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Weil es sich nicht mehr lohnt

Weil es sich nicht mehr lohnt

Anständig verzinst, kein bisschen riskant und absolut transparent: Sparbücher waren über Jahrzehnte hinweg das Lieblingskind sicherheitsbewusster deutscher Anleger. Das sollte sich nun grundlegend ändern.

Trier. "Spare in der Zeit, so hast du in der Not!", rät ein altes Sprichwort, und die Bundesbürger halten sich daran. Der gerade veröffentlichte "Allianz Global Wealth Report", eine Untersuchung zur Vermögens- und Schuldenlage der privaten Haushalte in über 50 Ländern, bestätigt es: In Deutschland kletterte das Netto-Geldvermögen pro Kopf 2012 im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent auf 41 950 Euro. Gleichzeitig gehört Deutschland zu den europäischen Ländern, die unter der dauerhaften Niedrigzinspolitik der Notenbank am meisten leiden. Der Grund: Die Bundesbürger verlieren mehr Guthabenzinsen, als sie an Kreditzinsen einsparen: 2012 lag das Minus bei 5,8 Milliarden Euro - das sind 71 Euro pro Kopf. Hier räche sich die "Affinität der deutschen Sparer zu Sichteinlagen", heißt es in der Allianz-Studie. Die Vorliebe für Sparbücher und Tagesgeldkonten also. Ein Blick in die Statistik der Bundesbank zeigt, dass Privatanleger in Deutschland Ende vergangenen Jahres 628,2 Milliarden Euro in Bankeinlagen geparkt hatten. Und das, obwohl es für das Sparbuch schon seit Jahren nur noch klägliche Zinsen gibt. Laut Stiftung Warentest sind in wenigen Einzelfällen noch 1,25 Prozent drin. Im Durchschnitt sind es 0,3, im schlechtesten Fall 0,1 Prozent. Wer sich vor Augen führt, dass die Verbraucherpreise dem Statistischen Bundesamt zufolge im August 2013 gegenüber dem Vorjahr um 1,5 Prozent gestiegen sind, kann nur zu einem Schluss kommen: Weg mit dem Sparbuch! Wer sein Sparbuch auflösen möchte, muss drei Monate, bevor er über das ersparte Kapital verfügen will, schriftlich kündigen. Danach überweist die Bank, bei der das Sparbuch geführt wird, das Guthaben auf das Girokonto des Kunden. Führt der Kunde sein Girokonto bei einer anderen Bank, so kann er sich das Guthaben bar auszahlen lassen. Falls ein Noch-Sparbuch-Besitzer schnell an sein Guthaben will, ohne draufzuzahlen, so kann er schrittweise vorgehen: Jede Bank legt eine bestimmte Summe fest, die Kunden monatlich abheben dürfen, ohne dass dafür Vorschusszinsen anfallen. Bei den Sparkassen liegt der Betrag bei 2000 Euro. 6000 Euro können also auf jeden Fall vor Ablauf der Kündigungsfrist schon einmal in einer Anlageform arbeiten, die mehr Rendite verspricht. Übrigens: Jedes Sparbuch, das auf D-Mark lautet, muss auf Wunsch des Inhabers in Euro umgeschrieben und aufgelöst werden. Weder auflösen noch weiter besparen lassen sich lediglich Sparbücher, die in Reichsmark oder DDR-Währung ausgewiesen sind. Extra

Können die Zinsen noch weiter sinken? Der Leitzins der Europäischen Zentralbank liegt derzeit bei 0,5 Prozent. Viel weiter kann er nicht sinken, einen negativen Leitzins gibt es nicht. De facto sind die Zinsen für Spareinlagen aber jetzt schon negativ, da die Inflation die Erträge auffrisst. Obwohl Banken für Spareinlagen extrem geringe Zinsen bieten, sind diese für die Institute hoch. Das dauerhaft niedrige Zinsniveau belastet die Ergebnisse der Institute. Daher gehen manche Experten davon aus, dass die Zinsen für Sparer noch weiter sinken. Und wenn die Zinsen wieder steigen? Wann die Notenbanken die Leitzinsen wieder heben, kann niemand zuverlässig sagen. Manche Finanzexperten sind der Ansicht, es könne noch drei Jahre dauern. Steigt der Leitzins, klettern auch die Zinsen auf Sparbücher wieder. Dennoch werden sie im Vergleich zu anderen Geldanlagen gering bleiben. Kein Grund also, das Sparbuch zu behalten. Was sind die Alternativen zum Sparbuch? Tagesgeldkonten und Geldmarktfonds sind gute Varianten. Geldmarktfonds investieren in kurzfristige Anlageformen, so in Bankeinlagen und variabel verzinsliche Wertpapiere oder in festverzinsliche Wertpapiere mit einer Restlaufzeit von höchstens zwölf Monaten. Allerdings versprechen sie mit einem Zins von etwa 0,5 Prozent derzeit weniger Ertrag als Tagesgeldkonten. Hier sind zum Teil 1,5 Prozent drin. Wie lassen sich die Kosten drücken? Beim Erwerb von Anteilen an Geldmarktfonds fallen wie bei allen anderen Fonds Ausgabeaufschläge an, hinzu kommen Managementgebühren. Diese Kosten können Anleger vermeiden, wenn sie ihre Fondsanteile über Direktbanken beziehen. Tagesgeldkonten bei Banken und Sparkassen sind meist gebührenfrei. anm