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Wellness-Kur fürs Eifeler Wasser

GEROLSTEIN. Dem Gerolsteiner Brunnen laufen die Kunden davon: Der führende deutsche Mineralbrunnen hat im vergangenen Jahr 3,6 Prozent weniger Mineralwasser verkauft als 2004, der Umsatz sank um 2,2 Prozent. Eine neue Strategie und neue Produkte sollen gegensteuern. ARRAY(0x17f738818)

"Sonnenvitamin" und "Milder Winter" waren die Versuchsballons. Die Mineralwasser mit Frucht-Komponente sollten herausfinden, was nach dem Geschmack der Verbraucher ist. Immerhin meldet die deutsche Brunnenbranche für 2005 einen steigenden Absatz bei Mineralwasser mit Aroma um ein Drittel. So sind die limitierten Gerolsteiner Getränke laut Unternehmen komplett verkauft worden. Der Anteil am Umsatz der seit 2003 neu eingeführten Produkte wie Apfelschorle, "Naturell" und "Fit" liegt bei zwölf Prozent. Ein Potenzial, das nach Ansicht von Jörg Croseck, Geschäftsführer des Gerolsteiner Brunnens, noch lange nicht erschöpft ist. "Wir wollen weiter wachsen - durch neue Produkte, Verpackungen und im Export", sagt er. Differenzierung sei das einzige Mittel, sich von Wettbewerbern abzugrenzen und Kunden zurückzugewinnen. Denn die sind nur noch schwer zu begeistern. Die Deutschen trinken zwar mehr Mineral- und Heilwasser. Dennoch vermeldet der Mineralbrunnen-Verband einen Preisverfall und ein Absatzminus von drei Prozent 2005. Bei Gerolsteiner war der Verlust an Absatzmenge immerhin 3,6 Prozent groß, beim Umsatz 2,2 Prozent. Damit hat das Eifeler Unternehmen im vergangenen Jahr 6,75 Millionen Hektoliter an Mineralwasser-Produkten verkauft, der Umsatz lag bei 193,6 Millionen Euro. Spezielle Getränke für die Zielgruppe "Frau"

Hauptursache für die schlechten Zahlen: "Die Verbraucher sind zum Discounter gewechselt", sagt Gerolsteiner-Chef Croseck. Und die verzeichneten immerhin einen wachsenden Anteil am Mineralwasser-Absatz von 16 Prozent im Jahr 2001 im Vergleich zu 40 Prozent im vergangenen Jahr. Die höchste Preisgruppe verzeichnet einen Verlust am Markt allein in den vergangenen zwölf Monaten von minus 18 Prozent. Folglich seien das Absatz- und Umsatzminus bei Gerolsteiner zu relativieren, sagt der Brunnen-Chef: "Wir leben in einer Warengruppe mit wachsendem Konsum - allerdings bei gleichzeitigem Wertverlust." Nun geht es um die Verdrängung anderer Wettbewerber, nicht aber um den Einstieg ins Discount-Geschäft. Gerolsteiner will deshalb die Gesetzesänderung zum 1. Mai nutzen, wonach auch für Einweg-Getränke ohne Kohlensäure Pfandpflicht gilt und die Beschränkung der Rücknahmepflicht auf spezielle Verpackungsformen aufgehoben wird. "Die Einweg-Verpackung ist für uns eine Chance. Wir können unsere Produkte überall und in allen Formen und Gebinden verkaufen", sagt Croseck. Immerhin besagt eine Prognose, dass sich der Einweg-Anteil von derzeit 30 auf 60 Prozent im Jahr 2010 verdoppeln soll. Und noch einen Vorteil führt er auf: Innovationen könnten schneller auf den Markt kommen - auch dank der neuen aseptischen Abfüllanlage (Investitionsvolumen: 12,5 Millionen Euro). Die ersten Neuheiten: Zum 1. Mai kommt Gerolsteiner "Naturell" mit den Aromen Apfel, Orange und Zitrone auf den Markt. Zielgruppe: junge Leute, vor allem Frauen. Frauen ansprechen soll die neue Untermarke "Moment" - mit Grüntee und Traube sowie Weißtee und Birne. Als Unterstützung für Sportler gibt es ab 1. Juni ein isotonisches Sportgetränk mit Grapefruitsaft. Gerolsteiner-Chef Croseck ist optimistisch: "Damit wollen wir auf die Wachstumsspur kommen."