Vom Industriellen zum Dienstleister

Vom Industriellen zum Dienstleister

TRIER. Abgang nach 15 Jahren: Mit der Übergabe des IHK-Präsidentenamts von Wolfgang Natus an Peter Adrian tritt einer der wenigen Vertreter der Industrie in der Region Trier von einem der wichtigsten Wirtschaftsposten in der Region ab.

Er sei klar an seiner Aufgabe gewachsen, eine prägende Tätigkeit fürs ganze Leben, sagt Wolfgang Natus: "Auch wenn man ins kalte Becken geworfen wird, so war es für mich immer wichtig, meine Aufgabe gut zu machen." Nun, nach gut 15 Jahren ist Schluss. Natus gibt das Amt des Präsidenten der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier an einen der fünf Vize-Präsidenten ab, tritt als einfaches Mitglied in die Vollversammlung zurück und wird zweiter Ehrenpräsident der IHK: Peter Adrian heißt der neue Mann an der Spitze des Präsidiums. Die Vollversammlung hat ihn gestern abend zu Natus' Nachfolger gewählt. "Sprachrohr der regionalen Wirtschaft"

Repräsentiert Wolfgang Natus, Geschäftsführer eines international agierenden Unternehmens für elektrotechnische Spezialanlagen, den klassischen Industriellen, so steht der 49-jährige Adrian für den im Aufschwung befindlichen Dienstleistungssektor als geschäftsführender Gesellschafter der Trierer Triwo Wohnungs- und Gewerbebau GmbH. Deutet sich da auch inhaltlich ein Richtungswechsel an? "Im Präsidium sind alle Bereiche - Handel, Industrie und Dienstleistung - vertreten. Es wird daher keinen Richtungswechsel geben", sagt Peter Adrian. IHK-Hauptgeschäftsführer Arne Rössel sieht durchaus die Möglichkeit, sich als Kammer mit einem Präsidenten aus dem Dienstleistungsbereich "anders zu positionieren", sagt er. Schon Wolfgang Natus hatte die Arbeit der Wirtschaftskammer auf neue Beine gestellt, die "Behörde" IHK zum Dienstleister für die 27 000 Mitgliedsunternehmen gemacht; in den 15 Jahren hat der Hauptgeschäftsführer zwei Mal gewechselt, von Ulf-Peter Krause auf Wolfgang Schneider und 2001 auf nun Arne Rössel; die IHK Trier feierte als eine der kleinsten von 82 Industrie- und Handeslkammern in Deutschland ihr 150. Jahr-Jubiläum und bezog ein neues Gebäude. "Ein finanziell gewagtes Projekt", sagt Natus aus heutiger Sicht. Auch für die weitere Entwicklung der Kammern hatte er diskussionswürdige Vorstellungen: "In den nächsten 15 Jahren wird es eine Reihe von Fusionen geben. Die IHK und die Trierer Handwerkskammer könnten sich zu einer Organisation zusammenschließen", sagte er jüngst in einem TV-Interview. Nachfolger Peter Adrian hat eigene Ziele im neuen Amt: "Ich möchte Sprachrohr der regionalen Wirtschaft sein und die Wünsche der Unternehmen an Politik und Verwaltung herantragen."