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Wenn vom Neustart der Eltern die ganze Familie profitiert

Wenn vom Neustart der Eltern die ganze Familie profitiert

Rund 6700 Menschen in der Stadt Trier und im Landkreis Trier-Saarburg werden vom Jobcenter betreut und beziehen Arbeitslosengeld II. Tatsächlich angewiesen auf die Grundsicherung sind aber viel mehr Menschen, denn was die Zahl der Hartz-IV-Empfänger nicht zeigt, sind die Kinder, die sich in den sogenannten Bedarfsgemeinschaften verbergen.

Trier. In diesen Tagen hat für viele Mädchen und Jungen der Ernst des Lebens begonnen: Sie sind in die Schule gekommen. Trotz der anfänglichen Begeisterung verlangt dieser Schritt ihnen ein hohes Maß an Disziplin ab - und das Tag für Tag. Die meisten Kinder kennen das, denn schließlich müssen auch Mama und Papa jeden Morgen zur Arbeit gehen und Geld verdienen. "Für Mädchen und Jungen, deren Eltern schon lange arbeitslos sind, ist das jedoch keinesfalls selbstverständlich. Diese Umstellung fällt dann natürlich doppelt schwer. Und an neue Klamotten, einen Besuch im Restaurant oder gar eine Urlaubsreise ist ohnehin nicht zu denken, wenn die Eltern den Lebensunterhalt nicht aus eigener Kraft bestreiten", sagt Marita Wallrich, Geschäftsführerin des Jobcenters der Stadt Trier. "Arbeitslosigkeit betrifft immer die ganze Familie. Und gerade Kinder kommen mit den Folgen meist nur schwer klar." Doch das Gefühl - oder auch das konkrete Erleben - von Ausgrenzung, die häufig damit verbundene Scham und die Hilflosigkeit, die diese Kinder erleben, sind nur die eine Seite der düsteren Medaille, erklärt Wallrich. Hinzu komme, dass Kinder in ihrem Elternhaus eben auch kein Vorbild haben.
Neuanfang geglückt


Damit, ergänzt Rainer Drautzburg, Teamleiter im Jobcenter Trier-Saarburg, hätten viele Kinder schlechtere Chancen als ihre Altersgenossen, deren Eltern Arbeit und ein geregeltes Einkommen haben.
"Die Mitarbeiter im Jobcenter bemühen sich intensiv, diesen Familien neue berufliche Perspektiven zu eröffnen."
Wie zum Beispiel der 32-jährigen Katharina (Name geändert) aus Schweich: Die alleinerziehende Mutter eines Sohns im Grundschulalter ist selbst Erzieherin und seit einem Jahr auf Jobsuche. Davor hat sie zehn Jahre in einer Einrichtung der Jugendhilfe gearbeitet. Nach mehreren Umstrukturierungen beim Arbeitgeber ist sie arbeitslos geworden, nach einiger Zeit in Hartz IV abgerutscht und seither auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz: "Ich mag meinen Beruf wirklich gerne und will unbedingt wieder arbeiten. Wenn man als Mutter aber erst einmal arbeitslos geworden ist, ist eine Teilzeitstelle schwer zu finden, und nach und nach spitzt sich die finanzielle Situation immer weiter zu", erzählt sie. Um einen Ausweg aus der Arbeitslosigkeit zu finden, betreuen die Mitarbeiter des Jobcenters Frauen wie Katharina intensiv, helfen bei der Suche nach Betreuungsplätzen, verstärken die Vermittlungsbemühungen oder bieten Kurse speziell für Alleinerziehende an. Das allein reiche aber häufig nicht aus, meint der Chef der Trie rer Arbeitsagentur, Heribert Wilhelmi. Auch die Öffentlichkeit und vor allem die Arbeitgeber müssten für das Problem sensibilisiert werden.
Deshalb gehen die Mitarbeiter der Jobcenter und der Arbeitsagentur rund um den Aktionstag "Einstellungssache - Jobs für Eltern" noch einmal offensiv auf die Betriebe in der Region zu und stellen ihnen Bewerber vor.
"Selbstverständlich achten wir bei der Auswahl darauf, dass die Frauen und Männer die Leistungen erbringen können, die der Arbeitgeber von ihnen verlangt. Wir wollen aber auch darauf aufmerksam machen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein sehr wichtiges Thema ist, wenn man für Eltern wirklich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt und im Betrieb schaffen will", sagt Wilhelmi. "Auch unter den Langzeitarbeitslosen gibt es viele, die hochmotiviert sind und gute berufliche Qualifikationen mitbringen. Für diese möchten wir eine Lanze brechen." red