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Vorbild Azubi: Die Handwerkskammer stellt herausragenden Nachwuchs vor

Handwerk : „Da stehe ich drüber“

In Corona-Zeiten ist die Berufsorientierung schwierig: Die Handwerkskammer stellt deshalb Azubis vor, die Vorbild sind. Pia Paulus gehört dazu.

Schon als Kind war Pia Paulus aus Lorscheid (Landkreis Trier-Saarburg) von Maschinen angetan. Wenn ihr Papa am Traktor schraubte, dann war sie dabei, schaute zu und probierte aus. „Ich wusste schon mit vier Jahren, dass ich später mal etwas Handwerkliches machen würde“, sagt die 20-Jährige heute. Auch das Profilbild ihrer Facebook-Seite zeigt, was sie fasziniert: Fünf Motorräder sind darauf zu sehen, auch ihre Yamaha. Bald wird sie den Gesellenbrief zur KFZ-Mechatronikerin in der Tasche haben und eine besondere Auszeichnung wurde ihr jetzt verliehen: Sie ist Lehrling des Monats August 2020. Nach der Realschule hatte die junge Frau ihre Lehre in einem Reparaturbetrieb für Motoren begonnen. „Dort habe ich super viel gelernt, aber nur an Motoren zu arbeiten, war nicht mein Ding, mir haben die Autos gefehlt“, erklärt sie den Lehrstellenwechsel. Im Volkswagen-Zentrum in Trier hat sie weitergemacht und ist glücklich. An diesem Mittwoch hat sie Inspektionen durchgeführt, Räder gewechselt und mit Gesellen gemeinsam einen Motorfehler gesucht. Sie spricht von einer Supertruppe, darunter zwei Frauen, sie und eine Gesellin, und dass alle gut miteinander klarkommen.

Was rät sie Frauen, um in einer Männerdomäne wie der KFZ-Mechatronik klarzukommen? „Man sollte Kante zeigen, nicht zu empfindlich sein, wenn mal ein dummer Spruch fällt, sondern sich mit kabbeln“, sagt Pia Paulus. Und wenn sie als Frau mal an Grenzen stoße, etwa wenn eine Schraube extrem fest zugezogen sei, habe sie keine Scheu, einen Kollegen um Hilfe zu bitten. Andersherum helfe sie gerne, wenn schmalere Finger nützlich seien. „In der Fima sind alle gleichgestellt“, sagt sie. Von der Kundschaft werde sie gut akzeptiert. Selten fragten ältere Herrschaften nach einem Kollegen. Und dann bleibt die Auszubildene gelassen. „Da stehe ich drüber“, sagt sie selbstbewusst. Denn sie wisse ganz genau, „dass Mädels das genauso gut machen wie Jungs.

Vergangene Woche hat sie die blaue Latzhose gegen Jeans und eine bordeauxfarbene Bluse getauscht: Im Volkswagen- Zentrum war ihr die Auszeichnung Lehrling des Monats verliehen worden. Unter anderem waren mit dabei: der Präsident der Handwerkskammer (HWK) Trier Rudi Müller und ihr Ausbilder Jürgen Hamm.

„Ich freue mich total darüber. Das ist eine schöne Anerkennung und Motivation“, sagt Pia Paulus. Vorgeschlagen hatte sie Serviceleiter Ralf Wöhler vom Volkswagen-Zentrum. Weil sie eigenständig einen Betrieb während der Lehrzeit gewechselt hatte, um das ganze Spektrum des Kraftfahrzeugs kennenzulernen, sie sehr motiviert ist, zu lernen, gute Noten hat und sich überdurchschnittlich im Werkstattalltag engagiert. Für die Zukunft wünscht sich die angehende KFZ-Mechatronikerin, dass noch mehr Frauen sich trauen, ein Handwerk zu lernen und sie von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen wird. Der Ausbildungsleiter der HWK, Karl-Heinz Schwall, weiß aus Erfahrung: „Wenn eine Frau sich bewusst für das Handwerk entscheidet, ist sie immer besser und zielorientierter als die männliche Konkurrenz.“ Oder wenn man von klein auf weiß, was man unbedingt machen möchte – so wie Pia Paulus.