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Weniger Moselwein, höhere Preise

Weniger Moselwein, höhere Preise

Was den Top-Weingütern aus der Region zugutekommt, bereitet vor allem den Weinkellereien zunehmend Sorgen: Die Erntemengen beim Wein gehen zurück. Die Preise steigen zwar, doch viele Kunden, vor allem im Ausland, können nicht mehr in ausreichendem Umfang beliefert werden.

Trier. Michael Probst ist mit den Ausfuhrzahlen des vergangenen Jahres zufrieden. Ein gutes Drittel, etwa zwölf Millionen Liter, verkauft der Exportleiter der Winzergenossenschaft Moselland eG aus Bernkastel-Kues in mehr als 20 Länder, inklusive einiger aufgekaufter Mengen über Kooperationen an der Nahe, in Rheinhessen und im Rheingau. 2012 gibt es für die große Genossenschaft mit rund 2300 Mitgliedern entgegen dem Trend ein leichtes Wachstum. Denn insgesamt hat das Weinanbaugebiet Mosel rund fünf Prozent weniger Wein ins Ausland geliefert. Bundesweit gibt es sogar ein Minus von 15 Prozent.
Regalplätze verloren


"Während im Jahr 2011 die kleine Erntemenge von 2010 durchgeschlagen hat, konnten wir im vergangenen Jahr wieder größere Geschäfte machen. Denn 2011 waren die Erntemengen höher", sagt Probst zufrieden. Dass im Schnitt angesichts kleinerer Weinvolumina höhere Preise zu erzielen sind, freut ihn zwar. Dass die Mengen per se gesunken sind, bereitet ihm jedoch Sorgen. "Aufgrund gestiegener Abgabepreise wurden teilweise Regalplätze für Moselwein verloren", sagt der Exportleiter. Der Markt sei global, und wer als Einkäufer im Ausland einmal aufgrund der knappen Verfügbarkeit von Moselwein seine Regalplätze im Supermarkt geräumt habe, belege diese mit Produkten aus anderen Weinregionen.
Verschiebungen bei Ländern


Fatal für die rund 1700 der insgesamt knapp 5000 Winzer von Mosel, Saar und Ruwer, die bei der Moselland-Genossenschaft Mitglied sind. "Unser Ziel ist es, dauerhaft für unsere Mitglieder ein zufriedenstellendes Einkommen zu garantieren", sagt Probst. Weshalb die Genossenschaft etwa auch den rückläufigen Absatzmarkt Großbritannien nicht mehr gesondert bearbeitet. Weitere Verschiebungen gab es hin zu Skandinavien und den Beneluxstaaten. "Das läuft dort sehr erfreulich", sagt er. Auch die USA seien weiterhin ein wichtiger Absatzmarkt (siehe Extra).
Während regionweit gerade die USA bei vielen Weingütern und Kellereien top sind, hat Bernd Weber, Export-Experte der Trie-rer Weinkellerei Fritz Steinlein, seine Abhängigkeit von einem Ausfuhrland reduziert. Der Kommissionär und Belieferer internationaler Importeure mit den Weinen der mosellanischen Spitzenweingüter vom Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter (VDP) Großer Ring und Bernkasteler Ring hält nie mehr als zehn Prozent Anteile in einem Exportland. "Wir hatten schon Zeiten, in denen 60 Prozent des Exports in die USA gingen. Diese Abhängigkeit war sehr gefährlich", sagt er angesichts einer Exportquote von 90 Prozent. Insgesamt wertet er das Ausfuhrjahr 2012 als "gutes Jahr" mit einigen Verschiebungen.
Gingen die Exporte nach Spanien und Italien zurück, so liegen Australien und China im Trend. Aber auch kuriose Absatzmärkte wie etwa der Inselstaat Seychellen kommen schon mal vor. Was die Erntemengen angeht, so wertet er dies angesichts seiner Spezialisierung auf die Top-Weingüter der Region als weniger dramatisch. "Dort ist das Mengenpotenzial in jedem Jahr annähernd gleich", sagt Weber.
Nur Bestandskunden versorgt


Ansgar Schmitz, Geschäftsführer des Moselwein e.V., bestätigt die seit Jahren rückläufige Erntemenge bei Weintrauben an Mosel, Saar und Ruwer. Dies betreffe vor allem die Kellereien mit dem Bereich der "Supermarktweine". Aber auch bei kleineren Weingütern sei feststellbar, dass sie ihre Kunden teils nur bedingt beliefern könnten. "Da werden nur noch Bestandskunden versorgt", sagt Schmitz, verantwortlich für die Vermarktung der regionalen Mitgliedsbetriebe. Unter diesen wiederum gebe es welche, die die geringen Weinmengen sogar unter den Kunden zuteilen müssten. Gerade größere Exportanfragen seien so nicht mehr zu bestätigen. An die Akquise neuer Kunden gar nicht erst zu denken.
Im Trend wird der Preis laut Schmitz für den Moselwein weiter nach oben gehen. Dabei erzielt die Moselregion derzeit für ihre Produkte im bundesweiten Vergleich einen besseren Preis als andere Regionen wie etwa Rheinhessen. Was den Fasswein betrifft, so analysiert der Wein-Experte, bleibe die Erntemenge ausschlaggebend fürs Exportgeschäft. Wie es demnach im aktuellen Jahr 2013 aussehen wird, weiß Schmitz noch nicht. Denn angesichts des anhaltend kalten Wetters zeigten die Reben noch keine Blüten. Ihre Anzahl lasse auch einen Schluss auf die Lesemenge zu.
Extra

Das Weinanbaugebiet Mosel ist beim Wert der ausgeführten Weine die exportstärkste deutsche Weinregion. Rund ein Drittel der gesamten Produktion geht ins Ausland. Dabei erhöhte sich der Durchschnittspreis je Liter Wein von 3,14 Euro im Jahr 2010 auf 3,36 Euro 2012. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr knapp 28 Millionen Liter Moselwein im Gesamtwert von rund 94 Millionen Euro exportiert. Nach Angaben des Verbandes Deutscher Weinexporteure (VDW) liefern die Winzer und Genossenschaften von Mosel, Saar und Ruwer ihre Produkte in mehr als 80 verschiedene Länder. Während die Ausfuhren innerhalb der EU sowohl vom Wert als auch von der Menge her gestiegen sind, verliefen die Exportentwicklungen außerhalb der EU unterschiedlich: Die USA bleiben trotz deutlicher Einbußen (Volumen minus 17,6 Prozent, Wert minus 14,3 Prozent) der wichtigste Absatzmarkt für Weine aus der Region Trier - gut 48 Prozent der Menge und 51 Prozent vom Weinwert her gingen über den Atlantik in die Vereinigten Staaten. Die Nummer zwei im Export sind die Niederlande. Hier stiegen Wert und Volumen der Lieferungen leicht an. Kanada legte kräftig zu (Menge plus elf Prozent, Wert plus zwölf Prozent) und kommt nun auf Rang drei. Es folgt Norwegen, das es vor allem wertmäßig auf teure Mosellagen abgesehen hat (plus zehn Prozent). Weitere wichtige Abnehmerländer sind Japan und Großbritannien. Exotische Ziele für Moselwein sind etwa Vietnam, Malaysia, Australien, Bermuda, Burundi, Kasachstan, Oman und Costa Rica. Preisbrecher nach oben war die ehemalige portugiesische Kolonie Macau: Nicht nur, dass sie 843 Prozent mehr Moselwein als noch 2011 einführte, der Wert von 460 Euro je Liter fiel auch ausgesprochen hoch aus. Offenbar wurden dort vor allem edelsüße Raritäten wie Eiswein geordert. sas