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Was die Woche der Ausbildung Jugendlichen und Eltern bringt

Ausbildung : Mehr Ausbildung für die Zukunft

Zum zweiten Mal in Folge könnte in diesem Jahr die duale Ausbildung unter der Pandemie leiden und zum neuen Lehrjahr weniger ausgebildet werden. Die Agentur für Arbeit kämpft mit der Woche der Ausbildung dagegen und bieten Infos für Betriebe und Orientierung für junge Leute.

3092 freie Lehrstellen verzeichnet die Agentur für Arbeit Trier aktuell. Das scheint auf den ersten Blick viel zu sein, doch in der Summe sind dies fast 14 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. „Die Unternehmen in der Region sind aufgrund der Pandemie sehr verunsichert und zurückhaltend bei der Einstellung neuer Auszubildender“, berichtet Heribert Wilhelmi, vorsitzender Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Trier. Viele Betriebe träfen ihre Entscheidung über Lehrlinge nun kurzfristiger, vor allem in vom langem Lockdown gebeutelten Branchen wie Einzelhandel, Gastronomie oder Eventbranche. „Wir spüren eine unsichere Dynamik und dass Betriebe ihre Entscheidung hinausschieben“, ergänzt Agentursprecherin Isabell Juchem. Wo sonst im Herbst bereits Verträge unterschrieben würden, seien diese derzeit noch nicht einmal gemeldet.

Das Nürnberger Institut für Arbeitmarkt- und Berufsforschung (IAB) fand sogar in einer Studie he­raus, dass jeder zehnte ausbildungsfähige Betrieb zum neuen Ausbildungsjahr weniger Lehrstellen anbietet als noch im Vorjahr. Manche bildeten gar nicht mehr aus. Die unsichere Lage in der Krise gaben die meisten als Hauptgrund an. So ist die Zahl der bundesweit angebotenen Ausbildungsplätze 2020 um acht bis zehn Prozent unter dem Vorjahresniveau gewesen. „Wenn sich daran bis Frühjahr nichts ändert, wird es dieses Jahr schwer auf dem Ausbildungsmarkt“, gesteht der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele.

Doch so schnell geben die Verantwortlichen nicht auf. Zur bundesweiten Woche der Ausbildung unter dem Motto „Zukunft braucht Ausbildung“ bis zum 19. März geht die Region Trier mit zahlreichen Online-Veranstaltungen an den Start. Denn die aktuelle Zahl der ausbildungsinteressierten Jugendlichen bleibt mit derzeit 1873 registrierten Bewerberinnen und Bewerbern auf einem stabilen Niveau. „Gerade jetzt ist es umso wichtiger, in die Ausbildung zu investieren. Denn junge Menschen, die heute nicht ausgebildet werden, fehlen morgen als Fachkräfte“, sagt Heribert Wilhelmi. So bestehe die Sorge, dass die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe nachlassen und es gleichzeitig weniger Perspektiven für junge Leute und einen verschärften Fachkräftemangel geben könnte.

Zur Woche der Ausbidung geht es deshalb einerseits um Betriebe, um sie in ihrem Ausbildungsengagement zu unterstützen, und andererseits darum, Jugendliche auf den Weg in die betriebliche Ausbildung zu bringen. Gemeinsam mit den Wirtschaftskammern, der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer, gibt es eine Vielzahl von Online-Veranstaltungen für Schülerinnen und Schüler, Schulabgänger und Eltern (siehe Info).

„Wir merken, dass die Jugendlichen sehr verunsichert darüber sind , welche Berufsaussichten sie haben. Wir wollen sie einfangen und ihnen zeigen, dass es Chancen gibt“, sagt Isabell Juchem. Denn eine automatische Berufsorientierung über die Schulen liegt seit Monaten brach, die Hürden zur Online-Beratung sind hoch: „Wir wollen die Angst nehmen und zeigen, dass die Lage keinesfalls aussichtslos ist.“ Und Agenturchef Wilhelmi ergänzt: „Wir können mit unserer Berufsberatung coronabedingt zwar nicht immer vor Ort sein. Die Jugendlichen und deren Eltern können sich aber sicher sein, dass wir digital, telefonisch und in persönlichen Einzelgesprächen immer zur Verfügung stehen und auch in diesen unsicheren Zeiten Berufsperspektiven schaffen“, ermutigt er zur Teilnahme in der Woche der Ausbildung. Das Programm reicht von einem Online-Workshop zum richtigen Bewerben über einen Chat für Studienzweifler bis hin zu einer Telefonaktion mit dem Trierischen Volksfreund für Eltern, die erfahren möchten, wie sie ihr Kind bei der Berufswahl unterstützen können.

Auf der anderen Seite intensiviert die Agentur für Arbeit ihr Engegament, bei den Betrieben um Lehrstellen und Praktikumsplätze zu werben. „Insbesondere Unternehmen benötigen in diesem Jahr besondere Unterstützungs- und Beratungsangebote, damit deren Investitionen in Nachwuchskräfte nicht nachlassen,“ sagt Wilhelmi. In der Woche der Ausbildung geht der Arbeitgeber-Service in einer groß angelegten Aktion gezielt auf Ausbildungsbetriebe der Region zu. „Darüber hinaus findet in der täglichen Arbeit mit unseren regionalen Ausbildungsbetrieben immer wieder die Beratung zu Förderprogrammen wie der Assistierten Ausbildung oder der Einstiegsqualifizierung bis hin zu neuen Förderungen wie der Ausbildungsprämie statt.“

Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Trier, Telefon 0651/2055555