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Vom Industriehelfer am Band bis zum Chef

Vom Industriehelfer am Band bis zum Chef

Sie arbeiten unter dem Lohn ihrer festangestellten Kollegen. Trotzdem verdienen mehrere Hundert Facharbeiter und ungelernte Hilfsarbeiter bei Zeitarbeitsfirmen in der Region ihr Geld. Das Geschäft mit der Arbeitnehmerüberlassung boomt.

Wittlich/Trier/Daun. Derzeit herrsche in der Industrie eine gute Auftragslage, sagt Bruno Hebel, Niederlassungsleiter des Personaldienstleisters Armon in Wittlich. "Die Unternehmen brauchen gute Mitarbeiter. Allein für 2014 können wir hier am Standort Wittlich 40 Prozent Wachstum verzeichnen", sagt Hebel.
Derzeit beschäftige die Wittlicher Zeitarbeitsfirma bis zu 340 Menschen. Der Großteil davon arbeite als Produktionshelfer in der Industrie. "Die Unternehmen brauchen uns, um atmen und Auftragsspitzen bewältigen zu können. Wir sind das Vitamin Z der Wirtschaft", sagt Hebel. An welche Unternehmen er seine Arbeitskräfte verleiht, möchte Hebel jedoch nicht verraten.
Chance für Zuverlässige


Die Zeitarbeitsfirma Conlog in Wittlich sei ebenfalls auf Wachstumskurs, sagt Personaldisponent Thomas Weber. "In den letzten zwei Jahren hat sich die Anzahl unserer Mitarbeiter verdoppelt." Derzeit verleihe Conlog 44 Mitarbeiter an Industrieunternehmen in der Eifel, im Hunsrück und im Raum Trier - hauptsächlich Staplerfahrer, Helfer sowie Kommissionier- und Sortierkräfte. Weber: "In diesem Jahr haben wir zehn Mitarbeiter, ein Viertel unserer Belegschaft, an Kunden verloren, die sie fest angestellt haben." Diese Quote sporne die Mitarbeiter an, sagt Weber. "Wenn man gut arbeitet und zuverlässig ist, hat man gute Übernahmechancen." Man könnte noch mehr Zeitarbeitnehmer in Arbeit bringen, sagt Weber. Allerdings hapere es bei vielen Bewerbern an entscheidenden Qualifikationen wie Zuverlässigkeit.
Die Trierer Zeitarbeitsfirma Blaumann beschäftigt in der Großregion rund 190 Mitarbeiter. "Die Nachfrage nach Fachpersonal - auch in Führungspositionen - steigt stetig", sagt Geschäftsführerin Eva-Maria Hallfell.
Thorsten Marx, Niederlassungsleiter des Personaldienstleisters Pro-Tec-Premium in Daun, freut sich ebenfalls über die aktuelle Auftragslage. "In diesem Geschäftsjahr konnten wir unseren Umsatz in der Eifel verdoppeln." Derzeitig seien bei Pro-Tec-Premium in der Eifel 50 Facharbeiter beschäftigt. In diesem Jahr, so Marx, seien 15 Zeitarbeitnehmer von Kunden in feste Angestelltenverhältnisse übernommen worden. Für die Zeitarbeitsfirmen werde es immer schwieriger, an Fachpersonal zu kommen. "Aber unsere Branche wird weiter wachsen. Die Politik fordert das ja auch. Die Unternehmen brauchen uns, um ihre Auftragsspitzen abdecken zu können."
Die Unternehmen würden die Zeitarbeitsfirmen mehr und mehr zur Personalsuche nutzen, sagt Susanne Wollscheid, Dis triktleiterin des Personaldienstleisters Randstad, dessen Niederlassung in Wittlich 200 Menschen beschäftigt. "Das Image der Branche hat sich zunehmend verbessert", sagt Wollscheid. Denn die Zeitarbeit sei ein gutes Sprungbrett in eine Fest anstellung.
Ab 8,50 Euro pro Stunde


"In der Zeitarbeit haben wir schon seit Jahren eine tariflich ausgehandelte Lohnuntergrenze", so Wollscheid. Derzeit sind das 8,50 Euro. "Deshalb brauchen wir den Mindestlohn nicht zu fürchten. Die meisten Zeitarbeitsfirmen zahlen nach diesem Tarif."
In der höchsten Entgeltgruppe für Facharbeiter betrage der Stundenlohn 18,89 Euro, sagt die Randstad-Managerin. "Zu diesem Bruttolohn kommen in den meisten Fällen noch weitere Zuschläge", sagt Wollscheid. Die meisten Zeitarbeitnehmer seien jedoch in den Entgeldstufen eins bis vier beschäftigt und bezögen einen Stundenlohn zwischen 8,50 und 11,22 Euro brutto.Extra

In der Region Trier sind aktuell 162 000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, davon 1900 in der Zeitarbeit. Das entspricht einem Anteil der Zeitarbeitnehmer von 1,2 Prozent an allen Beschäftigten. In den letzten drei Jahren hat sich der Anteil der Zeitarbeitnehmer in der Region Trier auf einem eher gleichbleibenden Niveau gehalten. Von 1,1 Prozent im Jahr 2009 ist die Quote bis heute um 0,1 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Bundes- oder Landesdurchschnitt sind in der Region Trier weniger Menschen in der Zeitarbeit beschäftigt. Denn bundesweit üben insgesamt 2,4 Prozent aller Arbeitnehmer eine Zeitarbeit aus, in Rheinland-Pfalz sind es 2,2 Prozent. Auch Arbeitslose haben Chancen, bei Zeitarbeitsfirmen unterzukommen: Laut Arbeitsagentur gab es bei diesen Unternehmen in der Region zuletzt 810 Jobangebote (der TV berichtete vergangene Woche). cmo