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Wie die Bitburger und die Wirte mit der Krise umgehen

Getränke : Öffnungsperspektive mit vielen Fragezeichen

Bitburger und die Gastronomie gehören zusammen wie das Fassbier und der Zapfhahn. 50 000 Kneipen, Restaurants und Gaststätten werden von der Braugruppe beliefert. Und beide Seiten hatten ein krisenreiches Pandemie-Jahr zu überstehen.

  2020 war für die Gastronomie ein Horrorjahr. Und mit den vielen Kneipen und Gaststätten leidet auch die Bitburger Braugruppe. Traditionell ist das Unternehmen aus der Eifel stark im sogenannten Außer-Haus-Geschäft. Bitburger als Fassbiermarke Nummer eins hat im Gastronomie- und Veranstaltungsgeschäft einen Anteil von fast 30 Prozent am Gesamtabsatz der Marke. Und bei Bitburger ist das Fassbiergeschäft im Pandemie-Jahr 2020 um satte 50 Prozent eingebrochen (der TV berichtete). Die Braugruppe rechnet damit, dass rund 30 Prozent der Gastrobetriebe die Corona-Krise nicht überstehen könnten. Deshalb sei man sehr früh eingestiegen, um die Partner in der schwierigen Phase zu begleiten, erklärt Axel Dahm, Sprecher der Geschäftsführung der Bitburger Braugruppe. Die Unterstützungen liefen im finanziellen wie im logistischen und ideellen Bereich und sollten der Gastronomie, der Veranstaltungsbranche und dem Getränkegroßhandel Perspektiven zeigen.

Alex Brittnacher, Gastronom aus Trier, ist über diese Hilfen sehr froh. „Gerade im ersten Lockdown waren die Newsletter der Brauerei wirklich wertvoll“, erklärt der Wirt. Dort habe man beispielsweise Checklisten bekommen, wie ein Restaurant im Lockdown heruntergefahren wird. „Was ist zu tun, wenn ich monatelang den Betrieb schließen muss? Wie kann ich Kosten sparen? Wann kann ich die Kühlhäuser abschalten oder Heizkosten senken? Wie oft muss ich die Wasserleitungen durchspülen, um Legionellen zu vermeiden? Das alles waren in der Regel sehr wichtige Ratschläge“, erklärt der Wirt. Zudem gab es seitens der Brauerei auch bei Antragsverfahren oder Aufgaben Hilfestellung. So habe die Brauerei zum Beispiel die Stilllegungen und später das in Betrieb nehmen der Schankanlagen organisiert und bezahlt. Rainer Noll, Leiter Vertrieb Außer-Haus-Markt bei der Braugruppe erklärt: „Hier hat sich unser Gastroportal, das wir seit vielen Jahren unseren Partnern anbieten, bewährt, um Informationen bereitzustellen.“

Brittnacher ist darüber sehr dankbar. „Ich hatte im Frühjahr erstmals Existenzängste. Da ist es gut einen solchen Partner an der Seite zu haben.“ Der Trierer Unternehmer ist seit über einem Jahrzehnt in der Gastronomie tätig. Seit sechs Jahren ist er Geschäftsführender Gesellschafter im Alten Brauhaus in Trier-Heiligkreuz (kein Bit-Partner-Betrieb), seit drei Jahren betreibt er in den Sommermonaten den City-Beach auf dem Karstadt-Dach und den Strand „Moselperle“. Im vergangenen Jahr hat Brittnacher dann zudem die Sim in der Trierer Innenstadt von der Brauerei in Pacht genommen – und genau zehn Tage vor dem ersten Lockdown eröffnet. Im Sommer beschäftigt der Gastronom knapp 90 Mitarbeiter, rund 35 Festangestellte, sonst Saisonkräfte und Studenten in Minijobs. „Ohne die staatlichen Hilfen wäre ich nicht über die Runden gekommen“, erzählt er. Doch auch diese Unterstützung läuft schleppend. Von den November- und Dezemberhilfen hat Brittnacher bisher nur Abschläge bekommen, rund 50 Prozent. „Das mir da die Bitburger als Verpächter entgegengekommen ist, war wichtig“, erzählt er.

Liquiditätshilfen für die Gastronomiepartner seien von der Brauerei allerdings nicht mit der Gießkanne verteilt worden, sondern selektiv und individuell, erklärt Bit-Chef Axel Dahm. „Wir schauen uns das sehr genau an und versuchen dort, wo es für uns möglich ist, zu unterstützen.“ Doch Start- und Unterstützungshilfen gibt es seitens Bitburger auf vielseitige Weise. „Nach dem ersten Lockdown spendierte die Brauerei allen Wirten zur Wiedereröffnung ein 50-Liter-Fass“, erzählt Brittnacher. Und Fassbier, das wegen des Lockdowns nicht abgesetzt werden kann und dessen Haltbarkeitsdatum abläuft, nehme die Brauerei auch zurück. Zudem gab es als kleine Präsente 0,1-Liter-Bit-Gläser, die die Wirte an ihre Stammkunden verschenken konnten.

Die Pandemie habe die Gastrobetriebe aber auch im digitalen Bereich vor neue Herausforderungen gestellt. Noll: „Dort habe man den Betrieben geholfen bei der Wlan-Einrichtung, bei der Erstellung einer Homepage, bei Online-Bestell-Portalen und Erstellung digitaler Speisekarten.“ Unterstützung gab es seitens der Brauer auch im Vorfeld der Rückkehr aus dem Lockdown auch bei Hygiene-Konzepten. Zur Wiedereröffnung im Mai legte Bitburger  ein Punkte-Programm, mit Schankanlagenreinigung, Eröffnungsgeschenken, Verkaufsförderungspaketen und Anzeigenkampagnen auf.

Der Sommer hatte dann auch für Brittnacher einige Lichtblicke. „Wir sind mit dem Strand an der Mosel und dem City-Beach verspätet gestartet. Aber das ist sehr gut gelaufen.“ Im Alten Brauhaus, mit vielen Stammkunden, funktioniert auch jetzt im zweiten Lockdown das „Abholgeschäft“ recht gut. „Doch das ist gerade so viel, dass einige Mitarbeiter teilweise aus der Kurzarbeit kommen konnten.“ Mit Blick auf mögliche Öffnungsszenarien, ist der Trierer Wirt sehr zurückhaltend. „Wir brauchen eine gewisse Vorlaufzeit. Schankanlagen müssen in Betrieb genommen werden, die Kühlhäuser hochgefahren und der Großhandel muss entsprechend vorbereitet sein, damit Waren geordert werden können“, sagt Brittnacher. Sollte dann nur die Außengastronomie öffnen können, birgt das viele Fragen und einige Gefahren für die Betriebe, meint Alex Brittnacher. Welche Karte bietet man an, eine kleine Bistrokarte oder eine Restaurantkarte mit Menüs? Was passiert, wenn Reservierungen vorliegen und dann das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht? Und die große Angst bleibt, was passiert, wenn die Inzidenzzahlen wieder hochspringen und die Restaurants und Kneipen nach zwei Wochen wieder dicht sind. „Denn das Hochfahren der Gastronomie, die Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurücknehmen, das kostet viel Energie und Geld“, erklärt Brittnacher. „Ich würde mir von der Politik wünschen, dass es eine klare Aussage gibt, bis wann nicht geöffnet wird – also Ostern auf oder zu? Damit wir auch belastbar und zeitig planen könnten. Einen dritten Lockdown würden viele in der Branche nicht überstehen.“

Klare Ansagen, dann könnten Wirte und Verbraucher sich einstellen. „Ich glaube einer der großen Sehnsuchtswünsche ist derzeit bei vielen Menschen ein frisch gezapftes Bier vom Fass.“