Was bringt die Reform auf dem Wohnungsmarkt?

Immobilien : Wer bezahlt den Makler?

Ministerin Barley will mit einer Reform zum Erwerb von Wohneigentum den Immobilienmarkt verändern. Bei Vermietungen gilt das Bestellerprinzip schon seit 2015. Nun sollen auch Käufer von der Maklercourtag befreit werden. Doch es regt sich Kritik.

Die Umverteilung der Kaufnebenkosten steht für Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) mit einem Gesetzentwurf zum Bestellerprinzip auf der Agenda. Geplant ist, dass derjenige, der einen Makler beauftragt, allein die Courtagen von insgesamt bis zu 7,14 Prozent des Kaufpreises zu zahlen hat – bei Immobilien in der Regel der Verkäufer. Bislang wird in den meisten Bundesländern diese Provision hälftig zwischen Käufer und Verkäufer geteilt, so auch in Rheinland-Pfalz.

Kritik regt sich unter anderem angesichts geschätzter Umsatzeinbußen der Vermittler, welche das Bundesjustizministerium selbst einkalkuliert und mit 660 bis 750 Millionen Euro beziffert. So befürchten alle Makler in einer Umfrage des TV, dass deutliche Arbeitsplatz- und Existenzverluste in ihrer Branche drohen.

Aber es gebe weitere Gründe für eine Ablehnung. Zum einen: Bereits die Erfahrung mit dem 2015 im Mietbereich eingeführten Bestellerprinzip sei negativ, betont Hubert Franzen, Inhaber eines Maklerbüros in Bitburg: „Leidtragende sind hilfesuchende Mieter und Vermieter.“ Die meisten Makler nähmen keine Vermittlungsaufträge mehr an. Und auch Thomas Pauly (Immobilien-Haus-Trier) geht von einem deutlichen Rückgang des vermakelten Angebots aus: „Schon da hat die Erfahrung gezeigt, dass es faktisch zulasten der Mietinteressenten ging.“

Franzen weist auf die besonders auf dem Land verbreitete Preisstruktur hin, welche das Bestellerprinzip zum Problem mache: Häuser „unter einer gewissen Preislage“ würden künftig aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr betreut, so seine Prognose: „Davon gibt es im ländlichen Raum mehr als genug. Wer hilft dann der Witwe Anni mit ihrem 70 000-Euro-Bauernhaus in der Südeifel?“ Senioren, die mit dem Kauferlös ihren Altenheimaufenthalt bestreiten müssten, würden nach Ansicht von Jörg Holstein (m-h-Immobilien, Trier, und Vorstandsmitglied für die Region Trier im Immobilienverband Deutschland IVD West) durch die beabsichtigte Reform besonders benachteiligt: „Verkäufer sind nicht automatisch so wohlhabend, dass es ihnen nichts ausmacht, die Courtage allein zu zahlen.“

Die Makler sehen zudem Effekte, die das Gegenteil der Reformabsicht – Senkung von Kosten für Hauskäufer und Erleichterung des Immobilienerwerbs – bewirken. So sind Gregor Gilbers (Gilbers&Baasch, Trier) und Thomas Pauly sicher: „Der Verkäufer würde die Maklerprovision entsprechend ins Angebot einpreisen.“ Gerade in Gegenden mit Nachfrageboom, zu denen auch Trier und die Grenzbereiche zu Luxemburg zählen, könnten sie höhere Preise auch durchsetzen. Damit verbunden seien automatisch höhere Grunderwerbssteuern und Notarkosten. „Das Grundproblem, nämlich dass zu wenig Wohnraum existiert, wird von der Reform überhaupt nicht angegangen“, betont Jörg Holstein.

Gilbers, Thomas Pauly und Sabine Schwiemann (Jupp Immobilien, Hillesheim) bemängeln zudem eine beraterische Schieflage, die absehbar sei: „Käufer könnten vom Makler keine Beratung verlangen und wären dann auf sich allein gestellt.“ Schwiemann ist überzeugt, dass die Folge einer nur einseitigen Beratertätigkeit, die zwangsläufig aus dem Bestellerprinzip resultiere, auch mehr Rechtsstreitigkeiten um Baumängel und Haftungsfragen das Ergebnis wären. „Wir dürften den Käufer gar nicht mehr auf Risiken oder Nachteile hinweisen, denn wir wären ausschließlich in Diensten des Verkäufers.“

Als „ungerechtfertigten Eingriff“ in die Berufs- und Vertragsfreiheit der Immobilienmakler wertet Gregor Gilbers die geplante Gesetzesänderung. Marvin Jeske (Marvin Jeske Immobilien, Frankfurt, Trier, Wittlich) teilt diese Bedenken und meint, die Politik solle sich grundsätzlich nicht zu sehr in die Wirtschaft einmischen. Jedoch findet er: „Dieser Gesetzentwurf wird unserem Geschäft guttun, weil nun alle Makler ihre Dienstleistung aktiv verkaufen müssen.“ Verkäufer würden nun den besten Makler beauftragen. „Das sind in der Regel die, die ihren eigenen Wert, in dem Fall die Provision, mitverkaufen können.“ Auch er sieht darin einen Schub für Immobilienpreise und Kaufnebenkosten. „Verkäufer, die keinen Makler beauftragen, werden in Zukunft die Maklerkosten ebenfalls addieren, um den vermeintlichen Einkaufsvorteil der Käufer mitzunehmen.“

Das Ziel der Entlastung des Käufers werde verfehlt.

Mehr von Volksfreund