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Weltbild-Verlag in Schieflage - Bistum Trier muss zahlen

Weltbild-Verlag in Schieflage - Bistum Trier muss zahlen

Augsburg ist weit. Dass die Insolvenz des Weltbild-Verlags mit Sitz Bayern dennoch nicht spurlos am Bistum Trier vorbeigehen wird, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Im schlimmsten Fall könnten mehr als acht Millionen Euro verloren sein.

Trier/Augsburg. Beim Thema Weltbild-Insolvenz spricht die katholische Kirche mit einer Zunge. Das wird auch bei der TV-Anfrage an André Uzulis, Kommunikationsdirektor des Bistums Trier, deutlich: "Wir werden uns als Bistum nicht einzeln dazu äußern. Das behält sich die Bischofskonferenz vor." Zumindest bestätigt er, dass es keine Verbindungen zum Paulinus-Verlag gebe.Beschäftigte nicht betroffen


Damit wird klar: Von dem Insolvenzantrag in Augsburg sind keine Beschäftigten in der Region Trier betroffen. Denn auf seiner Homepage betont der Weltbildverlag, die Folgen der Zahlungsschwierigkeiten beträfen ausschließlich die 2200 Mitarbeiter des Stammhauses in Augsburg. "Nicht betroffen sind insbesondere alle Weltbild-Filialen sowie die Gesellschaften in Österreich und der Schweiz und bücher.de"

Am Freitag hatte der katholische Weltbild-Verlag einen Insolvenzantrag gestellt. Nach einem deutlichen Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/2014 hatte sich der Finanzierungsbedarf für die Sanierung des angeschlagenen Unternehmens verdoppelt. Bis zu 160 Millionen Euro hätten die Gesellschafter zuschießen müssen. Sie waren nicht dazu bereit. Gesellschafter sind unter anderem zwölf katholische Bistümer, darunter das Bistum Trier.

Der Auszug aus dem Handelsblattregister des Amtsgerichtes Augsburg dokumentiert dessen Beteiligung mit 639 271 Euro am Grundkapital der GmbH von insgesamt 15 Millionen Euro. Das entspricht einem Anteil von 4,26 Prozent. Umgerechnet auf das vom Deutschen Börsenblatt im September 2013 genannte Gesamteigenkapital von 175 Millionen Euro, entspräche die Beteiligung des Bistums Trier am Weltbild-Verlag einem Vermögenswert von etwa 7,5 Millionen Euro. Diese Summe müsste das Bistum bei einer Insolvenz im schlimmsten Fall abschreiben.

Dass es nicht so weit kommen wird, hofft nicht nur der durch die Schlecker-Abwicklung bekannte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, der den Beschäftigten in Augsburg am Montag allerdings keine großen Hoffnung auf den Erhalt der Arbeitsplätze machte.

Die Gewerkschaft Verdi warf der Kirche Verantwortungslosigkeit gegenüber den Mitarbeitern vor, "Kapitalismus in Reinkultur" und Verstoß gegen die katholische Soziallehre. Der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx erklärte derweil im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung, die Kirche sei vom Kapitalbedarf für eine Sanierung überrascht worden. "Wir konnten es als Gesellschafter nicht verantworten, auf absehbare Zeit dreistellige Millionensummen aus Kirchensteuermitteln zu investieren", so der ehemalige Oberhirte des Bistums Trier.
Laut SZ wären Marx und einige weitere Bistümer dem Sanierungsplan einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gefolgt. Die Idee zum Beispiel für ein Stiftungsmodell habe aber nicht die Zustimmung aller Gesellschafter gefunden. Die gemeinsame Erklärung der Bischofskonferenz im Laufe des Insolvenzverfahrens birgt demnach einigen Sprengstoff.Meinung

Kirche und Kapitalismus
Der Insolvenz-Antrag des Weltbild-Verlags wirft kein gutes Licht auf die ökonomische Rolle der katholischen Kirche. Modernisierer und Bewahrer unter den Gesellschaftern konnten sich nicht einigen. Da aber alle Entscheidungen der Verlagsgruppe einmütig verabschiedet werden müssen, fuhr der Zug in den Abgrund. Wären alle Bistümer der Linie des ehemaligen Trierer Bischofs und heutigen Münchener Kardinals Reinhard Marx rechtzeitig gefolgt, hätte die Pleite möglicherweise verhindert werden können. Aber die Bistümer - darunter auch das Bistum Trier - zogen es vor, den Weg des geringeren Risikos zu gehen. Sie nehmen einen Millionenverlust in Kauf, um keine noch größeren Verluste zu riskieren. Denn ob der Weltbildverlag den Kampf mit dem übermächtigen Konkurrenten Amazon überstehen könnte, wäre trotz erheblicher Unterstützung nicht sicher. Kapitalismus kontra Menschenwürde. Zumindest den 2200 unmittelbar betroffenen Menschen in Augsburg wird der Kirchenbesuch in diesen Tagen schwerfallen. r.neubert@volksfreund.deExtra

Die Verlagsgruppe Weltbild mit Sitz in Augsburg gehört zu den größten Medienhandelsunternehmen in Europa. Rund 6800 Mitarbeiter erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2011/2012 rund 1,59 Milliarden Euro Umsatz. Das aus dem katholischen Zeitschriftenverlag Winfried-Werk hervorgegangene Unternehmen ist auf dem Buchmarkt mit rund 400 Filialen im deutschsprachigen Raum, mit Gesellschaften in Österreich und in der Schweiz, einem Onlineshop weltbild.de und im Katalogversandhandel tätig. Weltbild-Gesellschafter sind zwölf katholische deutsche Diözesen, der Verband der Diözesen Deutschlands sowie die katholische Soldatenseelsorge Berlin. Das Bistum Trier hält 4,26 Prozent am Weltbild-Verlag, der Ende vergangener Woche Insolvenz angemeldet hatte. Betroffen davon sind derzeit ausschließlich die 2200 Beschäftigten der GmbH in Augsburg.