1. Region
  2. Wirtschaft

Was Winzer und Wirte eint

Was Winzer und Wirte eint

Gastronome und Winzer zusammenbringen - dieses Ziel verfolgt der Wettbewerb "Der Beste Schoppen" seit nunmehr 15 Jahren für die Betriebe an der Mosel. Nun ist der Startschuss für die neue Runde gegeben. Grund für eine Zwischenbilanz.

Meerfeld. Für Frank Weiler und seinen Betrieb ist das Ziel in Sachen Weinwerbung für die Mosel bereits erreicht: "Wenn mich ein Biertrinker fragt, welchen Wein ich zum Essen empfehle, kann man wohl nicht mehr von erfolgreichem Marketing erwarten", sagt der Hotelbetriebswirt und gelernte Koch aus dem Vulkaneifelort Meerfeld (Kreis Bernkastel-Wittlich).
Mit seinem NaturPurHotel Maarblick versteht er sich als regionaler Hotelbetrieb im wahrsten Sinne des Wortes, der dieses auch lebt: Ob Eifeler Spezialitätenmenü oder Demeter- und Vollkornmehle für die hauseigene Pralinenherstellung - biologische Produkte und Produkte aus der Region gehören zum Markenzeichen des Betriebes. Und dazu gehört für das rund 30-köpfige Team auch der Wein von der Mosel.
Damit Weilers Angestellte auch wissen, was sie den überwiegend aus Nordrhein-Westfalen stammenden Gästen empfehlen und von den etwa 30 offenen Weinen im Ausschank anbieten, werden alle Servicekräfte geschult. "Wer den Winzerbetrieb kennt, dessen Weine er ausschenkt, weiß, wovon er redet. Man kennt die Zusammenhänge und hat Verständnis füreinander", gibt sich Weiler überzeugt.
Dazu hat auch die Dauerauszeichnung des Hotels als Haus "Der Besten Schoppen" seit der Gründung des Moselweinwettbewerbs 1999 beigetragen. Für den Eifeler bedeuten solche Initiativen ein lohnendes Geschäft für Gastronomie und regionale Weinwirtschaft gleichermaßen, wie seine Zahlen belegen. "Wir machen allein mit einem unserer Winzer einen Jahresumsatz von mehr als 10 000 Euro", berichtet Weiler zufrieden. Und je nach Wein und Jahr hätten sich die Umsätze im Schoppenbereich um bis zu 30 Prozent erhöht.
Wertschöpfung für die Region


"Solche Beispiele zeigen die Erfolgsgeschichte des Wettbewerbs ,Der Beste Schoppen\'", sagt Ansgar Schmitz, Geschäftsführer der Moselweinwerbung.
Als Orientierungshilfe für weniger weinkundige Restaurantbesucher erschaffen, sei das Projekt aus der Gastronomie nicht mehr wegzudenken. "Für den Gast bietet die Auszeichnung Sicherheit, für den Winzer und Gastronomen Wertschöpfung, die in der Region bleibt, sowie Image, von dem beide auch in Zukunft profitieren", sagt Schmitz.
Dabei waren die Anfänge durchaus beschwerlich: Nahmen zu Anfang gut drei Dutzend Gastronomiebetriebe am "Besten Schoppen" mit 138 Weinen teil, sind es inzwischen gut fünf Mal so viele. So haben sich in 15 Jahren mehr als 4000 Prüfer insgesamt durch mehr als 12 000 Weine probiert (siehe Extra). "Man kann den Wettbewerb auch als Keimzelle aller Regionalinitiativen verstehen", sagt Albrecht Ehses, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier. Immerhin haben sich mehr als 2500 Teilnehmer bislang in Sachen Wein schulen lassen, und im Rahmen der Dachmarke Mosel gilt "Der Beste Schoppen" als Bonus für das Zertifikat als Qualitätsbetrieb.
Motivation für mehr Qualität


"Die Latte für die Siegerweine ist sehr hoch gelegt", sagt Helmut Scheuering vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Und die Motivation der Winzer, an der Qualität der Weine zu arbeiten, sei gewachsen. Die Statistik belegt auch, dass im Anfangsjahr 1999 nur etwas mehr als die Hälfte der eingereichten Weine überhaupt ausgezeichnet wurde, inzwischen sind es fast 94 Prozent.
Einer, der als Erzeuger vom "Besten Schoppen" profitiert hat, ist Patrick Philipps vom Weingut Philipps-Eckstein in Graach-Schäferei (Kreis Bernkastel-Wittlich). Als Quereinsteiger und Bürokaufmann hat er den elterlichen Nebenerwerbsbetrieb seit 1998 zu seinem Lebenswerk entwickelt. Beim Wettbewerb sind ihm mit 2000 und 2003 zwei Siegerweine gelungen. Danach ging es steil bergauf: 2007 war er "Winzer des Jahres", er erhielt den Bundesehrenpreis in Gold und ist mehrfacher Staatsehrenpreisträger. Die Fachpresse bezeichnet sein Weingut als eines der besten in Deutschland.
"Gerade in den Anfangsjahren hat sich der Bekanntheitsgrad durch den "Besten Schoppen" erhöht", sagt er rückblickend. Seine Weine seien stärker nachgefragt worden, so dass der ein oder andere ausverkauft gewesen sei. Auch wenn Patrick Philipps nur rund zehn Prozent seines Umsatzes von rund 50 000 Flaschen in der Gastronomie erwirtschaftet und mit seiner eigenen Winzerwirtschaft keine eigenen Weine beim "Besten Schoppen" einreichen kann, so bewertet er den Wettbewerb dennoch positiv: "Das fördert den Verkauf enorm."
Extra

Inhalt: Alle Gastronomiebetriebe in ganz Deutschland, die Weine von Mosel, Saar und Ruwer im offenen Ausschank führen, können sich beteiligen. Restaurants mit angedocktem Winzerbetrieb können jedoch keinen eigenen Wein anstellen. Allerdings können auch Gastwirte aus Bremen und Bayern um Auszeichnungen für ihre moselanischen Schoppenweine wetteifern. Moselweine aus Luxemburg und Frankreich können sich seit 2012 um den Sonderpreis "Terroir Moselle" bewerben. Betriebe, die seit mindestens drei Jahren im Wettbewerb eine gleiche Qualität ihrer Weine gehalten haben, dürfen das Siegel "Haus der Besten Schoppen" tragen. Zahlen: Im vergangenen Jahr reichten 231 Gastronome und Hoteliers 1276 Weine von 278 Erzeugern von Mosel, Saar und Ruwer ein. Insgesamt wurden seit Beginn des Wettbewerbs 1999 genau 12 833 Weine in verdeckten Prüfungen bewertet. Weine: Die eingereichten Weine sind Qualitätsweine und gelten als Basisweine, die den Restaurantgästen eine Orientierungshilfe geben sollen. Sie werden in acht - zu Beginn fünf - Kategorien bewertet und ausgezeichnet: Elbling, Rivaner, Weiße Burgundersorten, Riesling trocken, Riesling halbtrocken/feinherb, Riesling lieblich, Rotwein trocken, Rosé/Weißherbst/Blanc de noirs. Alle positiv bewerteten Weine (mehr als 50 Prozent Ja-Stimmen) erhalten das Siegel "Ausgezeichnet - Der Beste Schoppen", der Gewinner "Siegerwein - Der Beste Schoppen". Träger: Die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, die Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier, die Weinwerbung (Moselwein e.V.), der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) und das Dienstleistungszentrum ländlicher Raum (DLR) organisieren den Wettbewerb. Teilnahme: Anmeldeschluss ist der 10. Mai. Im Juni beginnen die Prüfungen, das Finale ist im Juli. sas