1. Region
  2. Wirtschaft

Weniger Flüchtlinge sind arbeitslos

Weniger Flüchtlinge sind arbeitslos

Kammern und Arbeitsagentur ziehen Bilanz: Zwar konnten die Berater vielen jungen Migranten Ausbildungsplätze vermitteln, doch gibt es auch zahlreiche Probleme.

Trier Mit einer Mappe voller Informationen über seinen Traumberuf steht Hassan Batran im Foyer des IHK-Tagungszentrums. Der 20-jährige Kriegsflüchtling aus Syrien möchte Automechaniker werden. Seit knapp zwei Jahren lebt er in Trier, spricht schon recht gut Deutsch und auch eine Arbeit hat er: Er hilft in der Küche eines Trierer Restaurants. Aber das Ziel ist ein anderes. Daher ist er zum "Tag der Chancengarantie" zur IHK gekommen, wo Experten von IHK, HWK, Jobcenter und Ausländerbehörde Flüchtlinge beraten und wo diese sich in Vorträgen auf Arabisch, Englisch oder Farsi über das duale Ausbildungssystem informieren können. Das Ziel: Die jungen Leute sollen einen Beruf lernen können. Um ihnen den Weg zu ebnen, nehmen die Berater nach intensiven Einzelgesprächen Kontakt mit Betrieben auf, die bereit sind, Flüchtlinge einzustellen.
Was an diesem speziellen Tag in geballter Form passiert, ist für die Kammern und die Arbeitsagentur auch tägliche Routine. Sie arbeiten eng zusammen, um Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Seit etwas mehr als einem Jahr beraten die Willkommenslotsen und -Coaches der Kammern Migranten und vermitteln sie an passende Firmen weiter.
Zum einen sei es ein besonderes Anliegen, die Integration voranzutreiben, sagt Daniela Schmitt, Staatssekretärin im Mainzer Wirtschaftsministerium. Zum anderen gebe es im Mittelstand einen sehr spürbaren Fachkräftemangel, dem man auf diesem Weg entgegenwirken möchte.
Am Donnerstag haben die Verantwortlichen eine erste Bilanz ihrer gemeinsamen Arbeit gezogen. Sie berichteten von Erfolgen und von Problemen.
"Positiv ist: Es gibt ein hohes Engagement der Betriebe und eine hohe Motivation bei den Flüchtlingen", sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer. Probleme seien mangelndes Durchhaltevermögen der jungen Auszubildenden und mangelnde Sprachkenntnisse.
2016 hat die IHK 19 jungen Menschen einen Ausbildungsplatz vermittelt. 2017 sind es bereits 67. "Wenn das so weitergeht, werden wir irgendwann erhebliche Zahlen bekommen", sagt Glockauer.
Ähnlich fällt die Bilanz der Handwerkskammer aus, die seit 2015 37 jungen Geflüchteten eine Einstiegsqualifikation ermöglicht hat: Also ein Jahr im Betrieb, das sie auf die eigentliche Ausbildung vorbereitet. Zudem wurden 61 Lehrverhältnisse vermittelt.
"Die Arbeitgeber haben wegen des Fachkräftemangels ein ganz hohes Interesse", sagt HWK-Hauptgeschäftsführer Axel Bettendorf. Doch auch er berichtet von Problemen. An allererster Stelle sind es sprachliche: Um in der Berufsschule so komplexe Fächer wie Elektrotechnik verstehen zu können, seien gute Sprachkenntnisse nötig. Auch schriftliche. Und da hake es bei vielen Arabern, die zunächst die römischen Schriftzeichen lernen müssten. Auch an mathematischen Kenntnissen mangele es oft. Ein weiteres Problem ist die Mobilität. Wie kommt ein Flüchtling, der in einem Morbacher Betrieb arbeitet, nach Trier zur Berufsschule?
Inzwischen seien viele von der Realität eingeholt worden. "2015, da wollte noch fast jeder Flüchtling hier studieren", sagt Bettendorf. Heute sei deutlich, dass dazu oft die Vorbildung fehle.
Trotz aller Probleme zeichnet sich - das zeigt die Statistik der Arbeitsagentur für die Region Trier - insgesamt eine positive Entwicklung ab. So waren im August 2017 nur noch 26,8 Prozent der Menschen aus Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien arbeitslos: 939 der insgesamt 3506 gemeldeten Erwerbsfähigen. Im Vergleichsmonat des Vorjahres waren es noch 35,8 Prozent. 603 Flüchtlinge aus diesen Ländern haben aktuell einen sozialversicherungspflichtigen Job. 243 mehr als im Vorjahr.
Die Übrigen gelten als arbeitssuchend. Sie sind entweder auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle (115 Bewerber), sie nehmen derzeit an vorbereitenden Sprachkursen teil (1320 Flüchtlinge) oder an sonstigen Qualifizierungsmaßnahmen.
Hassan Batran hofft, dass er möglichst bald in einem KFZ-Betrieb anfangen kann. Der Weg dahin könnte allerdings steinig werden. Denn da er seinem kranken Vater in Syrien helfen musste, Geld zu verdienen, hat er keine gute Schulbildung. Und so ist er womöglich einer von vielen, die zunächst darauf vorbereitet werden müssen, eine Ausbildung anzufangen.