Warum sparen weiterhin sexy ist – nur anders als früher

Kostenpflichtiger Inhalt: TV-Bankengipfel : Warum sparen weiterhin sexy ist – nur anders als früher

Die Niedrigzinsphase produziert Gewinner und Verlierer. Wie das die Region Trier trifft und was auf Verbraucher zukommt, hat der TV mit Vorständen von Sparkassen und Volksbanken diskutiert.

Wohin mit dem Ersparten, wenn es keine Zinsen gibt? Wie fürs Alter vorsorgen? Wohin entwickeln sich die Immobilienpreise in der Region? Die Herausforderungen für Privathaushalte sind in den kommenden Jahren groß. Mit ihren Sorgen stehen die Verbraucher allerdings nicht allein. Die langanhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank rüttelt auch am Geschäftsmodell der regionalen Sparkassen und Volksbanken. Beim fünften TV-Bankengipfel gab es von deren Vorständen eine klare Ansage: „Sparen ist immer noch sexy – aber anders!“

Die Auswirkungen der europäischen Geldpolitik sind für Experten offensichtlich, viele Bürger aber scheinen die Folgen nicht zu sehen oder zu ignorieren. „Junge Menschen, die heute mit 18, 20 Jahren in den Beruf einsteigen, kennen keine Zinsen. Die kommen in eine Welt, in der das Sparen bestraft und das Schuldenmachen belohnt wird. Und das wird noch Jahre so bleiben. Das dicke Ende kommt noch. Die Botschaft: Dass Sparen wichtig und notwendig ist, geht vollkommen unter“, findet Ingolf Bermes, Vorstandschef der Sparkasse Bitburg-Prüm.

Mit der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank gehe aber eben auch die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auseinander, warnt Norbert Friedrich, Vorstand der Volksbank Trier. Er fordert: „Wir müssen erreichen, dass die Politiker uns unterstützen. Der Staat muss die negativen Auswirkungen für die kleinen Sparer endlich erkennen.“ Michael Hoeck, Vorstandssprecher der Vereinigten Volksbank Wittlich, sieht andere Länder als Vorbild: „Bei den Angelsachsen beginnt jeder mit dem Einstieg ins Berufsleben direkt damit, einen Sparvertrag abzuschließen. Er spart nicht in Geld, sondern in Vermögenswerte wie in Anteile seines Arbeitgebers oder in einen Warenkorb anderer Unternehmen. Wir müssen den Spargedanken neu beleben.“

Doch auch die regionalen Kreditinstitute stehen selbst mächtig unter Druck. „Die Niedrigzinspolitik der EZB stellt unser Geschäftsmodell infrage. Doch Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind ja nichts anderes als das gebündelte Geschäftsmodell unserer Kunden“, mahnt Edmund Schermann, Vorstandschef der Sparkasse Mittelmosel.

Sein Kollege von der Kreissparkasse Vulkaneifel, Dietmar Pietzen, sieht das ebenso: „Die EZB entwertet mit der Niedrigzinspolitik unseren Rohstoff. Wenn diese Politik so weitergeht, geht das an unsere Grundlagen.“

Seit 2008 hat die EZB nach und nach den Zins heruntergefahren, um die angeschlagenen Volkswirtschaften, vor allem in Südeuropa, zu unterstützen. Niedrige Zinsen erlauben es insbesondere Griechenland, Spanien, Portugal oder auch Italien, leichter ihre hohen Staatsschulden herunterzufahren.

Die Bilanz dieser Politik: Nach Berechnung der DZ Bank haben private Haushalte durch niedrigere Zinsen in den vergangenen zehn Jahren Einbußen bei Einlagen, Rentenpapieren und Versicherungen von 648 Milliarden Euro erlitten im Vergleich zum „Normalzinsniveau“. Dem stehen Zinsersparnisse durch günstigere Kredite von 290 Milliarden Euro gegenüber.

Diesen Punkt führt auch Günther Passek, Vorstandschef der Sparkasse Trier, ins Feld: „Der Staat hat in den vergangenen Jahren fast 350 Millionen Euro durch die Negativzinsen gespart.“

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