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Weniger Pleiten, mehr Betroffene

Weniger Pleiten, mehr Betroffene

In der Region Trier gab es im ersten Halbjahr 2008 deutlich weniger Privat- und Firmenpleiten als 2007. Allerdings: Von den Unternehmens-Insolvenzen waren mehr Arbeitnehmer betroffen.

Trier. Die gute Wirtschaftsentwicklung im vergangenen Jahr wirkt nach: Auch in der Region Trier ist die Zahl der Firmenpleiten in den ersten sechs Monaten um mehr als fünf Prozent zurückgegangen. Nach einer Analyse der Wirtschaftsauskunftei Creditreform meldeten 81 Firmen Insolvenz an, fünf weniger als im ersten Halbjahr 2007. Der prozentuale Rückgang ist im ehemaligen Regierungsbezirk Trier sogar noch etwas stärker als auf Bundesebene.Ganz anders sieht es bei den durch Firmenpleiten gefährdeten Arbeitsplätzen aus. Obwohl weniger regionale Unternehmen Insolvenz angemeldet haben, war laut Creditrefom ein Drittel mehr Beschäftigte als im Vorjahr von den Pleiten tangiert - 1062 Arbeitnehmer. Grund: Mit der Gebäudereinigung Sommer in Dudeldorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm, 350 Mitarbeiter), den Hochwald Türenwerken in Kell (Kreis Trier-Saarburg, 130) und der Firma "bks label" in Wittlich (110) meldeten allein drei größere Firmen Insolvenz an.Die meisten regionalen Firmenpleiten gab es abermals im Kreis Bernkastel-Wittlich (33), gefolgt vom Kreis Trier-Saarburg (18), der Stadt Trier (17) und dem Eifelkreis Bitburg-Prüm (9). Lediglich vier Unternehmen meldeten im Vulkaneifelkreis Insolvenz an.Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Verbraucher-Insolvenzen. Die Zahl sank in der Region im Vergleich zum Vorjahr um gut sieben Prozent (215 Fälle statt 232). Die meisten Verbraucherpleiten gab es demnach in Trier (84) und im Kreis Bernkastel-Wittlich (48), gefolgt von den Kreisen Trier-Saarburg (38) und Bitburg-Prüm (34). Regionaler Spitzenreiter ist erneut der Vulkaneifelkreis mit "nur" elf Privat-Insolvenzen.Nach Ansicht der Wirtschaftsauskunftei kann aus dem auch bundesweit festgestellten Rückgang allerdings nicht geschlossen werden, dass sich an der Situation der rund sieben Millionen überschuldeten Deutschen etwas verbessert habe. Vielmehr würden Betroffene zu selten über die Möglichkeiten des Insolvenzrechts aufgeklärt, sagte ein Sprecher. Der Trierer Creditreform-Vertriebsleiter Guido Joswig erwartet bei den Privatpleiten dennoch "mittelfristig nochmals Rückgänge". Der Grund: Verbraucher-Insolvenzverfahren, bei denen nichts zu erwarten ist, werden durch Entschuldungsverfahren für Mittellose ersetzt. Nachteil: Beim Entschuldungsverfahren wird die Restschuld nach acht statt sechs Jahren (Verbraucher) erlassen.

Meinung

Das dicke Ende kommt noch

Fünf Prozent weniger regionale Firmenpleiten als im Vorjahr - das ist eigentlich eine gute Nachricht. Die schlechten Nachrichten aber folgen auf dem Fuß: Es sind deutlich mehr Arbeitnehmer von den Pleiten betroffen. Und das dicke Ende kommt erst noch. Denn die Pleiten laufen der ökonomischen Entwicklung immer hinterher. Im vergangenen Jahr brummte der deutsche Wirtschaftsmotor noch, mittlerweile aber fängt er an zu stottern. Ein Grund: die Rekord-Preise auf den Energie- und Rohstoffmärkten. Sie dämpfen die Nachfrage und treiben viele Firmen an den Rand des Ruins. Jüngsten Umfragen zufolge stehen rund 50 000 kleinere und mittlere Firmen in Deutschland vor dem Aus. Eine Hiobsbotschaft. Wahrscheinlich wird schon die nächste Pleite-Statistik wieder negative Vorzeichen haben. Und vermutlich wird man sich die überaus positive regionale Juni-Arbeitslosenstatistik bald einrahmen. r.seydewitz@volksfreund.de