Wege aus der doppelten Zwickmühle

Wege aus der doppelten Zwickmühle

Die Bauwirtschaft sucht dringend Nachwuchs in den Führungspositionen. Das landesweit einmalige duale Studium Bauingenieur an der Hochschule Trier will auf lange Sicht die Lücke füllen. Ein Schulterschluss zwischen allen Beteilgten macht\'s möglich.

Trier. Wenn Hilmar Klein von seiner Branche spricht, dann mit viel Herzblut und den Blick auch über seinen eigenen Betrieb hinaus gerichtet. Denn der Bauunternehmer aus Jünkerath (Vulkaneifelkreis) weiß, was ihm und seinen Kollegen fehlt: qualifizierter Nachwuchs, vor allem Bauleiter. "Wir sind in einer doppelten Zwickmühle: Einerseits leiden wir unter der Anpassung der Schulstruktur an den Bundestrend, so dass uns die Hauptschule durch ihren Wegfall als verlässlicher Zubringer von Azubis fehlt. Auf der anderen Seite gibt es in der Baubranche einen explosionsartigen Anstieg der Anforderungen", sagt der Chef von 65 Mitarbeitern und Spezialist für Brückenarbeiten, Kläranlagen und Schulgebäude.
In den Bau-Innungen, den Kreishandwerkerschaften, der Handwerkskammer (HWK) sowie der Industrie- und Handelskammer (IHK), der Berufsbildenden Schule (BBS) Saarburg und der Hochschule Trier haben Klein und die anderen Bauunternehmer begeisterte Mitstreiter gefunden, "Theorie und Praxis optimal miteinander zu verknüpfen" (Manfred Bitter, HWK-Hauptgeschäftsführer). Denn von Juni an bieten erstmals neun Betriebe aus der Region ein duales Studium Bauingenieur an. Im Wechsel von betrieblicher Praxis und einem Praxissemester sowie theoretischen Schul- und Studieneinheiten sollen junge Leute in knapp fünf Jahren fit für Führungspositionen in der Bauwirtschaft gemacht werden.
Was in Branchen wie der Informatik oder der Sanitär-Heizungs- und Klimatechnik etabliert ist, ist im Bau rheinland-pfalzweit einmalig. "Wir hoffen auf eine geringe Einarbeitszeit und eine hohe Bindung an die Betriebe", sagt Hilmar Klein. Das ist den Betrieben auch einiges wert, immerhin zahlen sie monatlich 900 Euro Vergütung, 45 Monate lang (siehe Extra).
"Die bisherigen Modelle haben sich seit Jahren bewährt", bilanziert Professor Burkard Fromm, Dekan der Fachrichtung Bauingenieurwesen und Gebäude-, Versorgungs- und Energietechnik der Hochschule Trier. "Auch wenn ein duales Studium erst mal eine Mehrbelastung bedeutet, weil man Beruf, Lernen und Studium unter einen Hut bringen muss, so ist es doch ein Sprung in die Praxis auf zwei Wegen, der motiviert", sagt er. "Der Königsweg, Ausbildung und Studium miteinander zu verknüpfen", ist IHK-Geschäftsführer Marcus Kleefisch überzeugt.
Junge Leute und Betriebe können sich bei der HWK (Telefon 0651/207-0) und der IHK (Telefon 0651/9777-0) informieren.
Extra

Das duale Studium Bauingenieur umfasst eine rund 16 monatige "Vorlauf-Lehrzeit" im Betrieb. Darin enthalten sind ein Berufsschulunterricht an der Berufsbildenden Schule Saarburg sowie weitere Blockphasen im Berufsbildungszentrum der HWK in Kenn. Danach gibt es weitere Praxisphasen im Wechsel mit dem Studium an der Hochschule Trier. Die praktische Gesellenprüfung ist nach dem fünften Semester vorgesehen, die Bachelorprüfung nach dem siebten Semester. Für die ersten 45 Monate des knapp fünf Jahre dauernden Studiums zahlt der Ausbildungsbetrieb eine Vergütung von monatlich 900 Euro. Danach können individuelle Verträge die Weiterbeschäftigung im Betrieb sichern. sas