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Warten auf die nächste Schrottlieferung

Still und nachdenklich verlassen die meisten der 300 TSW-Mitarbeiter die Betriebsversammlung. TV-Foto: Heribert Waschbüsch
Still und nachdenklich verlassen die meisten der 300 TSW-Mitarbeiter die Betriebsversammlung. TV-Foto: Heribert Waschbüsch
Trier. In einer Betriebsversammlung sind gestern die Mitarbeiter des Trierer Stahlwerks (TSW) über die Lage in dem insolventen Unternehmen informiert worden. Bei allen Sorgen scheint es doch mehr als einen Funken Hoffnung für das Stahlwerk zu geben. Heribert Waschbüsch

Trier. Ziemlich nachdenklich verlassen die meisten der 300 Trie rer Stahlwerker am Mittwochnachmittag die erste Betriebsversammlung ihres Unternehmens, nachdem bekanntwurde, dass das TSW Insolvenz angemeldet hat.
Nur wenige nehmen sich Zeit und geben ein kurzes Statement ab: "Das Weihnachtsgeld scheint gesichert zu sein, wenigsten das", meint ein 50-Jähriger, und ein anderer ist ganz zuversichtlich: "Der kommissarische Geschäftsführer Dr. Merz hat gesagt, dass wir bei der Produktion über dem Soll sind und der Umsatz stimmt."

Ofen bleibt kalt


Doch am Mittwoch bleibt beim Stahlwerk zunächst der Ofen kalt. "Wir warten dringend auf Schrott", sagt der Betriebsratsvorsitzende Rudi Heinz nach der Betriebsversammlung. Während die Geschäftsführung und der vorläufige Insolvenzverwalter keine Stellungnahme zum jetzigen Stand abgeben, wagen Betriebsrat und die IG Metall einen Ausblick. "Wir sind eigentlich sehr zuversichtlich, dass es bei uns hier in Trier weitergeht", sagt der IG Metall-Bevollmächtigte für die Region Trier, Roland Wölfl. "Der vorläufige Insolvenzverwalter ist ein Profi, die Kanzlei ist international aufgestellt und streckt nun ihre Finger nach möglichen Interessenten aus", macht Wölfl der Belegschaft Mut. Einfach sei die Situation nicht, doch Betriebsrat und Gewerkschaft geben sich kämpferisch. Noch ist das Trierer Stahlwerk eng verzahnt mit der Pampus-Gruppe, zu der auch die Westfälische Drahtindustrie (WDI/Hamm) gehört. Ihren Schrott beziehen die Trierer von der Gruppe, den fertigen Stahl verkaufen sie an die WDI.
Nach TV-Informationen gehen rund 90 Prozent der in Trier produzierten Drähte nach Hamm. Nun muss der Insolvenzverwalter zunächst dafür sorgen, dass das Trierer Stahlwerk Schrott bekommt. Sonst können nur die 80 Mitarbeiter im Walzwerk weiterarbeiten.
Doch bei der Versammlung gab es für die Mitarbeiter auch eine gute Nachricht. Durch das sogenannte Insolvenzgeld ist auch das Weihnachtsgeld - ganz oder zumindest teilweise - gesichert. Nachdem am vergangenen Freitag in Dortmund ein Insolvenzantrag für das TSW gestellt wurde, bekommen die Mitarbeiter für November, Dezember und Januar ihren Lohn aus der Insolvenzkasse. "Bis dann muss eine Lösung gefunden sein", sagt I Metall-Chef Roland Wölfl. Der erfahrene Gewerkschafter setzt dabei auf einen Käufer für das Werk. "Die Jungs hier sind auf dem neuesten technischen Stand und ein gut eingespieltes Team. Es lohnt sich, hier einzusteigen", wirbt Wölfl.
Schon kurz vor der Insolvenz gab es nach TV-Informationen mehrere Interessenten für das TSW. Für die Stahlwerker ein Strohhalm, an den sie sich klammern.