Vossloh Laeis stellt Produktion in Trier ein – meiste Mitarbeiter verlieren Job

Kostenpflichtiger Inhalt: Stellenabbau bei Vossloh Laeis in Trier : Vossloh Laeis stellt Produktion in Trier ein – rund 80 Jobs weg

Nun also ist die Katze aus dem Sack: Die Vossloh Laeis AG stellt die Produktion im Trierer Tochterunternehmen ein. 89 Mitarbeiter hat die Vossloh Laeis GmbH in Trier, die meisten verlieren ihren Job.

„Im August hatten wir eigentlich Jubiläum. 100 Jahre Weichenbau in Trier. Doch gefeiert wurde nicht. Da hätte ich mir denken können, dass hier was nicht stimmt“, sagt einer der knapp 90 Weichenbauer der Vossloh Laies GmbH in Trier frustriert. Frustriert? Ärger und Wut sind es eher. Seit Tagen geht bei dem Unternehmen aus Trier Nord die Angst um. „In den letzten Tagen haben die Kollegen keine Arbeit mehr gehabt“, sagt ein anderer Mitarbeiter. Die Namen wollen sie alle nicht nennen. „Wer weiß, was noch kommt?“ Einige hätten die Produktionshalle gefegt, einige einfach nur rumgestanden und sich unterhalten, wenige an einer Maschine noch ein paar Ersatzteile gefertigt. „Richtige Arbeit war nicht mehr da.“

Die ungute Stimmung hat sich in  dieser Woche verbreitet. Der Betriebsrat wurde nach TV-Informationen am vergangenen Freitag von der Geschäftsführung informiert. „Denen hat man einen Maulkorb verabreicht“, meint ein Mitarbeiter. Doch nach der Sitzung, in der die Betriebsräte wohl eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen mussten, hätte der eine oder andere eine Träne im Auge gehabt.

Nun also ist aus der Angst Gewissheit geworden. In einer Belegschaftsversammlung hat die Geschäftsführung den 87 Mitarbeitern die Pläne für Trier vorgestellt. Nach TV-Informationen soll die Produktion in der Trierer Traditionsfirma komplett eingestellt werden. Auch der größte Teil der Verwaltung soll aufgegeben werden. Allenfalls sollen noch Teile des Vertriebs und des technischen Büros erhalten bleiben, das könnte etwa zehn Mitarbeiter betreffen. Für das kleine Team wird wohl ein neuer Standort gesucht, das Betriebsgelände im Trierer Norden könnte dann eventuell verkauft werden.

Und alles wird wohl sehr schnell gehen. Schon in den kommenden Tagen sollen einige Mitarbeiter freigestellt werden. Offiziell bestätigt ein Pressesprecher der Vossloh AG, dass die Produktion in Trier eingestellt wird. Für einige Mitarbeiter, Vertrieb und technisches Büro würden neue Räume gesucht. Mit dem Betriebsrat werde man sich nun um „sozial­verträgliche Lösungen“ bemühen. Angeblich sollen die Weichen, die bisher in Trier produziert wurden, demnächst in Polen oder Serbien hergestellt werden. Offiziell gibt es dazu kein Statement. Auch könnte das benachbarte Werk in Luxemburg profitieren. Der Konzern betreibt mit Vossloh Cogifer Kihn in Rümelingen im Großherzogtum ein weiteres Werk, das Weichen herstellt.

Die Misere hat indes ein Vorspiel. Im April hatte die Vossloh AG für ihre Gruppe einen Sanierungsplan angekündigt. Von den rund 3800 Mitarbeitern sollten rund fünf Prozent, also 200 Stellen, abgebaut werden.

Am 16. August hatte die AG in einer Ad-hoc-Mitteilung den Verkauf der Locomotives-Sparte  an die CRRC Zhuzhou Locomotive in China bekanntgegeben.

Nun also soll auch die Schließung der Produktion in Trier die Kosten im Konzern senken. Die IG Metall ist enttäuscht, will aber alles tun, um die Mitglieder zu unterstützen. Man werde mit dem Unternehmen Gespräche aufnehmen, um über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan zu verhandeln. Gewerkschaftssekretär Patrick Georg sagte dem TV auf Anfrage: „Wir werden die Leute mit ihren Interessen im Rahmen der gesetzlichen Regeln unterstützen.“ Seitens des Unternehmens hat Georg in den vergangenen Jahren und Monaten aber eine offene Kommunikation und Fairness vermisst. „Es gab keine Versuche, den Betrieb zu retten, keine tariflichen Ansätze und keine Investitionen. Für die Region ist das ein herber Schlag, dass dieses Traditionsunternehmen verschwinden soll.“

Dem TV liegt eine Information vor, die streng vertraulich bei der Versammlung an die Beschäftigten ausgeteilt wurde. Darin heißt es unter anderem: „Die geplante Schließung ist daher eine wirtschaftlich notwendige und unternehmerische Entscheidung, die am 08.10.2019 getroffen wurde.“ Und etwas weiter: „Da Vossloh Laeis  fast keine Aufträge mehr hat, werden wir nach Abstimmung mit dem Betriebsrat  in Kürze einige Mitarbeiter über eine widerrufliche Freistellung informieren.“ Wann das endgültige  Aus für die Produktion in Trier  kommt, hängt von den anstehenden Verhandlungen ab. Der Pressesprecher sagte dem TV: „Das sollte  zügig sein.“ Die Vossloh Laeis GmbH ist nach 100 Jahren aufs Abstellgleis gestellt.

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