Weniger Korn bedeutet mehr Geld

Weniger Korn bedeutet mehr Geld

Nach Ansicht des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau ist die im Vergleich mit 2009 geringere Getreideernte kein Grund für höhere Brot- oder Bierpreise. Die kleinere Erntemenge wird jedoch Grund für höhere Preise bei Korn oder Raps sein.

Kirchberg. Getreideknappheit sieht anders aus. Zwar haben nach Auskunft von Leo Blum, Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, die Wetterkapriolen der vergangenen Wochen Getreide, Mais oder Raps nicht unbedingt genutzt. Trotzdem bezeichnet Blum das bisherige Ergebnis der Ernte 2010 beim zentralen Erntegespräch des Verbands in Kirchberg im Hunsrück als zufriedenstellend.

"Die gestiegenen Preise lassen darauf hoffen, dass die niedrigeren Erträge durch bessere Bezahlung kompensiert werden", sagt Blum. Sein Verband vertritt Landwirte aus der Eifel, dem Hunsrück, dem Westerwald, aus dem Taunus sowie Winzer von Rhein und Mosel.

Blum: Kein Grund für höhere Brotpreise



Nicht nachvollziehen kann Blum, dass aufgrund der Ernte innerhalb der Getränke- und Nahrungsmittelindustrie teilweise über höhere Preise für die Verbraucher gesprochen werde. Zumal die Unternehmen die niedrigeren Preise für das Korn im Vorjahr auch nicht an die Verbraucher weitergegeben hätten. Und, weil laut Blum bei einem Brötchen Getreide im Wert von 0,7 Cent enthalten ist. "Eine Verteuerung des Getreides um 30 Prozent würde den Betrag auf einen Cent erhöhen." Die Chance auf eine gute Ernte verbesserte sich mit jedem Tropfen Regen, der im Juni und Juli fiel. Dabei hatte der Hunsrück etwas mehr Regenglück als die Südeifel, wo es wochenlang nicht regnete (der TV berichtete).

Entsprechend unterschiedlich sind die Erntemengen. Die Ergebnisse liegen zwischen zehn und 35 Prozent unter der Vorjahresmenge. Beim Winterweizen wurden im Raum Wittlich beispielsweise zehn bis 15 Prozent weniger geerntet als im Vorjahr. Im Raum Trier ging die Rapsernte um 20 Prozent im Jahresvergleich zurück.

Dass die Arbeit eines Landwirts nicht allein vom unternehmerischen Geschick abhängt, macht die Situation bei den viehhaltenden Betrieben deutlich. Denn diese vor allem in den Höhenlagen der Mittelgebirge betriebene Form der Landwirtschaft hat 2010 besonders mit dem Wetter zu kämpfen. Aufgrund des langen Winters konnten vielerorts die Wiesen erst Ende Mai geschnitten werden.

Wegen der Trockenheit brachten der zweite und dritte Schnitt dann nicht die gewünschten Mengen. Und im Juli fiel die Mahd stellenweise ganz aus.

Milchpreis könnte auf 30 Cent steigen



Zwar nicht Thema der Erntebilanz, jedoch Dauerthema in der Landwirtschaft ist der Milchpreis. Dort macht Bauernpräsident Leo Blum eine leichte Erholung aus. Er geht davon aus, dass der Preis pro Kilogramm in den kommenden Wochen wieder auf 30 Cent steigen könnte. 2009 lag er teilweise unter 24 Cent. "Das waren Preise, für die auch der beste Bauer nicht produzieren kann", sagt Blum.