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Weich geknetet und verkauft

Weich geknetet und verkauft

LUXEMBURG. Neun Tage lang präsentierten sich Betriebe aus allen Bereichen und mehreren Nationen auf der Herbstmesse in Luxemburg. Über 55 000 Besucher haben die Ausstellung besucht.

"Eigentlich sind wir auf der Suche nach einem Fernsehsessel", sagt der Mann, bevor er in einem gepolsterten Ledersessel von der Größe eines koreanischen Kleinwagens zu verschwinden scheint. Es ist kein gewöhnliches Möbelstück, sondern ein Massagesessel, Modell "De Luxe", mit einem Display und zahlreichen Knöpfen, auf denen ein Kundenberater der Firma Luxemburg Luxury Design eifrig rumdrückt und dem gekneteten Mann dabei die Raffinessen dieses Polsterbergs erklärt. Im Sessel nebenan vibriert die Partnerin. "Das müssen Sie auch mal ausprobieren", sagt sie mit zittriger Stimme zu einem Besucher, der sich das Ganze staunend anschaut. Lächelnd winkt er ab und geht weiter.Unterschiedliche Interessen

"Wir haben bis zu drei Monaten Lieferzeit, weil die Nachfrage derzeit so hoch ist", sagt Günter Krings von der Viessmann-Niederlassung im luxemburgischen Steinsel. Mit Massagesesseln hat er nichts am Hut, ebenso wenig wie sein Kollege Jerome Picatti. Stattdessen stehen beide zwischen großzügig auf dem Stand verteilten Gasbrennern, nach denen vor allem die luxemburgischen Kunden fragen würden. "Gas ist bei uns - anders als im restlichen Europa - immer noch zehn bis 20 Prozent billiger als Öl", sagt Krings. Doch wenn es generell um das Thema Energiesparen gehe, gebe es zwischen deutschen und luxemburgischen Besuchern kaum Unterschiede. "Dafür interessiert sich jeder", sagt auch Vinzenz Weber, Juniorchef des Sanitärbetriebs Martin Weber aus Grevenmacher. Auch seine Kundschaft ist bunt gemischt, egal ob es um Badsanierung oder alternative Energien geht. Andreas Weber von der Firma "aw Stuck" in Luxemburg erkennt hingegen bei seiner Kundschaft schon unterschiedliche Tendenzen. Während die Luxemburger nach einigen Jahren jetzt auch die selbst reinigenden Fassadenbeschichtungen für sich entdeckt hätten, interessierten sich Deutsche eher für Möglichkeiten der Fassadendämmung. "Reinigen Sie Ihre Textilien wie ein Profi", steht auf einem Schild, vor dem zwei Frauen unermüdlich mit Schweizer Bügeleisen die Wäsche patentiert glätten. Peter Böhm, Inhaber der Firma Inform in Saarburg, kriegt davon nichts mit. Große antike Eichenbalken stehen hinter ihm an der Wand. Zwischen den Balken sind Regalfächer aus Glas, auf denen von unten effektvoll beleuchte Einmachgläser mit Kirschen stehen. "Gut gelaufen", lautet sein Fazit, auch wenn er unter den Messebesuchern viele Deutsche "gehört" habe, seine Kunden jedoch "zu 95 Prozent" aus Luxemburg kämen. Viele Besucher aus dem Ländchen hat ebenfalls Johann Sebastian Müller vom Musikhaus Müller in Daun, der nach zwölf Jahren Pause wieder mit einem Stand auf der Herbstmesse vertreten ist. Ganze Musikvereine deckten sich bei ihm ein. Auch Müller ist zufrieden mit dem "angenehmen Völkchen" aus dem Großherzogtum. "Luxemburger Kunden sind spontaner und lassen eher mal ihre Adresse für einen Termin hier, während die deutschen lieber Prospekte mitnehmen", stellt Werner Klee von der Glischke Bedachungs-GmbH aus Trier fest. Doch unabhängig davon sei die Messe für seine Firma weitestgehend gut verlaufen. Und auch Markus Ries von der Firma Reifen Becker in Bitburg und Echternach kann nicht klagen: "Für uns ist der Herbst als Umrüstphase für Winterreifen natürlich eine gute Gelegenheit, uns zu präsentieren" - eine Gelegenheit, die auch am gestrigen Sonntag, dem letzten Tag der Herbstmesse, viele Menschen nutzten. Nach Auskunft der Messegesellschaft Luxexpo haben über 55 000 die Ausstellung auf dem Kirchberg besucht.