Wein, Wein und nochmals Wein

Wein, Wein und nochmals Wein

Lieber gemeinsam statt gegenein ander: An der Mosel wollen Touristiker und Betriebe ihr Profil schärfen und voneinander profitieren. Orientierung bieten die Ergebnisse einer neuen Tourismusstudie und Erfahrungen der Eifel mit ihrer Dachmarke.

Trier. Hausgemachte Marmelade zum Frühstücksbüfett, ein Glas Moselwein für ankommende Zeltgäste auf dem Campingplatz, individuelle Gästezimmer mit Namen aus dem Weinbau - Ideen, seinen Betrieb außergewöhnlich zu gestalten, gibt es bereits viele. "Die meisten Betriebe wissen gar nicht, was sie einzigartig macht", sagt Sabine Winkhaus-Robert, Geschäftsführerin der Mosellandtouristik in Bernkastel-Kues, anlässlich des siebten Moselkongresses unter dem Motto "Miteinander weiterkommen". Ein Punkt, an dem sie künftig verstärkt ansetzen will. Denn erst 87 von insgesamt rund 800 Gastgebern an der 243 Kilometer langen Mosel haben sich prüfen lassen, sich dem Urteil einer Jury ausgesetzt - und ein Qualitätslabel, das goldene "M", bekommen (Foto). "Wir wollen noch weitere Betriebe gewinnen", sagt sie. Dabei ist die Moselregion vom Image her bundesweit bereits gut aufgestellt, wie die jüngste Studie der Fachhochschule Westküste in Heide zum Weintourismus in Deutschland feststellt. "Sie haben mit der Mosel bundesweit eine starke Marke", stellt Tourismusprofessor Bernd Eisenstein fest. Diese habe sich im Vergleich mit den Umfragewerten von 2009 sogar verbessert. Gerade bei Weinreisen liege die Moselregion bundesweit vorn.
Allerdings: "Die Mosel sollte ihre Vorteile anderen Regionen gegenüber mehr ausschlachten, weil sie aus ihrem Image heraus noch mehr Gäste anziehen müsste", empfiehlt er. Gerade im Wein - in Verbindung mit gehobener und regionaler Gastronomie sowie mit Natur- und Radreisen - sieht er Potenzial. "Wein ist beim Verbraucher so positiv besetzt, dass sie damit keine Klientel abwürgen", sagt der Experte vor rund 150 Gastgebern, Winzern und Entscheidern aus Politik und Wirtschaft. Heißt: Alles, was in Verbindung mit Wein als Erlebnis und Attraktion angeboten werde, finde Zuspruch beim Kunden. Eisenstein schreibt den Verantwortlichen ins Stammbuch: "Die Konkurrenz macht etwas besser. Prüfen Sie, ob das Marketing und die Themen stimmen, ob die touristische Vermarktung ausreicht und ob genug Geld bereitsteht!"
Gregor Eibes, nicht nur Landrat im Kreis Bernkastel-Wittlich, sondern auch Vorsitzender der Regionalinitiative Mosel, sieht demnach die Mosel zwar "auf dem richtigen Weg. Wenn wir unsere Dachmarke jedoch nicht zu nutzen wissen, sind wir es selber schuld", gesteht er selbstkritisch. Das Wir-Gefühl sei in den Orten der Mosel noch nicht weit genug verbreitet. Was eine Regionalmarke alles bewirkt, weiß Markus Pfeifer, Geschäftsführer der Regionalmarke Eifel: "Sie hat viele Betriebe beflügelt." Das Eifel-"e" ist vier Jahre vor dem Mosel-"M" gegründet worden, war deutschlandweit Pionier. "Wer miteinander kooperiert, kann auch vonein ander profitieren", sagt er. Die Folge: Inzwischen seien sogar in deutschen Supermärkten einige der 200 Eifel-Produkte vertreten, denn auch der Handel habe den Trend zu Bio-Produkten über Regionalmarken entdeckt. Allerdings: "Man braucht Geduld", gesteht Pfeifer. Und: Alle Regionalmarken müssten insgesamt als Wirtschaftsfaktor zulegen, um am Markt zu bestehen. Folglich denkt Pfeifer in größeren Dimensionen und will verstärkt den Blick Richtung Mosel werfen und einzelne Kooperationen mit Winzern verstärken.
So weit ist man an der Mosel noch nicht. Beim Mosel-Kongress haben sich Betriebe erstmals bei Speed-Datings an einen Tisch gesetzt, um Gemeinsamkeiten auszuloten.Extra

Sieben Hotels, Gasthöfe und Restaurants aus der Region dürfen sich von nun an "Mosel Qualitätsbetrieb" nennen: Weinhexe, Trier; Weingut Ernst Clüsserath, Trittenheim; Burgblick Hotel, Bernkastel-Kues; Campingplatz Rißbach, Traben-Trarbach; Weingut Ernst Steffens, Zell-Merl; Hotel Lellmann, Löf; Weingut Spurzem, Koblenz-Güls. Insgesamt gibt es inzwischen 87 zertifizierte Mosel-Gastgeber. Hinzu kommen seit 2008 auch Kultur- und Weinbotschafter der Mosel. 53 Absolventen der ersten Ausbildungsjahrgänge haben ihre Auszeichnung erhalten. Die vollständige Liste gibt es unter www.kultur-und-weinbotschafter.de sasExtra

Die etablierteste Regionalmarke in der Region ist die der Eifel mit ihrem unverwechselbaren gelben Eifel-"e". Vor elf Jahren aus dem Bundeswettbewerb "Regionen aktiv - Land gestaltet Zukunft" entstanden, steht die Gesellschaft nach zehn Jahren öffentlicher Förderung auf eigenen Beinen. Jährlicher Etat: rund 300 000 Euro. 310 Mitgliedsbetriebe aus Tourismus, Lebensmittel und Holzbau aus zehn Landkreisen zwischen Nordrhein-Westfalen, Ostbelgien und Rheinland-Pfalz beteiligen sich. Sie zahlen ihre Beiträge an die Regionalmarke mit Sitz in Prüm, die fungiert mit einem Vier-Mann-Team als Dienstleister für Qualifizierung, Beratung und Marketing. Schwerpunkt sind Fleischwaren von 70 Betrieben, der Eifel-Premium-Schinken war der Pionier unter den 200 Eifel-Produkten. Dazu gehören Honig, Edelbrände, Blockhäuser, Eier und seit 2012 Fisch. Jüngste Regionalmarke ist die Hunsrück- und Hochwald-Initiative "Ebbes von Hei". Im Sommer 2012 hatte die EU Zuschüsse von 100 000 Euro gewährt - zum Aufbau von Netzwerken und Werbekampagnen für Handwerk, Landwirtschaft und Gastronomie. Noch ist unklar, wer mitmacht. Zugesagt haben Morbach, Thalfang, Hermeskeil, Kell am See und Losheim, die Entscheidung der Saarländer aus Wadern und Weiskirchen steht aus. Am Rand der Region wurde mit der Regionalmarke "SooNahe" im Jahr 2008 eine Initiative der Landkreise Bad Kreuznach, Rhein-Hunsrück und Birkenfeld gegründet. Auch sie wirbt mit Qualitätsrichtlinien, die in einem Pflichtenheft Qualität, Herkunft und Erzeugung der Produkte regeln. sas