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Wenn Jugendliche forschen wie die Profis

Bitburg. Wie bewältige ich Stress? Wieso stülpt sich mein Regenschirm bei Sturm nach oben und sind Treibhausgase wirklich der Hauptgrund für die Klima-Erwärmung? Diesen und vielen anderen Fragen gehen 97 Schüler und Jugendliche beim Wettbewerb Jugend forscht - Schüler experimentieren beim Regionalentscheid in Bitburg auf den Grund. Stefanie Glandien

Bitburg. Gewonnen hat jeder, der den 49. Regionalwettbewerb Jugend forscht in der Bitburger Stadthalle besuchte. Vielleicht nicht unbedingt den ersten Preis, aber an neuen Erkenntnissen auf jeden Fall. Insgesamt 97 Schüler zeigten dort gestern 54 Arbeiten aus den Bereichen Arbeitswelt, Naturwissenschaften, Mathematik, Informatik und Technik. Und die Stände der Schüler boten eine Fülle an überraschenden und interessanten Ergebnissen. So hat Martin Polotzek vom Max-Planck-Gymnasium in Trier drei Jahre lang seine und andere Erdmännchen beobachtet und herausgefunden, dass es je nach Gruppe und Herkunft unterschiedliche Dialekte gibt. Dafür gab es den ersten Preis im Fachgebiet Biologie.So interessant diese Erkenntnis ist, wirtschaftlich verwertbar ist vielleicht eher die Black-Box von Carsten Schaaf und Christoph Weber, denn deren Auswertung kann bei Autounfällen zu wichtigen Erkenntnissen führen. Mit der "besten ingenieurmäßigen Leistung" landeten die Schüler der Berufsbildenden Schule Landau ganz vorne im Bereich Arbeitswelt. Auch die Bitburger Brauerei, seit 43 Jahren Patenunternehmen des Regionalwettbewerbs, schickte zwei Auszubildende ins Rennen. Diese haben getestet, wie sich die Verwendung von Weinhefe auf den Biercharakter auswirkt. Jan Niewodniczanski, Geschäftsführer Technik der Bitburger Braugruppe, ließ es sich nicht nehmen, sich selbst ein Bild von den jungen Talenten zu machen und zog ein positives Fazit: "Ich bin selbst Ingenieur und kann mich für die wissenschaftliche Arbeit der Jugendlichen begeistern." Gerade in Hinblick auf den demografischen Wandel und den Fachkräftemangel sei es wichtig, als Unternehmen eine Plattform zu bieten, auf der Jugendliche ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen können. Und so freut er sich über die frohe Botschaft, dass 2015, sozusagen im Jubiläumsjahr von Jugend forscht, in Bitburg der Landesentscheid ausgetragen wird. Überbringer war der rheinland-pfälzische Arbeitsminister Alexander Schweitzer, der gestern zusammen mit Michael Jäckel, Präsident der Uni Trier, die Siegerehrung übernahm. "Viele Preisträger von gestern kennen wir heute als renommierte Wissenschaftler", sagte der Minister. Er appellierte an die Schüler, ihre Neugier nicht zu verlieren, denn: "Ich möchte, dass aus euch die zukünftige Forscher-Generation hervorgeht."Die Sieger in den einzelnen Kategorien, Schüler experimentieren: Fachgebiet Arbeitswelt: 1.) Carlos Sariel Servaty, Peter-Wust-Gymnasium, Wittlich, Betreuung: Norbert Graf (Milch im Tetrapak - eine Mogelpackung?); 2.) Jana Thomalla, Privates Trifels-Gymnasium, Annweiler, Betreuung: Dominique Acker (Heute gedämmt, morgen gespart!!!); 3.) Jannick Brech, Nils Kerpen, Kooperative Gesamtschule St. Matthias, Bitburg, Betreuung: Mark Regelski (Haben Medien einen schlechten Einfluss auf das Konzentrationsverhalten von Schülern?).Fachgebiet Biologie: 1.) Maximilian Fuchs, Realschule plus Salmtal, Salmtal, Betreuung: Harald Fuchs (Immigranten aus dem Süden, wärmeliebende Heuschrecken in Rheinland-Pfalz); 2.) Aaron Ademes, Marcel Wadle, Maurice Riewer, Kooperative Gesamtschule St. Matthias, Bitburg, Betreuung: Winfried Hermes (Wir testen die Sinne von Bartagamen!), 3.) Constantin Fuchs, Isabell Biersack, Integrierte Gesamtschule Salmtal, Salmtal, Betreuung: Harald Fuchs (Mut zur Wildnis - mein Garten).Fachgebiet Chemie: 1.) Felix Peter Nagel, Veldenz Gymnasium, Lauterecken, Betreuung: Marion Roth-Bauer (Fleckenfrei- auch mit Haushaltsmitteln?); 2.) Michel Nau, Dominik Schenkel, Heinrich-Heine-Gymnasium, Kaiserslautern, Betreuung: Andreas Schmitt (Pflanzenöl - Die leckere Energiequelle der Zukunft); 3.) Marvin Kröher, Lorenz Dellwo, Heinrich-Heine-Gymnasium, Kaiserslautern, Betreuung: Michael Kaletta (Wachstum von Stalaktiten in Abhängigkeitverschiedener Konzentrationen).Fachgebiet Mathematik/Informatik: 1.) Peter Elsen, Niklas Zimmer, Kooperative Gesamtschule St. Matthias, Bitburg, Betreuung: Martin Berens (Barcode und QR-Code); 2.) Moritz Ditter, Max-Planck-Gymnasium, Trier, Betreuung: Hans Willkomm (Kreise mit Kreisen); 3. ) Zoe-Shiva Harder, Mariano Festa, Max-Planck-Gymnasium, Trier, Betreuung: Hans Willkomm (Parkettierung von Rechtecken mit einfachen Figuren).Fachgebiet Physik: Laura Clemens, Melissa Platz, Désirée Heringlehner, Stefan-Andres-Gymnasium Schweich, Betreuung: Christine Döring (Geschirrtuch ade - oder etwa doch nicht?); 2. ) Jana Weimann, Anna-Lena Schneider Kooperative Gesamtschule St. Matthias, Bitburg, Betreuung: Birgit Weimann (Der Coanda-Effekt); 3. ) Jonas Lichter, Tobias Lichter, Johannes Krämer, Kooperative Gesamtschule St. Matthias, Bitburg, Betreuung: Birgit Weimann (Der Bernoulli-Effekt).Fachgebiet Technik: 1.) Raphael Schommer, Lukas Berg, David Welker, Stefan-Andres-Gymnasium Schweich, Betreuung: Christine Döring (Ach du Schreck, der Schnee ist weg); 2.) Max Heidrich, Brandon Stöckl, Jeremy Bouju, Friedrich-Spee-Gymnasium, Trier, Betreuung: Esther Zabler, (Die Wasserrakete); 3.) Dardan Ramadani, Tobias Franz, Gymnasium Traben-Trarbach, Betreuung: Wolfgang Fink (Laufen(d) Strom erzeugen - Einsatz von Piezoelementen zur Stromerzeugung in Schuhen).Jugend forscht: Fachgebiet Arbeitswelt: 1.) Carsten Schaaf, Christoph Weber Berufsbildende Schule Landau, Betreuung: Johannes Stein (KFZ-Unfalldatenspeicher (BlackBox)), 2.) Sarah Thomalla, Privates Trifels-Gymnasium, Annweiler (NOGO - Der Pfeil der Leben rettet); 3.) Frederike Schmitt, Ann-Kristin Seiwert, Eva Marie Wilsmann, St.-Willibrord-Gymnasium, Bitburg, Betreuung: Christian Dockendorf (Licht als Haltbarkeitsförderer).Fachgebiet Biologie: 1.) Martin Polotzek, Max-Planck-Gymnasium, Trier, Betreuung: Martin Becker (Die Sprache der Erdmännchen); 2.) Tiziano Scharbillig, Antonia Schlemmer Bitburger Brauerei, Betreuung: Ulrich Lübken (Kleine Helfer - Große Einflüsse! Wie ändert die Weinhefe den Biercharakter?); 3.) Anna Döhn, Laura Scheuer, Gymnasium Saarburg, Betreuung: Peter Grasmück (Unterschied zwischen Stevia und Saccharose). Fachgebiet Chemie: 1.) Merlin Monzel, Max-Planck-Gymnasium, Trier, Betreuung: Thomas Schemer (Theoretische, analytische & praktisch-experimentelle Betrachtung von Riechstoffen); 2.) Kateryna Pugachova Max-Planck-Gymnasium, Trier, Betreuung: Guido Börner (Synthese von Paracetamol aus p-Aminophenol); 3.) Tristan Brech, Alexander ZimmerSt.-Willibrord-Gymnasium, Bitburg, Betreuung: Sven Mehlhorn (Sind Treibhausgase wirklich der Hauptgrund der Klimaerwärmung?).Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften: 1.) Marie-Theres Thielen, Peter-Wust-Gymnasium, Wittlich, Betreuung: Stefan Esseln (Lebensraumeigenschaften der Kompensationsfläche am Moselufer bei Minheim); 2.) Julian Kroll, Johannes Pöhls, Wilhelm-Erb-Gymnasium, Winnweiler, Betreuung: Doris Bertleff-Lutz (Alternativen zu Torf als Pflanzerdenzusatz); 3.) Matthias Leonard Schmitt, Europa Gymnasium, Wörth, Betreuung: Margarete Kübler-Thomas (Ein stationäres Freilandbelüftungssystem zur Frostprävention und Wachstumsbeschleunigung). Extra

Jugend forscht geht in die 49. Runde. Bundesweit unterstützen derzeit rund 250 Partner den Wettbewerb mit einer jährlichen Summe von etwa neun Millionen Euro. Neben Unternehmen engagieren sich auch Universitäten, Forschungseinrichtungen, Stiftungen und Verbände. Immer wieder entstehen Arbeiten mit originellen Erfindungen. Um diese vor unerwünschter Nachahmung zu schützen, sind Patentanmeldungen ein fester Bestandteil des Nachwuchswettbewerbs. Im Durchschnitt wird bei jedem Regionalwettbwerb eins angemeldet, das sind rund 70 Patente pro Wettbewerbsrunde. Dabei heben sich die klassischen Erfinderdisziplinen Arbeitswelt und Technik deutlich hervor. Rund 70 Prozent der zum Patent angemeldeten Projekte stammen aus diesen Fächern. Wie viele davon letztlich zur Produktreife gelangen, lässt sich nur schwer abschätzen, da sich der Umsetzungsprozess teilweise über Jahre hinzieht. sn Quelle: Stiftung Jugend forscht