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Von der Schule auf die Parkbank

Der künftige DGB-Chef Reiner Hoffmann sprach gestern in Trier. Foto: Rolf Lorig
Der künftige DGB-Chef Reiner Hoffmann sprach gestern in Trier. Foto: Rolf Lorig
Trier. Der künftige Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, sieht im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit die zentrale Herausforderung der Politik und der Gewerkschaften. Hoffmann sprach gestern in Trier. Rolf Lorig

Trier. Christian Z. Schmitz, DGB-Regionsgeschäftsführer Trier, macht aus seiner Freude über den gelungenen Coup keinen Hehl. Es war ihm gelungen, zum traditionellen DGB-Frühjahrsempfang Reiner Hoffmann nach Trier zu holen. Hoffmann wird im Mai Nachfolger des scheidenden DGB-Chefs Michael Sommer. Rund 100 Besucher, darunter Ministerpräsidentin Malu Dreyer, waren zu dem Empfang in die Europäische Rechtsakademie gekommen.
Schmitz gab einen Überblick über die seiner Ansicht nach wichtigsten Gewerkschaftsthemen derzeit: Betriebsrats-, Kommunal- und Europawahlen, der tarifliche Mindestlohn, Armut der öffentlichen Hand: "Der Mensch muss immer der Maßstab unseres Handelns sein und bleiben", sagte der regionale DGB-Chef.
Ministerpräsidentin Malu Dreyer unterstrich die Rolle der Gewerkschaften und rief zur aktiven Mitarbeit und Teilnahme an den anstehenden Betriebsratswahlen auf. Diesen Appell weitete sie auch auf die kommenden Europawahlen aus: "Wir brauchen ein starkes und handlungsfähiges Parlament."
Zuspruch erhielten die Gewerkschaften auch von Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen, der ebenfalls die Armut der Kommunen anprangerte. Jean-Claude Reding von dem unabhängigen luxemburgischen Gewerkschaftsbund OGBL warnte vor einem sichtbaren Trend in den europäischen Nachbarländern hin zur Rechtslastigkeit der Politik. Um dem entgegen zu treten, müsse man weiter intensiv an einem sozialen Europa arbeiten und der Jugendarbeitslosigkeit entgegentreten.
Der künftige DGB-Chef Reiner Hoffmann, der an diesem Morgen aus seiner Heimatstadt Wuppertal angereist war, sieht im Abbau der Arbeitslosigkeit in Europa die wichtigste Herausforderung: "Wenn Arbeitslosigkeit ein Land wäre, dann wäre es mit 19 Millionen Einwohnern das fünftgrößte Land in der EU." Man dürfe nicht zulassen, dass eine ganze Generation von der Schulbank auf die Parkbank gesetzt werde. Wer drohende Unruhen vermeiden wolle, müsse in Arbeitsplätze und die soziale Sicherheit investieren. Sorge bereitet ihm zudem die Entwicklung in der Ukraine. Dort werde durch russische Interventionen das Rad der Geschichte zurückgedreht. Allerdings trage auch der Westen eine Mitschuld, da man die russischen Interessen nicht genügend berücksichtigt habe.Extra

Reiner Hoffmann wurde 1955 in Wuppertal geboren. Im Oktober 2013 ist er in den Geschäftsführenden Bundesvorstand des DGB gewählt worden. Im Mai wird er Nachfolger von DGB-Vorsitzenden Michael Sommer. Hoffmann, der SPD-Mitglied und Aufsichtsrat verschiedener Firmen ist, ist Witwer und hat zwei erwachsene Kinder.