Whisky boomt, die Preise steigen

Düsseldorf · Edler, sortenreiner Scotch liegt weltweit im Trend. Wer den richtigen kauft, kann auf hohe Wertsteigerungen hoffen. Während bei anderen Hochpreis-Spirituosen wie Cognac die Nachfrage seit Jahren stagniert oder sinkt, steigt der Whisky-Absatz rasant.

Düsseldorf. Vor allem in den Schwellenländern erfreut sich das Gerste-Destillat wachsender Beliebtheit als Partygetränk der Erfolgreichen und als Statussymbol.
Nach Daten des globalen Spirituosen-Verbandes International Wine and Spirits hat sich die Nachfrage nach schottischem Whisky etwa aus China von 2000 bis 2010 verzwölffacht. 2011 sollen die Exporte der Schotten nach China unveröffentlichten Daten zufolge um 40 Prozent zugelegt haben. Auch in Indien, Südamerika und Russland wächst die Whisky-Nachfrage mit zweistelligen Prozentraten.
Schnaps als Statussymbol


"In diesen Ländern verhilft vor allem der Wunsch der neuen Mittelschicht, sich von der Masse abzusetzen, dem Scotch zu diesem enormen Boom", sagt David Pattison, Manager Emerging Markets bei Morrison Bowmore, "das Volk trinkt Reiswein, Bier, Wodka, Rum. Wer Erfolg demonstrieren will, greift in den Bars zum Single-Malt-Whisky, der in diesen Ländern nicht selten das Fünf- bis Zehnfache der eigenen Traditionsgetränke kostet."
Die wachsende Nachfrage trifft auf ein begrenztes Angebot aus Schottland. Dafür sorgen die strengen Regeln, denen die Produktion von Scotch unterliegt. Whisky ist im Prinzip billig; die Rohstoff- und Produktionskosten sind gering. Aber: Guter Whisky muss mindestens zehn, sehr guter 18 oder 21 Jahre reifen. Die rund 100 schottischen Brennereien können deshalb nur mit großer Verzögerung auf die steigende Nachfrage reagieren - die Preise werden also weiter steigen.
Entscheidend für das Preispotenzial ist aber nicht nur die Dauer, sondern auch die Art der Fassreifung. Denn das Fass ist für 60 bis 80 Prozent des späteren Geschmacks verantwortlich. Erst aus dem Fassholz zieht der Whisky seine unverwechselbaren Geschmacksmerkmale wie Harz und Teer. In den zehn bis 21 Jahren der Fassreifung finden zahlreiche langsame chemische Reaktionen statt. Der Alkohol zieht dabei Karamell, Vanillin und Tannine aus dem Holz; es entstehen Phenole und andere Stoffe, die in größerer Menge nicht gerade gesund sind - aber Geschmacksträger. Je kleiner das Fass im Verhältnis zur produzierten Menge, desto mehr Fasswand hat Kontakt mit dem Destillat, desto schneller die Geschmacksbildung.
Nach Fassreifung fragen



Wer Whisky mit Wertsteigerungsabsichten kauft, sollte daher bei den Destillerien die Art der Fassreifung erfragen; fast alle machen dazu bereitwillig Angaben. Brennereien mit viel Umsatz verwenden kleine Fässer, in denen der Whisky schneller reift. Mehr Potenzial haben die langsam und gründlich Gereiften aus großen Fässern. Im Trend liegen komplexe, milde Whiskys, die in Sherry- oder Portweinfässern reifen. Was diese eher süßen Sorten in einigen Jahren besonders knapp werden lassen dürfte, ist die Tatsache, dass Sherry und Port (wie andere Süßweine) schon seit den 1970ern immer weniger getrunken werden. Weniger Sherry-Fässer werden so für einen zusätzlichen Produktionsengpass bei diesen Whisky-Sorten sorgen. Ihre Fässer hüten die Destillerien daher wie einen Schatz.
Grundsätzlich sollten unerfahrene Anleger nur in sortenreine schottische Whiskys investieren - sogenannte Single Malts. Nur zehn Prozent der schottischen und weniger als ein Prozent der weltweit produzierten Whiskys sind Single Malts.
Fast alle bekannten Marken wie Dimple, Chivas Regal, Johnnie Walker oder Ballantines sind Blends. Diese können zwar aus hochwertigen Whiskys bestehen, als Investment eignen sie sich nicht, da sie aus den Whiskys unterschiedlicher Hersteller verschnitten sind.
Auch außerhalb Schottlands hergestellte Whiskys sollten Anleger nicht kaufen. Eine Ausnahme bilden japanische Single Malts. Irische oder US-Sorten mögen manchem schmecken; einen Investoren-Markt gibt es aber nicht; die Whiskys bleiben Massenprodukte.
Whisky hat neben der hohen Nachfrage, die auf ein knappes Angebot trifft, weitere Vorteile für Anleger: Anders als bei Kunst, Oldtimern oder Wein ist die Aufbewahrung einfach. Einen speziell temperierten Keller oder eine künstlich entfeuchtete Garage braucht man nicht. Whisky sollte lediglich stehend und dunkel bei halbwegs gleichbleibender Temperatur lagern - dann übersteht er 100 Jahre.

Die Autoren arbeiten als Experten für die Wirtschaftszeitung Handelsblatt

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