite in der Vermarktung, der Netzanbindung und dem Unternehmensmix bescheinigt. Luxemburg weist dazu ergänzende Merkmale auf - wenig Flächen und wenig Fachpersonal, dafür aber bessere Netze. "Da beide Standorte allein zu geringe Gütermengen verarbeiten, schafft nur die Kooperation eine ausreichende Wettbewerbsfähigkeit", sagt Johannes Weinand, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung in Trier. Das könnte bedeuten: LKWs bündeln ihre Güter künftig an Autobahn-Knotenpunkten wie Wittlich, auf der Schiene kommen die Waren am Trierer Güterverkehrszentrum an, per Schiff werden sie in Häfen wie Mertert wieder abgeladen. Ein Trilux-Logistikzentrum könnte laut WAL-Vorstand Herbert Grünwald folglich nicht nur gemeinsam vermerktet werden, sondern sich auch die Arbeit teilen und unterschiedliche Schwerpunkte herausbilden. Noch stehen die Pläne und Ziele auf dem Papier. Dennoch lassen sich die Vorteile schon jetzt definieren, sagt der WAL-Vorsitzende Christoph Rass, zugleich Geschäftsführer des Trierer Stahlwerks und der Luxemburger Spedition Speralux: "Positive Impulse für beide Seiten, weniger Leerfahrten, geringere Kosten und damit Innovationsfähigkeit."

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