| 21:00 Uhr

Wettbewerb um die Besten

Wittlich hat's: Der gemeinsame Stand von Stadtverwaltung, Stadtmarketing und Mosel- und Eifel-Touristik auf der WWW. Foto: Sonja Sünnen
Wittlich hat's: Der gemeinsame Stand von Stadtverwaltung, Stadtmarketing und Mosel- und Eifel-Touristik auf der WWW. Foto: Sonja Sünnen
WITTLICH. Qualität macht's: Die Wittlicher Wirtschaftswoche (WWW) hat die Moselland-Ausstellung längst überholt. Es ist "die größte Gewerbe- und Industrieausstellung der gesamten Region", sagte Wittlichs Bürgermeister Ralf Bußmer bei der Eröffnung mit dem "Tag der Region". Bis Montag werden mehr als 60 000 Besucher in der Säubrennerstadt erwartet. ARRAY(0x14242a128)

"Deutschland krankt, Heilung ist noch nicht in Sicht": Professor Hermann Simon hielt sich mit brutalen Diagnosen nicht zurück. Der Mitinhaber der Bonner Unternehmensberatung Simon, Kucher und Partner hielt gestern vor mehr als 1000 geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft den Festvortrag zur Eröffnung der Wittlicher Wirtschaftswoche. Unter Beschuss geriet das komplizierte deutsche Steuersystem ebenso wie die Medien. Die berichteten im Zusammenhang mit Globalisierung viel von Stellenabbau. Unternehmen, die die globalen Märkte längst als Chance begriffen hätten, kämen dabei zu kurz. So entwickelt sich das, was Simon "die deutsche Schizophrenie" nennt: ein Zustand des Jammerns und Trübsalblasens trotz enormer Wachstumsimpulse - etwa durch den Export, der vergangenes Jahr in Deutschland auf Rekord-Niveau lag. Globalisierung, so Simon, vervielfache die Marktgröße. "Während meiner Kindheit gab es in meinem Heimatort Hasborn drei Telefone, kein Auto. Was wir in den vergangenen Jahrzehnten an Entwicklung erlebt haben, steht China und anderen Wachstumsmärkten noch bevor", erklärte der Professor. Fest stünde: Die Firmen wachsen, aber eben woanders. Das Traurige daran: Gerade Deutschland sei durch seine geostrategische Lage prädestiniert für globalen Handel. "Wenn wir das steuerlich interessant machen würden, kämen wohl alle Unternehmen gerne. Aber wir verspielen diesen natürlichen Vorteil lieber", klagte Simon. Überhaupt habe die Politik noch nicht erkannt, dass längst ein Wettbewerb um die besten Talente begonnen hat. Ebenso wenig sei die "demografische Zeitbombe" entschärft. Simon rät: "Wenn wir selbst keine Deutschen machen, müssen wir Inder und Chinesen zu Deutschen machen." Er plädiert für eine gesteuerte Zuwanderung von einer Million handverlesener Hochleister pro Jahr - etwa aus der indischen Ausbildungs-Elite, die derzeit in Amerika eine neue Heimat findet. Klagen über die hohen Unternehmensgewinne will Simon auch nicht mehr hören: "Wenn die Metro einen Börsenwert von 14,2 Milliarden Euro hat, Wal-Mart einen Wert von 158 Milliarden Euro - was glauben Sie, wer da wen schluckt?" Die Gefahr heißt für ihn "drohende Kolonialisierung Deutschlands", und die kann nur durch erfolgreiche Unternehmen gebannt werden. Dass Erfolg auch in der Region Trier möglich ist, demonstrierten die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion beim "Tag der Region" zum Thema Standortfaktoren. Einig waren sie sich darin: Die Region ist ein begünstigter Standort und Lückenschluss A 1, Meulenwald-Umgehung und B 50 neu sind zur stärkeren Anbindung an Wirtschaftsräume im Rhein-Maingebiet, der Kölner Bucht und in Nachbarländern nötig.