Wie der Vater macht's nicht jeder Sohn

Wie der Vater macht's nicht jeder Sohn

Nur noch jeder vierte Betrieb im Handwerk der Region Trier wird innerhalb der Familie an die nächste Generation weitergegeben. Wie es dennoch gelingen kann und was Unternehmer beachten sollten, zeigen unsere Beispiele.

Trier/Wittlich. "Wie der Vater so der Sohn." So lautet eine alte Redensart. Doch für viele mittelständischen Betriebe kann davon keine Rede sein. Denn immer seltener steigen die Kinder in den Handwerks- oder Industriebetrieb der Eltern ein. In dem Trie rer Elektro-Betrieb Kröschel ist die Nachfolgeregelung innerhalb der Familie entgegen dem Trend geglückt. Dabei gab es zunächst keinerlei Anzeichen dafür, dass Sohn Julian gemeinsam mit Vater Norbert die Geschäftsführung des mehr als 100 Jahre alten Betriebes teilen würde. "Ich ging davon aus, dass mein Sohn studiert", sagt der 61-jährige Vater.
Deshalb habe er auch schon Jahre vorher an eine Übernahme durch einen interessierten Bekannten gedacht. Doch nach dem Abitur macht der Sohn eine Lehre im elterlichen Betrieb, absolviert den Meisterkurs und ist derzeit in der Weiterbildung zum Betriebswirt im Handwerk. "Da ist alles glatt gelaufen", freut sich Norbert Kröschel.
Dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, weiß der Senior. "Deshalb soll Julian in die Arbeit hineinwachsen. Denn man kann vieles lernen. Nur Erfahrung, die macht man selbst", weiß der Elektromeister, der selbst den Betrieb aus Elternhand übernommen hat. Die ersten Erfahrungen als Chef hat Julian und damit dem Betrieb bereits einige neue, gerade jüngere Kunden beschert. "Die sprechen eine Sprache", weiß Vater Norbert. Und so hat er selbst wenig Bedenken, sich vom Familienbetrieb allmählich zurückzuziehen und den Sohn im Außendienst seine Sporen verdienen zu lassen. "Im Gegenteil, ich freue mich, Verantwortung abgeben zu können."
Eine Eigenschaft, die die Betriebsberater bei den Trierer Wirtschaftskammern nicht bei allen Seniorchefs erkennen können. "Für viele Unternehmer ist der Betrieb wie ein zusätzliches Kind", sagt IHK-Nachfolgeexperte Raimund Fisch. Dabei müsse man bei der Nachfolge Abstriche machen: "Viele verkennen, wenn auch spät: Ich kann nicht mein eigener Nachfolger sein." Auch Lisa Herbrand, Betriebsberaterin der Handwerkskammer (HWK) sagt: "Wenn der Übergeber keinen klaren Schnitt macht und loslässt, gibt es Probleme." So berichtet sie von einem ratsuchenden Unternehmer, der nun mit Ende 70 festgestellt habe, dass er an einer geregelten Nachfolge für den Fortbestand der Firma wohl nicht vorbeikomme.
Dass auf dem Weg der Übergabe Stolpersteine zu beseitigen sind, weiß Bernhard Clemens, geschäftsführender Gesellschafter der Wittlicher Maschinenbaufirma Clemens. "Beide Seiten haben Fehler gemacht", sagt der 53-Jährige. Der größte Fehler von Vater und Sohn sei jedoch gewesen, dass er als Sohn gleich nach dem Studium in den Betrieb eingestiegen sei - "ohne Erfahrung als Chef, ohne Abstand zu den Mitarbeitern". Bernhard Clemens wurde so Geschäftsführer neben seinem Vater. Seit 1996 leitet er das Unternehmen mit 125 Mitarbeitern in zweiter Generation - zusammen mit seinem Bruder Thomas, der in den USA die Niederlassung leitet.
Der Vater habe vor allem Schwierigkeiten gehabt loszulassen. "Im Gegensatz zu ihm als Gründer haben wir ein Leben neben und nach der Firma", sagt Clemens. Gerade weil die dritte Generation in der Ausbildung ist und er ein gebranntes Kind ist, hat er sich vorgenommen, "die Betriebsübergabe über eine Moderation zu lenken, die beide Seiten verbindet".

Lesen Sie im nächsten Serienteil, wie langjährige Mitarbeiter es geschafft haben, einen Betrieb zu übernehmen und auszubauen.
Meinung

Uneinsichtige Unternehmer
Ein Unternehmen hat selten einen Selbstzweck: Für den Gründer und Unternehmer ist es Lebensinhalt, für die Beschäftigten bedeutet es Sicherheit und Auskommen, für die Geschäftspartner ist es ein Garant für gute Geschäfte. Die Wirtschaft ist also ein verflochtenes System, in dem alles miteinander zusammenhängt und alle voneinander abhängig sind. Hier setzt die Verantwortung der Unternehmer ein. Sie müssen etwas tun, damit Risiken überschaubar bleiben und der Betrieb Bestand hat. Das schließt die Regelung der Nachfolge mit ein. Niemand ist unersetzbar. Dies einzusehen, damit tun sich Firmeninhaber schwer. Eine fehlende Planung kann jedoch die Firma und die eigene Existenz gefährden. Um so wichtiger ist die rechtzeitige Planung des eigenen Ruhestandes. Wer wird einem das verübeln? s.schwadorf@volksfreund.deExtra

Nachfolge rechtzeitig angehen: Die Wirtschaftskammern empfehlen die Vorbereitung für Unternehmer ab 55 Jahren. "Das ist ein Prozess, der sich mehrere Jahre hinzieht", weiß Raimund Fisch von der IHK Trier. Je organisierter eine Übernahme sei, "desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Betrieb erfolgreich weitergeführt wird". Profil des Nachfolgers festlegen und aktive Suche: "Meist wird erst in der Familie geschaut, dann unter den Mitarbeitern im Betrieb", sagt Lisa Herbrand von der Handwerkskammer (HWK) Trier. Des weiteren bieten IHK wie HWK eine Betriebsbörse an, in der sich sowohl Betriebe wie externe Führungskräfte über geeignete Partner informieren können. Wichtig für eine gute Übergabe ist auch ein Zeitplan und eine Regelung zur Altersvorsorge. Weitere Ansprechpartner: "Es geht bei einer Nachfolgeregelung auch um steuerliche, finanzielle und betriebswirtschaftliche Fragen", sagt HWK-Betriebsberaterin Lisa Herbrand. Deshalb müsse der Unternehmer auch den Steuerberater, sein Kreditinstitut und einen Rechtsanwalt mit ins Boot nehmen. Nachfolge: "Lieferanten, Kunden und Mitarbeiter sollten über den Nachfolger zügig informiert werden. Es gibt sensible Branchen, in denen Unruhe herrscht, weil längerfristige Garantien von einer Übernahme betroffen sein können", sagt Fisch. Die Nachfolge komme dann zum Abschluss, wenn der Übernehmer eingearbeitet ist und die Zahlungsmodalitäten vereinbart wurden. sas

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